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Ruhig Blut

Text Tina Reichl Ausgabe 09/2019

Jetzt ist es also soweit. Ich bin alt. „Nein, das ist keine Frage des Alters. Hoher Blutdruck ist oft auch ein genetisches Problem!“, will mich mein Arzt beruhigen und drückt mir ein Rezept in die Hand.
Ich versteh das nicht, ich habe einen erfüllenden Job, einen Mann, der im Haushalt mithilft und mir morgens SMS schreibt „Du in der Früh – bist immer ein zuckersüßer Anblick!“ Ich könnte also total gechillt durchs Leben gehen. Es ist mir wirklich unerklärlich!
Stattdessen liegt jetzt neben mir ein Blutdruckmessgerät und ich habe sogar eine App am Handy, in die ich die Daten dann eintragen kann! Eine App! Für meinen Blutdruck!
Dabei reg ich mich nie auf, also fast. Außer mein Sohn spielt gerade ein Fußball- oder Tennismatch. Der eine Ball war aber auch ganz sicher out, gibt’s beim U10-Turnier keinen Videobeweis? Also, da geb ich zu, da kann ich mich aufregen – innerlich halt. Ich bin ja schließlich eine Frau mit Stil. Innerlich geb ich zu, da muss ich mich schon oft ärgern.
„Vielleicht wäre Sport eine Option?“, sagt meine gute Freundin Jutta, und schickt mir Fotos von der Klettertour am Wilden Kaiser. Vom Gipfel, bei Sonnenaufgang! Wann sind die losgeklettert? „Ruhig bleiben!“, sagt mein Blutdruck! „Oder Abnehmen!“, rät meine Freundin Claudia. Sie war gerade mit drei Hunden Gassi. Das macht sie dreimal täglich. „Tief durchatmen!“, sagt mein Blutdruck. „Kennst du schon die neue Faceapp? Wie du aussiehst, wenn du alt bist?“, fragt mein Freund Michi grinsend. „Wahnsinn, genau wie deine Mutter!“
Noch Fragen?