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St. Pöltens gute Seite

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Polit-Viagra

Text Beate Steiner Ausgabe 11/2014

Schön langsam versteh ich, warum noch immer viel weniger Frauen als Männer aktiv der Politik frönen. SIE verweigern intuitiv, weil SIE ein für den politischen Alltags-Erfolg wichtiges Ritual nicht beherrschen – die künstliche Erregung.
Und die wächst so: Polit-Mann erkennt seine Zuneigung für ein Thema, mit dem auch der Medienmann seines Vertrauens liebäugelt. Wär da nicht ein Pannenstreifen in der verkehrsberuhigten Zone von äußerster Dringlichkeit, nur so zum Beispiel? Oder könnten nicht ein paar Wählerstimmen zufallen, wenn ich gratis Frühstücks-Semmerl für alle fordere? Schnell ist die Öffentlichkeit von der Top-Priorität dieser Ideen überzeugt, haben doch hilfreiche Medien die Botschaft gekonnt aufbereitet.
Und dann geht’s los. Mit missionarischem Eifer verfolgt der Polit-Mann das Ziel, lässt sich von diensteifrigen Gesinnungsgenossen bestärken. Logische Argumente dagegen? Gibt’s nicht. Wie kann nur jemand dem Pannenstreifen seine Riesen-Bedeutung absprechen, und überhaupt dem knusprigen Gebäck – „der gehört nicht zu uns, macht die Sache runter, weil das meine Idee ist“, weint unser Polit-Mann. Nicht zu Unrecht. Denn auch der Polit-Gegner hat jetzt ein verbales Viagra eingeworfen und kontert mit aufgeblasenen Argumenten. Die sind auch nicht zielgerichtet und logisch, sondern folgen den für Normalbürger verwirrenden künstlichen Politik-Regeln mit persönlichen Attacken auf den „Gegner“, undurchschaubaren strategischen Winkelzügen, samt Untergriffen und polemischen Sagern.
Die Normalo-Frau schaut dem Hahnenkampf fasziniert zu und denkt sich: „Dabei sein will ich nicht. Aber wer geht für uns die wirklich wichtigen Dinge gekonnt, schnell und effizient an?“ Da gibt’s eine einfache Lösung: Weniger Kampfhähnchen, mehr kluge Frauen in die Politik.