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St. Pöltens gute Seite

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Wenn sich der Wind dreht

Text Johannes Reichl Ausgabe 11/2018

Hört man in St. Pölten den Namen Trauttmansdorff, denkt man unweigerlich an Schloss Pottenbrunn sowie die von den Nazis ermordeten Widerstandskämpfer Josef und Helene Trauttmansdorff. In Hinkunft wird man noch etwas unverwechselbar mit der Familie assoziieren: Wind! Dafür zeichnet Windkraftpionier Johannes Trauttmansdorff mit seiner „ImWind“ verantwortlich.

Das Hauptquartier der Firma, die auch einen Ableger in Wien hat, befindet sich gleich neben dem Schloss in der alten Hofmühle. Während draußen ein altes, seine Kreise ziehendes Mühlrad an die ehemalige Nutzung erinnert, überrascht das Innere nach vormaliger kompletter Entkernung mit einem modern-stylischen Ambiente. Von den Büros sowie vom Besprechungszimmer im oberen Geschoss aus, wo wir uns mit Johannes Trauttmansdorff zusammensetzen, genießt man einen herrlichen Blick auf Schloss und Schlossgarten und kann morgens und mittags das lebendige Treiben der Kinder der benachbarten Montessori-Schule beobachten – es gibt wahrlich schlimmere Arbeitsplätze. Wirtschaftlich betrachtet war die Sanierung des alten Gemäuers, um es euphemistisch auszudrücken, teure Liebhaberei, im Sinne der Tradition und Erhaltung alter Substanz aber vorbildlich. „Und wenn nicht einmal wir uns das leisten, wer hätte es sonst tun sollen?“, fragt Trauttmansdorff, der im neugeschaffenen Hauptquartier im Übrigen auch eine kleine Kantine für die Mitarbeiter eingerichtet hat, wo ein Koch – auf Kosten des Arbeitgebers – „täglich frisch und bio kocht. Das schmeckt erstens besser, fördert die Kommunikation, weil wir zusammensitzen, und es ist natürlich gesünder.“ Und gesunde und zufriedene Mitarbeiter sind wieder motivierter und besser für das Unternehmen, so die Grundüberlegungen des Chefs. Man ahnt schon, wie Trauttmansdorff tickt. Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Verantwortungsbewusstsein sind nicht nur Schlagworte, sondern Lebensphilosophie, die er von Anfang an in all seinen Betrieben großschreibt – zuallererst im elterlichen Land- und Forstwirtschaftsbetrieb. Der Familie Trauttmansdorff gehören rund um Pottenbrunn etwa 350 ha Land, davon 250 ha Wald sowie 100 ha Äcker.

Die Sache mit dem Mais
Schon der Vater ist, was man klischeemäßig wohl vordergründig weniger mit Adel assoziiert (aber doch immer ein Kerngeschäft ist), Forst- und Landwirt. Der Junior wächst ganz selbstverständlich in diese Welt hinein. „Ich bin schon als kleiner Bub meinem Vater im Wald hinterher gestolpert und auf dem Traktor gesessen.“ Als einziger Sohn – Trauttmansdorff hat drei Schwestern – ist zudem klar, dass er einmal den Betrieb übernehmen wird. „Das habe ich auch nie in Frage gestellt“, räumt er ein, und so studiert Trauttmansdorff nach Besuch der Volksschule Pottenbrunn sowie des Stiftsgymnasiums in Melk Landwirtschaft im deutschen Weihenstephan,  „weil die Uni einen hervorragenden Ruf genossen hat.“  
In kürzester Dauer zieht der Jugendliche das Studium durch und übernimmt, back home, 1994 im zarten Alter von nur 23 Jahren den elterlichen Betrieb. „Ich kann mich noch erinnern, wie mein Vater mit mir ins Büro im feucht-kalten Keller hinunter gegangen ist und nur gesagt hat: ‚So, da ist dein Schreibtisch!‘ Das einzige elektronische Gerät darauf war ein Taschenrechner!“
Voll neuer Ideen und Visionen stürzt sich der Jungbauer „radikal“ in die Modernisierung des Betriebes, „wobei  mir von Anfang an biologische Landwirtschaft und Nachhaltigkeit ein Anliegen waren.“ „Nebenbei“ wird noch geheiratet, das erste Kind wird geboren und – späterhin – kommt auch noch das Herzensprojekt Windkraft hinzu. „Meine Mutter hat gesagt, ich bin in der Zeit nie gegangen, sondern immer nur gelaufen, und ich selbst bin mir vorgekommen wie ein Hendl, das kopflos durch die Gegend läuft.“ Heute würde man von Workaholic sprechen, wobei es Trauttmansdorff in Sachen Selbstausbeutung sozusagen irgendwann übersieht und zweimal ins Burnout schlittert. „Ich brauchte in Folge professionelle Hilfe“, erzählt er „und habe in der Zeit viel über mich selbst und mein Leben gelernt.“
In einer der Stressphasen, er muss kurzfristig nach Spanien, vergisst er das Maislager nach nächtlicher Belüftung morgens wieder zu schließen. „Als ich nachhause gekommen bin, hat es schon in ganz Pottenbrunn nach verschimmeltem Mais gerochen.“ Gut 50% der Ernte gehen verloren, „und da habe ich gewusst, ich muss etwas ändern!“ In Folge bewirtschaftet Trauttmansdorff den Betrieb mit einem Partnerbauern über den Maschinenring, später folgt die komplette Verpachtung, um sich voll und ganz auf die Windenergie zu konzentrieren.

