MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

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PSEUDO-WITZIG

Text Beate Steiner Ausgabe 11/2018

Gratulation an den ORF! Das muss einem Medium heutzutage gelingen – die Menschen zur Primetime vor die Glotze zu locken und dann noch die TVthek-Zugriffe in die Höhe zu treiben. Und das mit einer einzigen Idee: Uralt-Klischees als Satire zu verfilmen. Da bleibt kein Auge trocken, wenn ein abgetakelter Schirennläufer und ein aufgeblasener ORF-Reporter im sonnenbeschienenen Glaskubus auf dem Waidhofner Schlossturm ihre Gehirnwindungen glühen lassen. Direkt über der Ausstellung „Gerichtsbarkeit“ fällen die beiden ihr Urteil über das weite Land Niederösterreich, seine Eingeborenen im Großen und Ganzen sowie seine Hauptstadt im Speziellen. Humorfrei wühlen Sykora und Settele dabei in Floskeln und Bildern, lassen keinen Gemeinplatz aus. Auf vorgestrigen Traktoren, Goldhauben-geschmückt, Erdäpfel essend und nach fossilen Schätzen grabend, kommen sie ziemlich retro daher, die Weinviertler, Waldviertler, Mostviertler und Industrieviertler. Und die St. Pöltner, die kommen gar nicht daher, weil denen ist Kaiser-Kurier Hanno Settele auf seiner Minutenfahrt durch die City nicht begegnet. Aber dass St. Pölten keinen Traktorausflug wert ist, hat ja Ex-Schifahrer Thomas Sykora als Niederösterreich-Experte schon im überhitzten gläsernen Turm dem Reporter zugezwinkert. Und Kameramann und Cutter haben brav mitgemacht. Die ORF-Bilder, die in der Pseudo-Satire „Kurier des Kaisers“ über den Schirm geflimmert sind, haben ein Nieder­österreich-Bild gezeigt, das auch 30 Jahre hätte alt sein können – in St. Pölten hat nur der Schwenk zur Glanzstofffabrik mit Hinweis „Da stinkt’s“ gefehlt.