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St. Pöltens gute Seite

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Fräulein Rauschs Gespür für Politik

Text Siegrid Mayer Ausgabe 06/2014

Seit dem Ausscheiden Willi Stiowicks aus dem NÖ Landtag 2008 war kein St. Pöltner mehr im Landesparlament vertreten. Bettina Rausch hat diese Sedivakanz nunmehr beendet. Nachdem sie bereits 2013 in den Landtag zog, hat sie mittlerweile auch ihren Hauptwohnsitz in die Hauptstadt verlegt. Wir trafen die junge ÖVP Politikerin in ihrem Stammlokal „Café Emmi“.

Sie sind gebürtige Scheibbserin, nun aber nach St. Pölten gezogen – warum?
St. Pölten war schon länger einer meiner Lebensmittelpunkte. Ich arbeite hier seit drei Jahren als Assistentin der kaufmännischen Geschäftsführung, Niederösterreichische Landeskliniken-Holding, Anm. und hatte auch durch die politische Tätigkeit immer mein Büro hier. So kam es, dass ich hier auch alltägliche Besorgungen machte. Irgendwann habe ich den Wohnsitz quasi dem Leben nachgezogen. Ich habe hier alles, was ich täglich brauche. Und dass Wien vor der Haustür liegt, ist natürlich auch ein Riesengewinn.

Wie haben Sie früher – quasi von außen – die Stadt und ihr Image wahrgenommen?

Ich habe St. Pölten gar nicht so gut gekannt, bin in Melk in die Schule gegangen, und auch eher dort fortgegangen. Einkaufen waren wir in Amstetten oder Krems, weil meine Eltern dort studiert haben. St. Pölten war eher so eine Stadt auf den zweiten Blick und ist erst durchs Berufliche immer mehr in mein Blickfeld gerückt. Ich habe die Stadt nach und nach entdeckt, und es steckt in St. Pölten mehr als man auf den ersten Blick hin vermutet.

Kommen wir zum Politischen: Welche Aufgaben und Anliegen haben Sie im Landtag?
Ich bin hauptsächlich im Bildungsausschuss, das ist ein Thema, das mich auch die letzten Jahre begleitet hat und das ich sehr spannend finde. Als Ersatzmitglied bin ich zudem im Kulturausschuss – aber mein Fokus liegt eindeutig auf Bildung. Dabei geht es mir hauptsächlich um das Thema Kindergarten. Man redet bei Bildung zwar immer recht viel über Hauptschule/Gymnasium, aber ganz wichtig – und daher mein Thema – ist die frühkindliche Bildung, weil die der Schlüssel für alles andere ist. Deshalb ist auch Spracherwerb so wichtig!

Wo es dann wieder um Integration geht.

Auf jeden Fall! Ich habe Sebastian Kurz die letzten Jahre intensiv begleitet, und einer der Schwerpunkte war das Thema „Spracherwerb“. Die Bildungschancen werden schon im Kindergarten entschieden. Es hat ein Pilotprojekt namens „Diese Schritte gehen wir gemeinsam“ gegeben, bei dem vor allem die Hemmschwelle bezüglich Kindergarten abgebaut werden soll. In der zweiten Phase geht es darum, dass man die Einschreibfrist für den Kindergarten verlängert, damit sich Eltern auch später dafür entscheiden können. Das zeitigt gute Erfolge – also ohne Zwang vorzugehen, sonst erreicht man nichts. Was ich schade finde ist, dass die Stadt St. Pölten nicht dabei ist. Ich habe mir das ausheben lassen, es hat einen Antrag gegeben, aber die Stadt wollte da nicht mit.

Als Neo-St. Pöltnerin: Wie werden Sie die Landeshauptstadt auf Landtagsebene vertreten?
Als Landtagsabgeordnete kann ich natürlich mit der Erfahrung, die ich habe, Ideen, die mir zugetragen werden, unterstützen. Für mich ist z.B. städtisches Wohnen sehr wichtig, ein Lebensmodell der Zukunft, das aus vielerlei Gründen auch sehr ökologisch ist. Mit der Ressource „Bodenfläche“ wird in einer Stadt viel ökonomischer umgegangen, auch der Verkehr kann reduziert werden, wenn man städtisch wohnt. Da sehe ich Anknüpfungspunkte für mein Tun. Gibt es also ein konkretes Projekt, das mir sehr wichtig ist? Ja, „Junges Wohnen“! Lebendige Städte brauchen junge Leute, die dort auch wohnen, und zwar in einem Wohnraum, der zu ihnen passt. Und da finde ich gut, dass die Stadt was macht: In der Tauschergasse in Viehofen werden gerade 24 Wohneinheiten errichtet, die der Bürgermeister verkündet hat. Was aber klar ist: 24 Wohneinheiten werden nicht reichen.