Die Sache mit dem Wind

Wobei auch da Mais indirekt eine Rolle spielt. Beim Maisverkauf nämlich trifft er einen befreundeten Bauern „und was tun zwei Bauern, wenn sie sich sehen? Sie jammern“, lacht Trauttmansdorff. Damals beklagen sich beide über die eingebrochenen Maispreise nach dem EU-Beitritt Österreichs. „Vorher bekamen wir 4,65 Schilling pro Tonne, nachher war es nur mehr 1 Schilling. Es gab zwar Förderungen, aber wir haben uns gefragt, wie lange diese wohl laufen werden?“ Es stellt sich also die Frage nach Alternativen. „Ich hab mich damals schon mit Wind­energie beschäftigt, und mein Freund hatte zufälligerweise tags zuvor ein gebrauchtes Windmessgerät gekauft.“ Am folgenden Tag fahren die beiden schon auf die höchste Erhebung Pottenbrunns, graben dort ein Loch, bestücken eine zugeschnittene Fichte mit dem Windmessgerät und stellen den Baum wieder auf, um in luftiger Höhe die Windstärke zu messen – der Beginn einer neuen Ära und definitiv der Aufbruch ins Ungewisse, denn Windkraft „galt damals als absolutes Hirngespinst. Die Fachwelt hat der Technologie keine Chance gegeben.“
Trauttmansdorff lässt sich davon aber nicht beirren und läuft in Folge „von Pontius zu Pilatus“, um eine Finanzierung aufzustellen und Fördergeber zu finden. „Windkraft ist ja extrem kapitalintensiv. Heute muss man mit Herstellungskosten von etwa fünf Millionen Euro pro Windrad rechnen, ein Windpark kommt da schon auf gut 20-25 Millionen“, rechnet er vor. Zwar werden damals noch kleinere Brötchen gebacken, „aber auch die 35 Millionen Schilling, die unser erster Windpark gekostet hat, waren für uns eine schier unvorstellbare Summe. Wir  haben gewusst, wenn das schief geht, dann sind wir Haus und Hof los. In Wahrheit hatten wir nur unseren Idealismus, aber kein Budget.“
Aber auch ein Fieber und eine Leidenschaft, die ansteckend sind. So können sie etwa den damaligen Bürgermeister Willi Gruber für die Idee eines Windparks begeistern, der die Windkraftpioniere „wir waren gerade einmal fünf Mann hoch“ zu einem Termin beim Landeshauptmann begleitet – und Zeuge eines Desasters wird. Der LH zeigt kein Verständnis für die vermeintlich abstrusen Ideen und komplimentiert die Jungspunde, um es elegant zu formulieren,  unsanft aus seinem Büro. „Umso überraschender kam dann, dass zwei Wochen später der damalige ÖVP-NÖ-Klub­obmann Ernst Strasser angerufen hat und wir in ein Förderprogramm gerutscht sind.“
Der erste Windpark entsteht 1998 in Pottenbrunn, wobei viele das Scheitern der „Spinner“ erwarten – das freilich ausbleibt. Das erste Windrad läuft gut, so gut sogar „dass die EVN anfangs drei Mal den Zähler ausgetauscht hat, weil sie den Zahlen nicht geglaubt hat“, schmunzelt Trauttmansdorff.

