MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

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St. Brutus?

Text Dominik Leitner Ausgabe 06/2016

Als der ehemalige Bundeskanzler Werner Faymann in seiner Abschiedsrede davon sprach, den Rückhalt in der eigenen Partei verloren zu haben, konnte man erkennen, dass er traurig in Richtung St. Pölten blickte. War es doch Matthias Stadler, der dem Sozialdemokraten an der Spitze der Regierung stets vollste Unterstützung versicherte. Aber er war es den Kommentatoren zufolge auch, der Faymann schließlich den politischen Todesstoß geben sollte.  
Gehen wir noch einmal zurück: Matthias Stadlers SPÖ fährt bei den Gemeinderatswahlen ein Plus ein. Bei der ersten Runde der Bundespräsidentenwahl schafft es der SPÖ-Kandidat nur auf den vierten Platz. Bei der 1.-Mai-Feier am Wiener Rathausplatz wird Faymanns Rede von Buhrufen überschattet. Aber: Noch am 3. Mai schreibt die NÖN, dass Stadler voll und ganz hinter Faymann stehe.
Sechs Tage später treffen sich ein paar SPÖ-Landeschefs im Wiener Hotel Schani … und es soll die Anwesenheit des St. Pöltner Bürgermeisters und SPÖ-Landeschefs sein, die das Ende des Rückhalts für Werner Faymann endgültig besiegelt. Kurze Zeit später legt der Kanzler alle Ämter nieder. Caesar war geschlagen, Brutus kehrte nach St. Pölten zurück.
Aber was strahlt diese Stadt eigentlich aus? Ist es doch auch nie ein gutes Zeichen für die Bundes-ÖVP, wenn sich der große Schwarze aus dem Regierungsschiff an der Traisen zu Wort meldet: Um Vizekanzler Reinhold Mitterlehner zu zeigen, „wo der Bartl den Most herholt“, veränderte Erwin Pröll spontan das VP-Regierungsteam. Mitterlehner durfte es nur abnicken. Vielleicht sollten nieder-österreichische Abgeordnete nun im Nationalrat den Vorschlag einbringen, die Sitzungen während des Umbaus des Parlaments in der Landeshauptstadt abzuhalten … denn wie wir nun wissen: Hier wird Politik gemacht!