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„This is the end?“

Text Fiona Zelenka , Astrid Homma
Ausgabe 06/2026

„This is the end, my only friend, the end“, sangen schon „The Doors” 1967. Doch das Ende wovon eigentlich? Anstatt blinkender Lichter, wummernder Musik, Gelächter und guter Stimmung herrscht sowohl im Warehouse als auch im La Boom Stille, Leere und Dunkelheit. Die Jahre 2025 und 2026 haben St. Pölten vor allem eines gekostet – ihre Clubs.


Ungefähr ein Jahr, nachdem das Warehouse seinen Ganzjahresbetrieb eingestellt hat, verschwindet nun also auch das La Boom von der Bildfläche. Doch was bedeutet das eigentlich für die Jugend St. Pöltens? Macht es ihnen überhaupt noch Spaß auf stickigen Tanzflächen zu dröhnenden Beats abzugehen? Oder ist Fortgehen möglicherweise einfach nicht mehr so „in“ wie früher? Die Jungredakteurinnen von mfg-Das Magazin hörten sich in der Jugendszene um.

The Times they are a-changin‘
Das Nachtleben verändert sich zunehmend. Früher waren junge Leute auf das Fortgehen angewiesen. Wenn man nur daheim saß, konnte man niemanden kennenlernen oder neue Kontakte knüpfen. Diskos wie beispielsweise das La Boom oder das Warehouse waren beliebt, es gab Musik, Getränke, Platz zum Tanzen und viele Gleichaltrige, mit denen man sich bekannt machen konnte. Doch heute brauchen junge Leute diesen Austausch nicht mehr unbedingt. Über soziale Medien wie Instagram oder Snapchat sowie über Dating-Apps wie Tinder lernt man heute andere Leute auch so kennen, für viele haben zudem private Feiern und kleinere Veranstaltungen an Bedeutung gewonnen. Vor allem während und kurz nach der Corona-Pandemie haben sich Treffen in kleineren Gruppen etabliert. Man gewöhnte sich an weniger Leute und verlor deshalb vielleicht auch ein bisschen die Lust in heißen, engen Räumen neben vielen verschwitzten Menschen zu dröhnenden Beats zu tanzen. „Homepartys und kleinere Feste wirken für viele auch deshalb mitunter attraktiver, weil man mit einer ausgewählten Schar Freunde hingehen und so richtig ‚die Sau rauslassen‘ kann“, erklärt Studentin Elena das Phänomen.
Haben Social Media und Corona also die Lust aufs Fortgehen gekillt, wie Erwachsene gerne über die Jungen dozieren? Die Antwort lautet eher nein, denn auch wenn die Frequenz der sozialen Kontakte durch Kommunikation im digitalen Raum verbessert wird und Social Media helfen kann, sich mit Gleichaltrigen zu verknüpfen, spielt sich ein großer Teil des Freizeitlebens vieler Jugendlicher nach wie vor abseits ihrer Telefone ab. Das Fortgehverhalten der aktuellen Generation der 15-19-jährigen ist zudem nur mehr bedingt von Corona beeinflusst. „Ausdrücke wie ‚Keep your distance‘ oder der ‚Babyelefant‘ gehören längst der Vergangenheit an! Das Bedürfnis nach guter Musik und Festen wird unter den Jugendlichen wieder größer“, ist Studentin Leonie überzeugt. Jugendliche haben also nach wie vor das Verlangen, ihr Leben zu leben, Freundschaften zu schließen, Kontakte zu knüpfen und einen Ausgleich zum oft stressigen Schul- oder Arbeitsalltag zu suchen.

No time left to party?
Aber die Jugendlichen haben viel um die Ohren: Schularbeiten, Tests, Prüfungen und Seminararbeiten gehören zum Alltag von SchülerInnen und StudentInnen. Daneben arbeitet man vielleicht auch noch, treibt Leistungssport oder spielt ein Musikinstrument. Außerdem will man Freunde und Verwandte treffen, Computerspiele spielen, lesen oder sich einfach mal ausruhen. Andere wiederum stehen überhaupt schon voll im Arbeitsleben und spulen täglich acht Stunden im Job.
Bleibt fürs Fortgehen also schlicht keine Zeit mehr über? „Ich glaube nicht, dass man weniger fortgeht, nur weil man nebenbei viel zu tun hat. Meine ganzen Freunde und ich haben Schule oder machen eine Lehre und gehen trotzdem fort“, erzählt Viktoria, eine Schülerin der HLW St. Pölten. Schließlich wollen junge Leute ja trotzdem Spaß haben und mit ihren Freunden feiern, auch wenn der Alltag mal stressig ist. 
Das Argument, dass Jugendliche das Feiern sozusagen verlernt haben, wie viele Club- und Diskothekenbetreiber mitunter ihre schwindenden Besucherzahlen erklären, zieht also nicht ganz. Woran liegt es aber dann, dass Clubs aus wirtschaftlichen Gründen schließen müssen? „Eher an der Fortgehweise der Jugendlichen, die sich im Gegensatz zu früheren Zeiten einfach verändert hat“, glaubt Viktoria. „Der Fokus liegt heute nicht mehr so sehr auf exzessivem Trinken, als vielmehr auf Entertainment und gemeinsamen Erlebnissen.“ 