Wind wird sexy
Der Erfolg gibt den Pionieren sprichwörtlich Aufwind. Sie schließen sich zur IG Windkraft zusammen und sind, „weil es sich bei der Materie ja um völliges Neuland gehandelt hat“ auch in die Entstehung einer Gesetzgebung aktiv miteingebunden. „Eine harte Zeit, weil sich das Gesetz anfangs ja alle zwei Jahre geändert hat und wir uns immer wieder neu anpassen mussten.“ Auch die damalige Diskussion um Bundesförderungen ist ein Wechselbad der Gefühle. Während Wirtschaftsminister Martin Bartenstein „obwohl er vorher Umweltminister gewesen ist, praktisch alles abgedreht hat“, bringt sein Nachfolger Reinhold Mitterlehner das wegweisende Ökostromgesetz auf Schiene.
Das Fahrwasser werden also ruhiger und Investoren und Banken – „in der Anfangszeit allen voran Franz Frosch von der damaligen Creditanstalt“ –  beginnen an die Pioniere zu glauben und Windkraft-Projekte zu finanzieren. Nach der Finanzkrise 2008/2009 ist das Standing der jungen Branche mittlerweile so gestiegen, „dass die Banken auf der verzweifelten Suche nach guten, sicheren Projekten v. a. auch in Windkraft investiert haben.“ Diese gilt mittlerweile als solides Investment mit vernünftiger Rendite.
Tatsächlich sind Effizienz und Wirtschaftlichkeit extrem gestiegen. Hatte der erste Windpark in St. Pölten mit fünf Windrädern noch eine Leistung von 5x500 kW, „so hat heute allein ein einzelnes Windrad die 6-fache Leistung davon!“, umreißt Trauttmansdorff den Entwicklungssprung.
In Folge baut sein Unternehmen Windpark um Windpark oder beteiligt sich an solchen, außerdem wird man in Nachbardisziplinen wie Wasserkraft und Photovoltaik aktiv – und zwar nicht nur in Österreich, sondern auch in ganz Europa und Übersee. Am Ende des Tages steht ein Investitionsvolumen von unglaublichen 750 Millionen Euro. Man hat Windkraftwerke mit einer Leistung von insgesamt 500 MW errichtet, die eine Million Menschen mit Strom versorgen.
2008 holt Trauttmansdorff, bislang mehr oder weniger als One-Man-Show unterwegs, mehrere Partner mit an Bord und tariert das Unternehmen neu aus. „Wir haben einen Teil der Windparks verkauft, um besser zu diversifizieren.“ Heute ist „ImWind“ neben dem Kerngeschäft auch in der Immobilienentwicklung tätig – aktuell baut man etwa ein Design-Outletcenter in Bordeaux „das wir dann auch vermieten.“ Weiters investiert man in Start-ups wie Mercadeo, hält Anteile an n26, der größten onlinebank Europas, oder – Trauttmansdorff ein besonderes Anliegen – setzt auf old economy. Vor einem Jahr ist man z. B.  mit über 25% beim österreichischen Tradtionsunternehmen Trodat (Stempel) eingestiegen.
Selbstredend betreibt man aber nach wie vor Windparks und ist immer wieder in neue Projekte involviert. Das größte entsteht aktuell in Kolumbien, „wo perfekte Bedingungen für Windkraft herrschen und ein Windpark in der Größenordnung von 600 MW errichtet wird.“ Und auch wenn die Errichtung von Windparks nach wie vor ein teures Unterfangen ist, produzieren sie mittlerweile aufgrund des niedrigeren Wartungsaufwandes sowie der gestiegenen Effizienz billiger Strom als die Konventionellen. „An Topstandorten produzieren wir Strom um zwei bis drei Cent und sind damit billiger als alle anderen Energieformen. Sogar in Österreich mit weniger guten Standorten als in Kolumbien oder Chile liegen die Gestehungskosten für Windenergie und Photovoltaik mittlerweile bei 6 bis 8 Cent, je nach konkretem Standort – und das ohne jeden Cent Förderung. “

