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Signa-Geschäftsführer Christoph Stadlhuber - Ein kräftiges Lebenszeichen

Text Sascha Harold Ausgabe 03/2020

In Zeiten, in denen die Innenstädte immer stärker durch Einkaufszentren am Stadtrand unter Druck geraten, lässt SIGNA aufhorchen. Am Standort des Leiner Stammhauses am Rathausplatz ist ein Stadtquartier mit Hotel, Konferenzzentrum und Eigentumswohnungen geplant. MFG hat mit SIGNA-Geschäftsführer Christoph Stadlhuber über das Projekt gesprochen.

Warum engagiert sich SIGNA in St. Pölten?
Wir engagieren uns mit unserem Bauträger BAI bereits seit einigen Jahren in Viehhofen. Dort entstehen in Abstimmung mit der Stadt rund 800 Wohnungen. Seit Sommer 2018 sind wir zudem Eigentümer der Möbelhauskette KIKA/Leiner. Am Rathausplatz von St. Pölten hat Rudolf Leiner vor 110 Jahren sein erstes Möbelhaus eröffnet, die Erhaltung des Standorts ist daher für uns eine Verpflichtung gegenüber dem Unternehmen. Das Leiner Stammgebäude hier in St. Pölten entspricht aber nicht mehr dem eines modernen, zukunftsgerichteten Einrichtungshauses. Daher werden die Geschäftsflächen deutlich verkleinert und ein neues Konzept entwickelt, das der Marke Leiner wieder gerecht wird.

Was passiert mit den Mitarbeitern?
Die Botschaft ist klar: Leiner am Rathausplatz bleibt erhalten und alle Mitarbeiter im Unternehmen.

Wie schätzen Sie den Standort ein, welche Zukunftsperspektive sieht Signa für St. Pölten generell und  für  Leiner im Speziellen?

Das Leiner Stammhaus ist untrennbar mit der Innenstadt von St. Pölten verbunden. Hier schlägt das Herz des Unternehmens. Leiner bleibt somit Ankermieter im Objekt, aber auch ein zentraler Frequenzbringer für den Rathausplatz. Mit einem modernen, trendigen Innenstadthotel und Wohnungen ergänzen wir die Quartiersentwicklung rund um den Rossmarkt und stärken somit das Stadtzentrum von St. Pölten. Basis unseres Engagements ist die Überzeugung, dass die Kombination von stationärem Einzelhandel und Innenstadt mit dem richtigen Konzept wieder eine blühende Zukunft erleben wird. Wir sehen uns als Speerspitze derer, die an den stationären Einzelhandel in den Innenstädten glauben.  

Aber der stationäre Handel hat mit dem Internet doch massive Konkurrenz?
Das Zauberwort heißt „Multi-Channel“. Wir erleben reine Online-Händler, die die Nähe zum stationären Handel suchen und umgekehrt. Die Zukunft des Handels liegt in einem alle Vertriebskanäle berücksichtigenden Gesamtkonzept. Wobei das emotionale Shopping-Erlebnis im Wesentlichen der stationäre Einzelhandel, eingebettet in ein attraktives innerstädtisches Umfeld, bietet.

Und der Immobilienmarkt? Sie haben ja hier ein großes Projekt mit unterschiedlichen Nutzungen geplant. Verträgt der Markt diese Dimensionen?
Bürgermeister Stadler geht hier mit seiner „Leading second city“ den richtigen Weg. Eine eigenständige Entwicklung der Landeshauptstadt unter Ausnutzung des aktuellen Trends des Zuzugs von Bewohnern ins Wiener Umfeld. Dadurch gewinnt sowohl die Stadt St. Pölten als auch der Bezirk kontinuierlich an Attraktivität. Daher besteht nicht nur Bedarf an Wohnraum, sondern auch an Büros, Hotel oder beispielsweise an einem Konferenzzentrum …

