MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

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Return of the Ungustl

Text Thomas Fröhlich Ausgabe 03/2020

„Des hom‘S ja eh ned, gön‘S?“ Oder auch konkreter: „Orangen hom‘s natirlich kane, gön‘S?“ Hervorgebracht in höhnisch aggressivem Tonfall, begleitet von vorwurfsvollen Blicken und den Umstehenden gegenüber Beifall heischendem Kopfschütteln, stellen dies Lieblingssätze des durchschnittlichen St. Pöltners dar, schenke ich meiner Lieblingsmarktfrau Glauben. Und ich habe keinen Grund, daran zu zweifeln. In Baden etwa, meint sie, sei das anders, dort freuen sich die Menschen über Waren, die man vielleicht nicht immer und überall bekommt. Seien höflich und freundlich. Aber hier … Ich muss ihr leider recht geben. Mieselsüchtige Grantschermigkeit, gekoppelt mit täglich geübter Ignoranz und zur Perfektion getriebener Pöbelhaftigkeit feiern derzeit in STP fröhliche Urständ‘. Wieso das so ist? Ich weiß es nicht. Daran, dass „wir“ nicht Kulturhauptstadt geworden sind, kann‘s nicht liegen – die war und ist 98 Prozent der Einwohnerschaft eh blunznwurscht. Möglicherweise haben die Preise für Hundefutter angezogen (und das in einer Stadt, wo auf jeden Bewohner mindestens ein überall hinkackender Hund kommt) – das wäre eine Erklärung. Vielleicht will man sich aber auch nur in Sachen Benehmen von den zuvor erwähnten ach so konservativen, monarchistischen Badnern abgrenzen. Weil: Bin i da Elmayer? Eben. Daraufhin vor den Marktstand gespuckt und rülpsend aufs Handy starrend weiter geschlurft.
Übrigens: Wenn es stimmt, dass  Architektur den Menschen prägt, dann mögen uns die Götter bei dem, was derzeit baulich so hingerotzt wird, gnädig sein.