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St. Pöltens gute Seite

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ZWISCHEN ERNÄHRUNG, ERZIEHUNG UND ENTERTAINMENT

Text Michael Reibnagel Ausgabe 02/2019

Martin Schlatzer ist wohl das, was man als Tausendsassa bezeichnet. Dem Großteil der indigenen Bevölkerung – also jenen, die in den letzten Jahren auf diversen Parties in und um der Stadt unterwegs waren – ist er vor allem als DJ Marty McFly ein Begriff. Dass er aber auch Stadtbegleiter, Schauspieler und Ernährungsökologe ist, wissen nur die wenigsten.

Geboren wurde Martin 1979 in St. Pölten und ist – mit Ausnahme des obligatorischen Wien-Aufenthalts zum Zwecke des Studiums – der Stadt treugeblieben. Studiert hat er Ernährungswissenschaften und ist mittlerweile hauptberuflich als Ernährungsökologe am Zentrum für Globalen Wandel und Nachhaltigkeit an der BOKU Wien tätig. Im Zuge dessen erforscht er hauptsächlich die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Landwirtschaft und Klimawandel und hat dazu auch das Buch „Tierproduktion und Klimawandel – ein wisschenschaftlicher Diskurs zum Einfluss der Ernährung auf Umwelt und Klima“ vorgelegt.Dass dem sich seit mehr als 20 Jahren vegan ernährenden Wissenschaftler Umwelt und Nachhaltigkeit am Herzen liegen, merkt man auch im Gespräch sofort. „Die Ernährung hat große Auswirkungen auf Umwelt, Klima und Ressourcen. In Österreich essen wir im Schnitt um zwei Drittel mehr Fleisch als maximal empfohlen wäre. Durch einen pflanzenbetonte, vegetarische oder vegane Ernährung können wir bis zu 70% der Treibhausgase am Ernährungssektor einsparen, wodurch sich auch klare Benefits für unsere Gesundheit ergeben.“

Mit offenen Augen durch die Stadt
Nebenbei ist Martin auch als Stadtbegleiter in St. Pölten unterwegs und zeigt dabei hauptsächlich Volksschülern die Geheimnisse der Stadt. „Ich wohn schon ewig in St. Pölten, wusste aber wenig über den geschichtlichen Hintergrund der Stadt. Das hat sich durch meine Arbeit als Stadtbegleiter natürlich komplett geändert. Heute begleite ich die Kinder im Schnitt ca. vier bis fünf Stunden durch St. Pölten. Es gibt einiges zu sehen und zu entdecken, wenn man mit offenen Augen durch die Stadt geht“, erzählt Martin. Ganz wichtig sei dabei im Übrigen der Spaß, mit dem das geschichtliche Wissen den Kindern vermittelt wird: „Das kommt besser an, als wenn man alles nur monoton runterbetet.“ Dabei versucht sich Martin immer auf die jeweilige Gruppe einzustellen, was für ihn aufgrund eines weiteren Talents wohl absolut kein Problem darstellt.

Auf den Brettern, die die Welt bedeuten 
Martin Schlatzer tritt nämlich auch als Schauspieler immer wieder in Erscheinung. Sein Interesse dafür entdeckte er bereits in jungen Jahren, wobei sein großes Vorbild immer Jerry Lewis war. Er wirkte in diversen Schultheaterstücken mit und stand bei internationalen Jugendtheaterfestivals auf der Bühne. Aufgrund einer ernüchternden Erfahrung auf einem Filmset sowie der geringen Jobchancen für Schauspieler entschied er sich aber irgendwann für den straighteren Weg. Als er mit 17 Veganer wurde, begann er sich auch bewusster mit Ernährung auseinanderzusetzen, was letztlich zum Studium der Ernährungswissenschaften führte. „Die Filmbranche ist im Endeffekt vielleicht gar nicht so spaßhaft, wie man glaubt. Für eine halbe Minute im Film benötigt man schon mal einen ganzen Drehtag. Ich habe mich daher in Zukunft als Ernährungswissenschaftler gesehen und bin davon ausgegangen, dass es dafür bessere Jobaussichten gibt.“Völlig hat Martin die Schauspielerei freilich nicht hinter sich gelassen. Heute steht er immer noch ab und an auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Zwar nur als Hobby, aber doch auch mit einem ernsten Hintergrund. Er spielt immer wieder in Aufklärungsstücken des sogenannten Kontaktiertheaters. Dabei werden Themen wie Mobbing, Drogen Migration und ähnliches behandelt. Schulen können die Theatergruppe buchen und in zwei Stunden werden die jungen Erwachsenen – das Theater richtet sich hauptsächlich an Schülerinnen und Schüler der Oberstufe – an diese brisanten Themen herangeführt. Eine Stunde davon dauert das Stück an sich, die zweite ist für Diskussion und Nachbereitung gedacht. Da auch unter anderem Magersucht immer wieder vor den Vorhang geholt wird, ist es natürlich sehr von Vorteil, einen Ernährungswissenschaftler dabei zu haben, der bestens mit der Materie vertraut ist. Dabei geht es der Theatergruppe nicht primär darum, den Zeigefinger zu heben, sondern eher um Bewusstseinsbildung. „Die Kinder sollen unter anderem merken, dass Gruppenzwang gerade in jungen Jahren ein großes Thema darstellt. Man muss beispielsweise nicht rauchen, um cool zu sein!“

