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St. Pöltens gute Seite

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Kultur und mehr aus der Vogl-Perspektive

Text Beate Steiner Ausgabe 03/2020

Sie ist die neue Kultur-Lady des ORF, mit einem erfrischenden, sehr persönlichen Zugang zu Kunst und Künstlern. Geweckt wurde Teresa Vogls Leiden-schaft für Musik und alle schönen Dinge in St. Pölten.

Rote Mähne, extravagantes Auftreten, herzhaftes Lachen, frische Fragen an ihre Interviewpartner – seit der Opernball-Übertragung ist Teresa Vogl nicht nur Freunden der ORF-Kultur und Besuchern von klassischen Konzerten ein Begriff. „Schade, dass der Opernball nur ein Mal im Jahr stattfindet“, lächelt die 36-Jährige, die vor zweieinhalb Millionen ORF-Sehern ihr gelungenes Debüt als Moderatorin gegeben hat. „Für mich war der Ball ein Traum, ein sehr schöner Abend, wo sich moderationstechnisch der berühmte Flow eingestellt hat, den auch Sportler in Situationen höchster Konzentration erleben. Gleichzeitig gab es viel Spielraum für Improvisation und spontane Formulierungen, was ich sehr mag.“ Lampenfieber kennt Teresa Vogl also nicht, Live-Auftritte beflügeln sie: „Ich hab’ die Lust zum Risiko und halte mich an das Gebot von Oscar Wilde – du sollst Dein Publikum nicht langweilen.“ Diese Einstellung kommt der Moderatorin bei zahlreichen Off-Air-Kulturveranstaltungen wie Konzerten, Galas, der Eröffnung der Wiener Festwochen, der Seefestspiele Mörbisch und der Salzburger Festspiele zugute. Und dieses Talent hat sie zum Beispiel auch über die Situation gerettet, als der betagte Komponist Friedrich Cerha und seine Gattin bei einer CD-Präsentation nicht erschienen waren und auch auf Anrufe nicht reagierten. „Wir haben uns Sorgen gemacht, dass etwas Schlimmes passiert sein könnte“, erinnert sich die Moderatorin, die den Abend ohne Ehrengast über die Bühne brachte. „Später haben wir dann erfahren, dass ein Wasserrohrbruch das Ehepaar Cerha am Kommen gehindert hatte – die beiden mussten ihre Bücher in Sicherheit bringen.“