… aber gerade Wohnungen werden doch derzeit massiv gebaut? SIGNA hat wie Sie eingangs erwähnt haben über ihre Tochter BAI noch ein weiteres Großprojekt in Viehofen. Schaffen Sie sich da nicht Konkurrenz im eigenen Haus?
Man sagt Konkurrenz belebe das Geschäft (lacht) … aber die Bautätigkeit hat einen eindeutig identifizierbaren Auslöser. Grund für die hohe Nachfrage ist die perfekte infrastrukturelle Anbindung, hohe Lebensqualität, aber auch die kontinuierliche Preissteigerung sowohl für Mietwohnungen als auch für Eigentum in Wien. Mittlerweile haben die Preise dort eine Höhe erreicht, die für viele nicht mehr leistbar sind. Mit der Bahn ist man aus St. Pölten in maximal einer halben Stunde am Wiener Hauptbahnhof. Daher wird der Bedarf an Wohnraum in der niederösterreichischen Hauptstadt weiter steigen. Wir gehen dennoch sehr behutsam an die Realisierung weiterer Projekte. Strategisches Ziel der Stadtpolitik ist kontinuierliches, aber kontrolliertes Wachstum. SIGNA sieht sich dabei als Partner der Stadt. Daher realisieren wir das Projekt in Viehofen in mehreren Schritten.

Sie haben bei der Pressekonferenz von rund 150 Wohnungen gesprochen. Welche Größen sollen die Einheiten haben?

Wir starten derzeit erst mit den Planungen, daher sind weder Grundrisse noch Größen konkret festgelegt. Klar ist: Die Wohnungen werden hohe Qualität und eine entsprechend gute Ausstattung haben.

Welches Zielpublikum wird damit angesprochen?
Jeder, der den Charme der „leading second city“ schätzt und gleichzeitig die Freiheit genießen will, mit dem Bahnhof in unmittelbarer Nähe einen Verkehrsknoten zu haben, der Ausgangspunkt für sämtliche Aktivitäten abseits der eigenen vier Wände darstellt. Die Lage im Stadtzentrum ist einfach fantastisch, in 45 Minuten kann ich am Flughafen Wien sein und somit in der ganzen Welt. Wer dagegen die Natur des ländlichen Raums bevorzugt, ist mit der Mariazeller Bahn oder dem Rad sehr schnell in einer traumhaften Umgebung.  

Sie haben die Vorzüge von Öffis gepriesen. Fahren Sie selbst mit der Bahn oder mit dem Auto?
Ich hatte bereits mehrere Termine in St. Pölten und bin – aus Wien kommend – immer Bahn gefahren. Aber weniger aus einer fundamentalistischen Grundhaltung heraus, sondern einfach, weil es planbar, stressfrei  und sehr schnell ist. Das sind überzeugende Argumente für mich. Ich meine, das sollte auch generell die Linie für alles sein, was heutzutage unter Nachhaltigkeit subsumiert wird.

Wie geht das bei Wohnungen? Gibt es hinsichtlich der Bauweise relevante ökologische Aspekte oder Überlegungen bei dem gegenständlichen Projekt?
Wir beschäftigen uns intensiv mit diesen Themen. So wird beispielsweise Holz als Baustoff zunehmend interessanter. Die Konsumenten werden aber weniger auf einer nicht greifbaren Metaebene zu überzeugen sein, sondern vielmehr über Atmosphäre, Behaglichkeit und Wohlfühlfaktor. Holz bietet genau diese Vorzüge. Wenn wir dadurch zusätzlich positive ökologische Effekte erzielen, ist das eine klassische Win-win Situation.

Ebenfalls geplant ist der Bau eines Hotels – in welchem Segment wird das angesiedelt sein? Auf welche Marktstudien replizieren Sie?