Am falschen Dampfer?
Stellt sich freilich die Frage, warum dann noch immer auch konventionelle, als schmutzig und gefährlich geltende Technologien gefördert werden. Liegt es an den starken Lobbys? „Eher an dummen Politikern“, ist Trauttmansdorffs trockener Kommentar. „Jeder begreift, dass es den Klimawandel gibt, nur Leute wie ein blondierter Präsident in Übersee offensichtlich nicht“, spielt er auf den Ausstieg der USA aus dem UNO-Klimavertrag an. Aber auch Deutschland setzt seiner Meinung nach – auch wenn man sich zum Ausstieg aus der Atomenergie bekannt hat – aufs  falsche Pferd. „Unser lieber Nachbar fördert zum Beispiel nach wie vor Braunkohle – das ist der allerschlimmste lokale Verschmutzer überhaupt!“, schüttelt er den Kopf. Ebenso wenig nachvollziehbar ist ihm, dass weltweit noch immer mehr als die Hälfte der Förderungen in Atomenergie und kalorische Kraftwerke fließen. Noch dazu, wo diese – wie etwa im Falle der Atomenergie –  leicht ersetzbar wären. „Atomstrom deckt unter 5% des Weltenergiebedarfs ab!“ Trotzdem soll – was schwer umstritten ist und deshalb aktuell im Standby-Modus verharrt – das englische Kraftwerk  Hinkley Point einen neuen Reaktor bekommen, gefördert auch aus Steuermitteln. „Dort hat man, wertgesichert, einen Abnahmepreis von 11,2 Cent/kwH auf 35 Jahre zugesichert. Bei uns, zum Vergleich, liegt der Stromfördertarif bei sieben bis acht Cent, nicht wertgesichert wohlgemerkt! Und das auch nur auf 13 Jahre, dann müssen wir uns am freien Markt behaupten!“
Wo man aber ohnedies auf der Überholspur ist. „Über 50% des Energiekapazitätszubaus kommen mittlerweile aus erneuerbaren Energien“, so Trauttmansdorff. Tendenz weiter steigend, weshalb er auch das Lamentieren über einen zu langsamen Fortschritt für unangebracht hält. „In Wahrheit geht der Wandel sogar abartig schnell voran. Und grundlegende Transformationsprozesse dauern eben ihre Zeit. Wir sind gut unterwegs.“
Das attestiert er auch einer, wenn man es so möchte, verschränkten  Disziplin: der E-Mobilität. Jüngste Pflänzchen wie aktuell in Wien, wo E-Scooter an Hotspots situiert werden, zeigen wohin die Reise geht. „Ich bewege mich mit den Öffis, und wenn ich aus der U-Bahn steige, fahre ich mit dem Rad oder dem E-Scooter weiter. In Zukunft wird man in großen Städten also kaum mehr ein eigenes Auto brauchen.“ Zudem sei die Klimabilanz umweltfreundlicher als jene konventionell betriebener Fahrzeuge – so der Strom aus grünen Technologien kommt. „Beim E-Auto gehen 95% der aufgebrachten Energie direkt in den Antrieb, beim Diesel oder Benziner sind es hingegen gerade einmal 45%. Der Hauptteil geht durch Abrieb, Hitze etc. verloren“, erklärt Trauttmansdorff. Zudem verweist er die gern am Stammtisch verbreitete Weisheit, dass man für so viele Stromfresser ja gar nicht genug Strom erzeugen könne, ins Reich der Fantasie. „Der weltweite Gesamtenergiebedarf wird mit den neuen Ansprüchen um etwa 10% steigen. Das ist mit erneuerbaren Energien leicht zu schaffen. Die Herausforderung ist eher die Schaffung eines Netzwerkes mit Schnellladestation, das auch zu Spitzen Verfügbarkeit garantiert – aber auch das sollte schaffbar sein.“
 