Vom Kirchenkonservatorium auf die große Bühne

Schon die kleine Teresa Vogl hat mit viel Fantasie und Improvisationstalent dafür gesorgt, dass den Menschen in ihrer Umgebung nicht langweilig wurde. Das Eintauchen in verschiedene Welten mochte sie schon im Kindergarten. „Da hab’ ich jeden Tag eine andere Person verkörpert und wollte den ganzen Tag als diese angesprochen werden.“
Auf ihrer ersten größeren Bühne stand die gebürtige Neulengbacherin dann im Stadttheater St. Pölten. Als 16-jährige Schülerin hatte sie ein Engagement als Knabe in der Zauberflöte. Vorher hatte die Oma das musikalische Interesse ihrer Enkelin geweckt. Denn Ende der 1980er-Jahre, als das St. Pöltner Stadttheater noch Operettenbühne war und mit Franz Lehars Hits wie „Da geh’ ich ins Maxim“ oder „Meine Liebe, deine Liebe“ entzückte, saß die kleine Teresa Vogl regelmäßig mit der Oma im Publikum. „Für mich war es das Schönste, wenn sie mich ins Theater mitgenommen hat“, erinnert sich die Kultur-Fachfrau.  Später weckte dann Anton Gansberger ihre Faszination für Musik. Teresas Musiklehrer am Mary Ward Gymnasium brachte sie zum Konservatorium für Kirchenmusik und zum Domchor, wo sie auch im Jugendensemble gesungen hat. „Das war musikalisch eine sehr prägende Zeit für mich“, erzählt die Moderatorin mit Gesangsausbildung, die in ihren Anfängen auch beim St. Pöltner Privatradiosender  PL1 schnupperte und beim ORF Niederösterreich engagiert war. „Mein großer Traum war aber immer der Radiosender Ö1.“
Das klappte dann 2010, nach einem Studium der Germanistik, Romanistik und Musikwissenschaften. Bis 2016 gestaltete Teresa Vogl im Ö1 etwa „Apropos Kammermusik“, „Spielräume“ und „Radiokolleg“. Bis heute moderiert sie einmal wöchentlich das „Pasticcio“. Seit 2016 erfreut sie mit ihren erfrischenden und persönlichen Zugängen zu Kunst und Kultur auch die ORF-TV-Seher, zum Beispiel bei der Matinee am Sonntag. Mit Ratte Rolf Rüdiger erkundet die Mutter einer sechsjährigen Tochter für Kinder die Welt der Musik. Und in der Serie „Kultur aus der Vogl-Perspektive“ trifft sie interessante Persönlichkeiten zum Gespräch. „Da waren schon so viele schöne Begegnungen dabei, mit Rudolf Buchbinder, Lotte Tobisch, Martin Grubinger, Elina Garanca“, schwärmt Teresa Vogl über gute Gespräche auch abseits der Kamera, die „sicher indirekt zur Lockerheit des Gezeigten beitragen und einen Beziehungsaufbau ermöglichen.“ Probleme mit zickigen oder exaltierten Promis hatte die charmante Moderatorin bis jetzt nie. „Es gehört für mich zu meinem Beruf, mit ‚schwierigeren‘ Persönlichkeiten umzugehen. Natürlich pflegen viele Stars mit Lust ihr Image.“ Deshalb hat sich Teresa Vogl auch nicht gewundert, dass sie zum Beispiel während des Interviews enthusiastisch von Erni Mangold umarmt und dann nach Ablauf der gewährten Frist aufs Originellste hinauskomplimentiert wurde.

Musik in alle Richtungen, Mode mit persönlichem Stil
Musik prägt das Leben der Moderatorin auch abseits von TV und Radio. Teresa Vogl und ihr Mann, ein Musiker, pflegen viel Kontakt zu zeitgenössischen Komponisten und Komponistinnen: „Eine Uraufführung ist immer etwas ganz Besonderes, wenn ein Werk das erste Mal im Konzert erklingt — und die Reaktion des Publikums ist auch jedes Mal anders.“ Wenn in ihrer Wohnung nicht Ö1 aufgedreht ist („Ich möchte ja gerne wissen, was meine Pasticcio-Kolleginnen und Kollegen gerade so beschäftigt“),  läuft tagsüber alles Mögliche, von Ernst Molden über Bob Dylan oder Ella Fitzgerald und Cats bis zu moderner Orgelmusik „oder die geniale Kinderlieder-CD Butzemann. Hin und wieder tut Stille aber auch ganz gut.“
Apropos Stille — wie schafft frau das, viele Engagements und ein Kleinkind? „Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen“, beruft sich Teresa Vogl auf ein afrikanisches Sprichwort und auf ihr enges Betreuungsnetz mit Ehemann und Großeltern: „Und unsere Tochter ist sehr flexibel und sehr interessiert an vielem.“ Zum Beispiel hat die Sechsjährige schon wie Mama die Liebe zu Vintage-Mode entdeckt: „Ich habe als 15-Jährige begonnen, auf Floh­märkten Vintage-Kleider zu suchen, weil mir Individualität immer wichtig war. Jetzt begleitet mich meine Tochter gerne dabei und findet auch immer wieder etwas für sich.“
Dass sich Teresa Vogl in nächster Zeit neue Auftrittswünsche erfüllt, verneint sie — fast: „Ich bin sehr zufrieden mit allen aktuellen Engagements. Ich genieße die Abwechslung sehr. Sollte in Zukunft aber zum Beispiel die Elbphilharmonie für eine Konzertmoderation anfragen, würde ich nicht ‚nein’ sagen.“

www.teresavogl.at