Where Have All The Good Times Gone?
Das heißt, dass die Angebote als solche heute vielleicht angepasst werden müssten, denn alle Befragten sind sich einig: „Der Wunsch nach guten Events ist nach wie vor groß – ob Hausparties, Club-Events, Festivals oder auch Landjugendfestln. Den meisten ist alles lieber als nichts.“ Die Möglichkeiten im Raum St. Pölten werden aber von vielen als sehr beschränkt wahrgenommen – der Wegfall der letzten Clubs wird dabei durchaus als schmerzhaft empfunden. „Gute Fortgehmöglichkeiten in St. Pölten gibt es so gut wie gar nicht!“, beklagt etwa Studentin Ilvy. Zwar gäbe es kleinere Bars und Lokale wie etwa das Narrnkastl, die Chameleon Bar, das Yesterday & Co, doch das „reicht für mich persönlich als Ersatz nicht aus, weil Lokale wie etwa das Barrock eher für ein älteres Klientel sind, das gemütlich zusammensitzen und ein gutes Getränk genießen will. Es fehlen in St. Pölten aber Angebote für die Jugend! Ob das jetzt ein Club oder eine hippe Bar ist – wenn es sowas gäbe, würde ich es auch nutzen“, ist Tobias, ein Student der FH St. Pölten überzeugt. 

Dorffest statt Dancefloor 
Sehr wohl ein Fortgeh-Anziehungspunkt im Frühling und Sommer sind die diversen Landjugend- und Feuerwehrfeste, die den Clubs als Konkurrenz das Wasser abgraben. Dort zahlt man meistens keinen Eintritt, die Getränke sind billiger, es gibt auch keine wirkliche Altersbeschränkung, wodurch mehr Leute angesprochen werden und auch 14-, 15-Jährige erste Fortgehluft schnuppern können. „Natürlich geht es auch ums Budget“, stellt Studentin Elena klar. „Meiner Ansicht nach ist Fortgehen schon sehr teuer geworden, vor allem in Clubs zahlt man oft Eintritt und die Getränke sind auch nicht billig – da verstehe ich, wenn die Jugend eher auf Feste oder Homepartys geht. Viele bekommen ja auch gar nicht so viel Taschengeld.” Bleiben für die klassischen Clubs und Bars eher nur die Älteren als Kundschaft über, „die sich das leisten können. Die fahren dann aber oft gleich nach Wien weiter, wo das Angebot größer ist.“
Noch einen Aspekt erwähnen die Befragten, der das Fortgehvergnügen in St. Pölten bisweilen trübt: die Erreichbarkeit mit Öffis. Tatsächlich scheint es – v. a. für die auswärtigen Besucher – bisweilen leichter, aufs nächste Dorffest zu gelangen, als fürs Fortgehen extra nach St. Pölten zu pendeln „denn Züge und Busse fahren in der Nacht nicht, die Taxis sind teuer, und die Eltern können einen ja auch nicht immer abholen.“ 

Vienna and Krems Calling
Setzt man sich doch einmal ins Auto bzw. nimmt eine längere Anfahrt auf sich, führt der Weg aktuell häufig nicht in die St. Pöltner Innenstadt, sondern – angesichts mangelnder Alternativen in der Landeshauptstadt – zum Beispiel in die Eventstage nach Krems. „Die punkten mit gehypten Events wie Black Circus oder Ami vs. Deutsch-Rap, mit beliebter Musik sowie mit Club-Shows von großen Namen wie beispielsweise Jazeek oder Capital Bra“, schwärmt Studentin Leonie. Viele der 18- bis 25-Jährigen wiederum zieht es in die Bundeshauptstadt. „Wenn wir fortgehen, dann gleich lieber in Wien. Da kann man vorher gut essen gehen und dann wirklich einen ganzen Abend verbringen. Da sind die cooleren und spannenderen Clubs, da kann man viel mehr machen”, sind sich Studenten Ilvy und Tobias einig, wobei man auch hier mit bereits erwähnten Öffi-Problemen zu kämpfen hat, „weil nach Mitternacht kaum mehr Züge fahren und das Heimkommen nach St. Pölten daher schwierig ist. Da bleibt nur die Möglichkeit, entweder die Nacht durchzumachen oder verfrüht heimzufahren – was beides nicht immer so spaßig ist!“

Don’t Stop The Music 
Spaß ist den Jungen aber wichtig wie eh und je! Die jungen Erwachsenen haben das Fortgehen sicher nicht verlernt, sondern eher anders gelernt. Die Schließung von Warehouse und La Boom hat zwar das St. Pöltner Nachtleben verändert, nicht aber den Wunsch der Jugendlichen nach unvergesslichen Abenden mit Musik, Spaß und Freunden. Für viele steht dabei weniger der Alkoholkonsum, als der gemeinsame Spaß im Vordergrund. Sie wünschen sich aber sehr wohl nach wie vor „richtige Events mit Künstler­Innen und Liedern, die uns gefallen.“ Sie wünschen sich weiterhin coole Locations und Clubs, wo man sie aber wohl mit neuen Konzepten, die sich am veränderten Fortgehverhalten und ihrer Lebenswelt orientieren, abholen müsste. „Es wäre cool, wenn es eine Einrichtung für junge Leute gibt, ähnlich wie das La Boom, aber auch schon für 14- und 15-jährige Leute, mit verschiedenen Floors und unterschiedlicher Musik“, meint etwa Schülerin Viktoria. Ein Ort ähnlich der Eventstage in Krems oder dem VAZ St. Pölten, wo abwechslungsreiche Musik gespielt wird, verschiedene MusikerInnen eingeladen werden und der Eintritt nicht zu teuer ist. Dann kann man nämlich auch hingehen und „abdancen“, wenn man keinen Alkohol trinken, sondern einfach nur eine gute Zeit haben will. Auch eine bessere Öffi- Anbindung, besonders in der Nacht mit Shuttlebussen oder dergleichen wäre wichtig. Damit könnte man auch Jugendliche aus den umliegenden Dörfern wieder nach St. Pölten locken und das Nachtleben reaktivieren.