MFG - Die Mühle steht
Die Mühle steht


MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

Die Mühle steht

Text Johannes Reichl
Ausgabe 06/2022

Im Herbst wurde das Projekt „Rossmarkthöfe“ der SIGNA auf dem ehemaligen Leiner-Areal präsentiert. Bereits im Winter sollte mit den Abbrucharbeiten begonnen werden – allein, bislang steht die Mühle, und wie so oft kursierten bald Gerüchte, die als Bremsklotz den neuen Gestaltungsbeirat ausgemacht haben wollen. Wir fragten nach.

Bei SIGNA ist man auf Nachfrage quasi nach wie vor zum Sprung bereit und wartet „nur“ mehr auf den Abschluss der Änderungen des Flächenwidmungs- und Bebauungsplans. „Am Zug ist die Stadt“, stellt diesbezüglich SIGNA-Vorstand Claus Stadler unmissverständlich klar. Seitens des Magistrates bestätigt Stadtentwicklungs-Leiter Jens de Buck, die noch laufenden Raumordnungs-Verfahren, die aber „in der finalen Phase sind.“ Die Dauer des Verfahrens sei „bei dem Umfang des Projekts und seinen Herausforderungen ein völlig normaler Ablauf.“ Zudem verweist der Stadtplaner auf einen vorliegenden Abbruchbescheid für die nicht denkmalgeschützten Gebäude am Gelände, „der durch den Grundeigentümer konsumierbar wäre.“ 
Hinter vorgehaltener Hand ist freilich zu hören, dass vor allem diverse Beanstandungen des neuen Gestaltungsbeirates zeitlich Sand ins Getriebe des Rossmarkthöfe-Projekts gestreut hätten, was Jens de Buck so nicht stehen lassen möchte. „Es war ein entsprechend umfangreicher Diskussionsprozess mit dem Gestaltungsbeirat erforderlich – insbesondere hinsichtlich der Fassadengestaltung am überaus sensiblen Rathausplatz und der städtebaulichen Einfügung dieses Großprojektes in die Struktur dieser zentralen Platzanlage. Der Gestaltungsbeirat hat hierzu mit dem Projektwerber und Planer in zahlreichen Sitzungen um eine qualitativ ansprechende, gute  Lösung gerungen.“ Eine, die letztlich auch – wie man aus den Worten Stadlers schließen kann – gefunden wurde, der auch kein schlechtes Wort verliert. „Die Zusammenarbeit mit dem Gestaltungsbeirat war konstruktiv und ist im Wesentlichen – bis auf eine notwendige Freigabe, die im Rahmen der Baubewilligung erfolgt – abgeschlossen.“ Im Hinblick auf das Gesamtprojekt und etwaige Holprigkeiten gibt sich der SIGNA-Vorstand pragmatisch: „Immobilien-Projektentwicklung ist grundsätzlich ein spannender, aber auch herausfordernder Prozess. Als eines der größten europäischen Immobilienunternehmen haben wir sowohl Kompetenz, langjährige Erfahrung und damit verbunden die entsprechende Routine allen Eventualitäten professionell zu begegnen.“ Und so bleibt man auf Schiene. „Letztendlich haben im Kern alle das gleiche Interesse. Nämlich eine vitale, lebendige, architektonisch hochwertig gestaltete Stadt.“ 

ROSSMARKTHÖFE
Das Projekt „Rossmarkthöfe“ ist wohl das städtebaulich größte und spannendste Immobilienprojekt St. Pöltens seit Errichtung des Regierungsviertels. Am ehemaligen Leiner-Standort zwischen Rathausplatz und Julius Raab Promenade sollen auf einem Areal von rund 9.000 qm 175 Wohneinheiten (Eigentumswohnungen, Mietstudios für Studenten und Berufseinsteiger, betreutes Wohnen), Büros, Geschäfte (u. a. ein Leiner Premium Küchenstudio unter dem Namen Eskole – Essen, Kochen, Leben), ein Boutique-Hotel mit 131 Betten samt Skybar sowie ein Konferenzzentrum für ca. 450 Personen entstehen. Hinter dem Projekt steht die SIGNA-Gruppe von Investor René Benko, die fast 100 Millionen Euro in den Standort investieren soll.