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St. Pöltens gute Seite

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VON SCHUTT UND ASCHE

Text Michael Reibnagel Ausgabe 02/2015

Einmal mehr sorgt eine St. Pöltner Band nicht nur in Niederösterreich und Wien für Furore. Die Rede ist von Aeons Of Ashes, einer vielversprechenden Kapelle, die sich dem Modern Melodic Death Metal verschrieben hat. Der zweite „Geburtstag“ der Band ist Anlass genug, um Bilanz zu ziehen.

Februar 2013. Zwei bekannte Gesichter der St. Pöltner Metalszene – Shouter und Frontman Tim Sklenitzka sowie Bassist Markus „Mexx“ Chmelar (beide haben sich mit Trashcanned einen Namen gemacht) – hatten sich mit dem kurz zuvor bei Epsilon ausgestiegenen Gitarristen Jorgo zusammengeschlossen und ein neues Projekt aufgetan. Zur Blutauffrischung komplettierten die drei alten Hasen ihr Line-Up mit Georg Knoll, seines Zeichens auch Sänger und Gitarrist der Combos Minatoria und Leutnant Ungustl, und einer italienischen „Drum Machine“ namens Carl Magno.
Der Bandname war schnell gefunden. Wer jetzt Erzählungen von einem Abend mit viel Bier erwartet, wird enttäuscht. „Es gab ein Google Dokument mit ca. 50 Namensvorschlägen, und jeder hat für seinen Favoriten abgestimmt. Dass die Worte Ashes und Aeons am häufigsten vertreten waren, vereinfachte die Sache natürlich“, erzählt Tim. „Aber das Bier spielt trotzdem eine wichtige Rolle in unserer Geschichte – ohne einen feuchtfröhlichen Abend in unserem Stammlokal Underground hätte ich Georg gar nicht kennengelernt.“
Schnell hatten sich die fünf Musiker aufeinander eingespielt und die ersten Songs geschrieben. Dann kam die Chance in Wien für die Szenegrößen (und Tims Lieblingsband) Dark Tranquillity den Opener zu machen. „Wir haben die Aufnahme unserer beiden Songs White Lies und Depravation um einen Monat vorgezogen, um ein Demo zu haben. Diese Tracks waren dann für die Veranstalter und das Management der Band gut genug, dass sie uns als österreichischen Support Act ausgewählt haben“, erinnert sich Tim zurück.
Aber nicht immer ist es so einfach, an prestigeträchtige Auftritte zu kommen, sind sich die Bandmitglieder einig: „Die Rahmenbedingungen werden immer schwieriger, nicht nur im Metalbereich. Es ist kaum mehr möglich ohne Pay To Play (Anm.: Bands spielen ohne Gage und müssen sich im Vorhinein verpflichten, Karten zu verkaufen) an große Gigs zu kommen. Internationale Bands gehen meist mit einem kompletten Tross auf Tour, inklusive mehrerer Vorbands, die wiederum für diese Gelegenheit zahlen. Das macht es lokalen Bands fast unmöglich, ihre Idole zu supporten.“
Aufgrund zahlreicher Vorschusslorbeeren, bestehender Kontakte und der Bekanntheit der einzelnen Bandmitglieder hatten Aeons aber einen klaren Startvorteil. Wo andere Combos um jede Auftrittsmöglichkeit kämpfen müssen, verschlug es die St. Pöltner neben „Heimspielen“ im neuen frei:raum und Shows in der Szene Wien unter anderem nach Prag, Salzburg, Graz, Kufstein und Treviso. „Wir haben bisher eigentlich nur in super Locations gespielt. Und ein cooles Detail war, dass wir an einem Tourwochenende exakt 666 Kilometer zurückgelegt haben – perfekt für eine Metalband“, resümiert Jorgo.
Willkommene Unterstützung bot da natürlich die Förderung des Österreichischen Musikfonds. Tim erzählt: „Das Projekt erforderte viel Zeit und Geduld, zum Glück hat mir meine Erfahrung im Brot-Job die Einreichung deutlich erleichtert. Dass sowohl unser Album als auch unsere Tour unterstützt wurden, hat uns ganz neue Möglichkeiten eröffnet und uns eine Dimension von ‚Luxus‘ ermöglicht, die für eine österreichische Metalband sonst kaum denkbar ist.“ Und Jorgo ergänzt schmunzelnd: „Einmal konnten wir uns neben der Tourbus-Miete sogar einen Fahrer leisten, was uns als feierfreudige Band natürlich sehr zugute gekommen ist.“
Zwei professionelle Videos sowie die Österreich-Tour – neun Shows von November 2014 bis Jänner 2015 – wurden in dieser Form erst durch die Förderung ermöglicht. Dass sich der Musikfonds bisher sehr selten für die Unterstützung einer Metalband entschieden hat, spricht auch für die Qualitäten von Aeons Of Ashes. Produktionsförderung erhielten im Zuge dieses Calls übrigens genreübergreifend nur rund 21 von mehr als 120 Bands.
Aber es gab auch Rückschläge. „Unser Label Noisehead Records musste drei Monate nach Release unseres Albums Konkurs anmelden. Das lag aber nicht allein an unserem Album“ , beweist Tim Galgenhumor, „zum Glück hatten wir einen Special Deal ausgehandelt – viele unserer Labelkollegen hat es schlimmer getroffen als uns.“
Das Geheimnis des (schnellen) Erfolges? „Musikalisch hat einfach jeder von uns was drauf, aber wir kommen aus komplett unterschiedlichen Richtungen – und die Mischung macht’s. Dazu ist die Chemie einzigartig.“

Wer jetzt Lust auf Modern Melodic Death Metal made in St. Pölten bekommen hat, dem seien das Album Shutdown und die beiden Videos Monocracy und Remember My Name ans Herz gelegt. Fans, die Jungs gerne mal live erleben möchten, müssen sich jedoch etwas gedulden. Zur Zeit konzentriert sich die Band voll aufs Songwriting für Album Nummer 2, das 2016 erscheinen soll. Nur zwei Shows im April, in Mönichkirchen und Wien, werden absolviert, bevor man ab September dann wieder verstärkte Live-Präsenz zeigen möchte, u.a. im frei:raum: „Das STP Metal Weekend ist eine absolute Top-Veranstaltung der österreichischen Metalszene.“