Sie sind jetzt auch im Bezirksparteivorstand der ÖVP vertreten: Werden Sie versuchen, die Bande zwischen Stadt ÖVP und Landes ÖVP zu stärken?

Es ist selbstverständlich auch meine Aufgabe Vermittlerin zwischen den Ebenen zu sein, wobei ich da nicht so großen Handlungsbedarf sehe: Es gibt eine gute Vernetzung! Es können natürlich nicht immer alle einer Meinung sein, aber dass eine Landespartei auf das ganze Land schauen muss und dadurch eine weitere Bandbreite an Themen hat, während die Stadtpartei auf ihres schaut, und dass es sich da vielleicht manchmal in der Emotion und Leidenschaft für die Sache reibt, das finde ich ganz ok. Dann ist wenigstens Leidenschaft da! Also ich bin jedenfalls sehr herzlich aufgenommen worden, und ich bin ja auch eine vom „Land“ (lacht), wir haben uns erst gestern gesehen, alles gut.

Wie kam es eigentlich zur Entscheidung für die ÖVP?

Die ÖVP war für mich eine Liebe auf den zweiten Blick. Ich komme aus einem politischen Elternhaus: Mein Vater war in der ÖVP, dann Bürgermeister – eine klassische Laufbahn. Ich fand das aber nicht sehr attraktiv, denn für uns bedeutete das „der Papa ist nie daheim“, und wenn er einmal daheim war, dann war er oft gestresst oder hat uns Arbeit da gelassen, Dinge in Kuverts einsackeln und so Sachen. Da habe ich für mich gedacht: „Na, das kann es aber gar net sein!“ Ein paar Jahre später habe ich aber einige Leute aus der jungen ÖVP kennengelernt und habe beim Jugendmagazin mitgearbeitet. Und so hat sich das ergeben, wie man halt so einsteigt in die Politik, in die Jugendarbeit. Und da ist etwas, das uns verbindet, das sind wahrscheinlich Werte, wiewohl das Wort überstrapaziert ist. Das ist mein Weg, auch wenn ich nicht alles unterschreiben kann und nicht immer alles eitel Wonne ist, aber auch innerhalb der Organisation gehört Reibung dazu.

Wie beurteilen Sie die generelle Politik(er)wahrnehmung durch die Bevölkerung?
Die Entscheidung in die Politik zu gehen habe ich sehr bewusst getroffen, und da komme ich auch gleich zum Ende der Frage: Wie kann man einem negativen Image, das es gibt, entgegentreten? Ich glaube, es geht nur durch persönliches Beispiel! Wenn man etwas ändern will, muss man es auch anders machen. Es ist mir wichtig, angreifbar zu sein. Ich habe lange überlegt, ob ich z. B. meine Adresse ins Internet stellen soll, aber ich bin als ganzer Mensch in der Politik, ich kann mich da nicht herausnehmen und sagen: das ist die öffentliche Bettina und jetzt bin ich privat. Ich versuche auch kein Image zu pflegen. In der Generation vor uns war es sicher noch so, dass man als Politiker die öffentliche Person stärker in den Vordergrund gestellt hat.

Ich habe gehört, dass Kurz auf bestimmte Events (z.B. Opernball) verzichtet, damit man ihm nicht vorwerfen kann, er würde nur repräsentieren.
Es geht darum, authentisch zu sein, und um das Gespür, in welchen Settings man sich wohlfühlt. Das heißt jetzt nicht, dass ich kategorisch Termine ablehne, aber wenn ich die Wahl habe, werde ich eher dorthin gehen, wo ich mich bewegen kann. Und das merkt man auch bei Sebastian sehr gut: Er hat ein Gespür dafür, wie man sich wo verhält. Einmal – und das gehört dazu als öffentliche Person – wird man sich inszenieren, das andere Mal eher im Hintergrund agieren, wo es ganz ohne Fotos abgeht. Ich glaube, wenn man dieses Gespür sowie ein gutes Umfeld hat, dann ist man gut beraten.