Zentraler Bestandteil des Gesamtprojektes ist ein so genanntes Hotel der „Midscale“ Kategorie. Also ein Betrieb mit Zimmergrößen von rund 20 Quadratmetern, der stark auf Design setzt oder ein Lifestyle-Konzept verfolgt. Dieses Segment hat großes Wachstumspotenzial und wird entsprechend von den großen Ketten forciert. In St. Pölten fehlt so ein Hotel. Da wir mehrere Hotels in unserem Portfolio haben, die wir zum Teil sogar gemeinsam mit Partnern betreiben, führen wir laufend Gespräche mit potenziellen Betreibern und tauschen uns diesbezüglich auf informeller Ebene aus.

Was soll im Konferenzzentrum passieren?
Die Stadt wünscht sich seit geraumer Zeit ein Konferenzzentrum und sieht auch – wie wir – entsprechenden Bedarf. Wir sind derzeit aber noch bei den Überlegungen, ob diese Flächen eigenständig oder mit dem Hotel gemeinsam betrieben werden sollen. Die Größe wird bei rund 2.000 Quadratmetern und einer Kapazität von etwa 1.000 Besuchern liegen.

Wie groß wird das Investitionsvolumen am Standort St. Pölten sein?
Das hängt von der Ausgestaltung des Gesamtprojektes ab. Die Investitionen liegen noch knapp im zweistelligen Millionen Euro Bereich.

Wie sieht der aktuelle Zeitplan aus?
Wenn alles so läuft wie wir uns das vorstellen, beginnen wir Anfang 2021 mit den Abbruch-Arbeiten. Danach rechnen wir mit einer Bauzeit von rund zwei Jahren.


"GUTE ZUSAMMENARBEIT"
Christoph Schwarz ist Leiter der Abteilung Zukunftsentwicklung, Wirtschaft und Marketing am Magistrat St. Pölten. Wir sprachen mit ihm über das SIGNA-Stadtquartier und die allgemeine Entwicklung des Wirtschaftsstandortes St. Pölten.

Welche Rolle spielt das neue „Stadtquartier“ für St. Pölten?
Mit der Entscheidung für das neue Leiner-Areal haben wir uns für die Neugestaltung eines Teils des Rathausplatzes entschieden. Damit kommt für die Innenstadt die größte Aufwertung seit der Modernisierung des Bahnhofes in Gang. Das bringt frische Impulse für die Innenstadt.

Wie passt das Projekt ins Konzept der St. Pöltner Innenstadt?

Die denkmalgeschützten Bauteile und damit der historische Charme des Rathausplatzes bleiben natürlich erhalten. Darüber hinaus entstehen aber insgesamt 150 neue Wohnungen, die St. Pölten in Anbetracht der stetig steigenden Einwohnerzahl dringend braucht. Außerdem entsteht ein Hotel mit Konferenzzentrum. Das ermöglicht die Abhaltung größerer Kongresse, wie z. B. eines Ärztekongresses. Eine Tiefgarage komplettiert das breite Spektrum der Projektentwicklung und entlastet die ohnehin vollen Tiefgaragen. So werden wir neue Angebote und Frequenzbringer genau dort in die Innenstadt bringen, wo bisher Stillstand gedroht hat. Nicht zuletzt ist Leiner in St. Pölten durch die Investition von SIGNA gesichert.

Was sind die kommenden Schritte für die Weiterentwicklung des
Wirtschaftsstandortes St. Pölten?

Im Jahr 2020 werden wir uns voll und ganz auf den neuen Masterplan 25I50 fokussieren, denn bereits im Frühjahr 2021 soll der Plan stehen und unsere Stadt fit für die nächsten Jahrzehnte machen. Erste Schritte setzen wir bereits heuer. Wir möchten unsere Stadt noch lebenswerter machen, noch attraktiver für die Wirtschaft werden und im Bereich Bildung weitere Schritte setzen, um das Wissen am Standort zu bündeln. Außerdem arbeiten wir intensiv an einem neuen Tourismuskonzept, damit St. Pölten als Tourismusregion erfolgreich ist.