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St. Pöltens gute Seite

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Im Kern

Text Althea Müller Ausgabe 09/2012

Nachdem ich neuerdings nur noch am Klo philosophiere, weil außerhalb dieses geschützten Bereichs plötzlich überall nur noch Arbeit ist – ein Faktum, das mir die meisten Selbständigen nun spechtartig nickend bestätigen werden – kommen mir hier in letzter Zeit die besten Ideen. Wie z.B., mit allen Menschen, die ich mag, einen alten Bauernhof zu besetzen. Daraus folgt die logische Überlegung, wen ich denn tatsächlich so sehr mag, dass ich mit ihnen ein verfallenes Gehöft okkupieren könnte, ohne dass wir uns nach viereinhalb Tagen gegenseitig die Augen auskratzen. Wen würde ich realistisch ertragen, wenn ich wie aus dem Gully gezogen und einem Mix aus Häfinger und Pocahontas gleich die ersten noch nachtblinden Schritte aus dem Schlafzimmer mache? Mit wem könnten Krisenthemen wie „Wer hat den letzten Kaffee getrunken und verdammte Scheiße nochmal keinen nachgekauft“ am kollektiven Tisch problemlos ausdiskutiert werden? Bei wessen Stimme bekomme ich keinen Anfall, wenn sie erklingt, sobald ich meine vom Tagewerk müden Füße über die Schwelle setze?
Ich stelle mir die Szenarien vor, wäge ab – draußen zieht derweil das Leben vorbei, aber am Stillen Ort gibt es keine Hast – und komme schlussendlich auf fünf mir bekannte Menschen. Also etwa ein Hundertstel meiner Facebook-„Freunde“. Beruhigend. Das Leben ist ein Apfel. Schneide alles weg, was zu süß, zu sauer, verfault oder noch unreif ist und übrig bleibt das Kerngehäuse mit der Quintessenz. Ich fühle mich plötzlich goddamn reich mit meinen fünf Kernen. Und ich liebe meine Klo-Philosophien sehr.