MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

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In Memoriam Mimi Wunderer

Ausgabe 11/2018

Ihr Tod kam für viele überraschend. Schnell waren Kondolenzen in den Äther gestreut – von jenen, die sie mochten ebenso wie von jenen, die sie nicht so mochten, was zumeist auf Gegenseitigkeit beruht hatte. Denn Mimi Wunderer war ein streitbarer Mensch, der keinen kalt ließ. Streitbar besonders für die Kultur, für die sie brannte. Sie erzählte gerne die Geschichte von Josef Hader, der mehr im Spaß gemeint hatte, wenn jemand St. Pölten kulturell urbar machen könne, dann jemand ihres Kalibers. Für Wunderer war das Ansporn, und irgendwann spielten sie dann alle in „ihrer“ Bühne im Hof, die zuvor einen Bogen um das „Kaff“ gemacht hatten. Dieses Verdienst ist ihr nicht hoch genug anzurechnen, ebenso wie die Etablierung der Sparte Tanz im Festspielhaus! Wunderer war für die Kultur St. Pöltens stets beharrlich, unnachgiebig, lästig – ein unbequemer Kämpfertypus, der gerade im Hinblick auf die Kulturhauptstadtambitionen St. Pöltens schmerzlich abgeht. Und sie war ein Mensch in ihrem Widerspruch. „Ich bin leicht beleidigt. Und ich sage frei heraus, was ich mir denke“, bekannte sie im MFG-Interview einmal. Sie sei also ein grader Michl? „Nein, eher ein Trottel, weil das manche natürlich vor den Kopf stößt diese Direktheit“, so die lachende Antwort. Mit der kleinen Mimi ist eine Große St. Pöltens gegangen.