Point of no return?
Das größte Problem in Sachen CO2-Ausstoß ortet Trauttmansdorff aber ohnedies nicht nur im Verkehr, sondern v. a. auch in der Landwirtschaft. „Über 25% der Treibhausgase werden durch Rindermägen produziert! Ein Molekül Methan entspricht einem Äquivalent von 32 Molekülen CO2“, erklärt er. Um hier gegenzusteuern bedürfte es einer kompletten Umstellung der Ernährungsgewohnheiten, wofür er schwarz sieht, „weil der Mensch zu bequem und zu gierig dafür ist.“
Das Problem sei, dasss wir aber „schon schon jetzt viel zu viel CO2 in der Luft haben – und der Ausstoß wird in den nächsten zehn Jahren sogar noch steigen! Ich glaube es gibt einen point of no return, und den haben wir möglicherweise schon überschritten“, so seine fatalistische Einschätzung. Ein Indiz dafür ortet er auch in jüngsten, besorgniserregenden Entwicklungen. „Heuer hat man zum Beispiel eine Verlangsamung der Ozeanströme konstatiert.“ Dadurch sei weniger Wind entstanden, Niederschlag sei ausgeblieben, die Hitzewelle hätte sich ungewöhnlich verlängert, Extreme seien an der Tagesordnung gestanden. „Zum  einen hatten wir etwa in unseren Breiten monatelang keinen Regen, zugleich ist aber Kärnten abgesoffen.“ Nur Klima-Ausreißer, wie es sich manche schönreden? Trauttmansdorff ist skeptisch. „Wenn das öfter passiert, dann gnade uns Gott. Denn wenn der Golfstrom, auch das ist theoretisch möglich, völlig zum Erliegen kommt, werden nicht die Afrikaner zu uns kommen, sondern werden umgekehrt wir in den Süden flüchten.“ Die großen Völkerwanderungen der Geschichte seien immer klimaindizierte gewesen und „Menschen, die hungern, haben keine andere Wahl – die marschieren los. Die sind auch nicht aufzuhalten.“
Auch ein worst case Szenario zeichnet Trauttmansdorff. „Ich befürchte, wenn wir so weitermachen, werden wir die Kurve nicht kratzen. Wobei es nicht so sein wird, dass wir sozusagen die Erde zerstören, wie es immer formuliert wird, sondern die Erde wird gut sieben Zehntel von uns Menschen abwerfen.“

Apokalypse now?
Klingt nicht gerade zuversichtlich, wobei Trauttmannsdorf die Hoffnung „um mich nicht falsch zu verstehen“ noch lange nicht aufgegeben hat „weil warum sollten wir uns sonst anstrengen, so wie wir es tun?” Nach unserem Gespräch fährt er etwa gleich nach Neuseeland, wo man an großen Aufforstungsprojekten arbeitet, in denen er überhaupt einen Mosaikstein zum Gegensteuern sieht. „Ich bin ein großer Verfechter von Aufforstung! Es gibt so viele Flächen, die brach liegen, dort könnte man Wälder pflanzen, weil diese kleinräumig CO2 binden. Außerdem könnte man damit der einheimischen Bevölkerung vielfach eine wirtschaftliche Grundlage geben.“ Wobei Trauttmansdorff einschränkt, dass die Forstwirtschaft wohl häufig mit Landwirtschaft einhergeht –  womit man wieder bei einer anderen CO2-Quelle landet. Kurzum: Es ist, wie es dereinst Fred Sinowatz ehrlich formulierte, kompliziert.
Dreht sich also tatsächlich alles nur im Kreis, wie die großen Rotorblätter im Wind? Und doch sind gerade diese ein mächtiges Symbol für Hoffnung und eine Manifestation konkreten Wandels, der manchmal dann doch schneller kommt als man denkt und die Welt zum Positiven hin verändert.  Trauttmansdorff gibt sich jedenfalls kämpferisch: „Wir dürfen nichts unversucht lassen, um das Ruder doch noch herumzureißen!”, appelliert er. Vielleicht dreht sich der Wind also doch noch. Pioniere wie Johannes Trauttmansdorff zeigen den Weg vor, wie es funktionieren könnte – wir sollten ihnen folgen.