DJ aus Leidenschaft
Doch das alles ist noch nicht genug. Marty McFly, so Martins DJ-Name, ist seit einigen Jahren auch ziemlich erfolgreich hinter den Plattentellern unterwegs. Dabei hat alles relativ spontan begonnen, als er mit 17 Jahren seinen Bruder – damals selbst DJ – zu einer Auflegerei begleitete. „Mein Bruder brauchte noch jemanden zum Auflegen und ich sagte spontan zu – es war sozusagen der Sprung ins kalte Wasser, aber ich war von Anfang an begeistert und wusste, dass es nicht das letzte Mal sein würde.“ Ein paar Jahre später kam er dann in Kontakt mit Norbert „Pauli“ Bauer und seither ist Martin ein Fixstarter bei diversen Veranstaltungsreihen in St. Pölten und Umgebung. Am Seniorenfloor, bei Veranstaltungen im Cinema Paradiso oder Warehouse kann man Marty McFly hauptsächlich zu Gesicht bekommen. Die Musik der 80er-Jahre ist Martins Steckenpferd, aber auch den 70ern und 90ern ist er nicht abgeneigt. Wer ihn einmal in Aktion gesehen hat, weiß, dass für ihn das schnöde Abspielen der gewählten Songs nicht alles ist. Ein wichtiger Aspekt seiner Auflegerei sind die teils akrobatischen Tanzeinlagen, mit denen das Publikum animiert und motiviert werden soll. „Es muss bei meinen Sets immer einen roten Faden geben. Viel wichtiger als der technische Übergang ist für mich dabei der dramaturgische“, erzählt Marty. Anders als so manch anderer DJ ist er dabei auch Musikwünschen gegenüber nicht abgeneigt. Diese müssen aber passen. Sei es vom Genre her, aber auch in den Drive und zum Publikum. Dass manche Lieder natürlich nicht gespielt werden, steht außer Frage. Helene Fischer, Andreas Gabalier und Konsorten wird man bei einem Marty McFly Set vergeblich suchen. „Ich bin ja kein Wurlitzer, der wirklich alles spielt. Nicht einmal bei Hochzeiten. Viele Leute vertrauen voll darauf, dass ich weiß, was ich tue. Manche sagen mir aber auch, welche Lieder unbedingt gespielt werden sollen.“ Passend zur Musik ist außerdem das Equipment, das er verwendet. Während viele der Kollegen schon auf Laptops und ähnliches umgestiegen sind, setzt McFly bewusst auf CDs und Platten, da diese für ihn die alten DJ-Werkzeuge darstellen. Dies, obwohl sich der Transport von dutzenden Platten oftmals etwas komplizierter und mühsamer darstellen kann.Da das alles noch nicht genug ist, kann man Martin als DJ für Hochzeiten und diverse Feierlichkeiten buchen. Und auch da wird man den roten Faden und die Tanzeinlagen nicht vermissen. Näheres zum Wissenschaftler, Künstler und vor allem Menschen Martin Schlatzer findet man unter www.martin-schlatzer.at.