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Eine Frage der Ehre

Text Siegrid Mayer Ausgabe 11/2015

Sind Sie schon einmal durch die St. Pöltner Innenstadt spaziert und haben sich die diversen Schilder in den Hauseingängen genauer angesehen? Immer wieder finden sich dazwischen auch ausländische Wappen mit Verweis auf fremde Länder. Eine Botschaft in St. Pölten? Sind die nicht nur in Wien? Ah – Honorarkonsulat steht da!

Und dann sprudeln die Fragen: Was ist das eigentlich bzw. was machen Honorarkonsule überhaupt? Damit verdient sich sicher jemand einen schönen Batzen Geld mit ... – ja womit eigentlich?
MFG fragte nach, und stieß zu Beginn gleich auf eine Tatsache, welche etwaige Neider wieder „beruhigt“ im Stuhl zurücksinken lassen kann: Geld gibt’s für die Funktion keines. So erstrebenswert, wie man das vorurteilsmäßig bisweilen hört von wegen „Ah, das mach ich auch und verdien mir fürs Lächeln und Händeschütteln auf diversen honorigen Empfängen ein bisserl was dazu“, ist es also nicht. Abgesehen davon, dass sowieso gar nicht jeder einfach Honorarkonsul werden kann. Max Mustermann zum Beispiel könnte es nicht ... auch wenn den viele kennen. Aber prinzipiell bestimmt das natürlich das jeweilige Land selbst, wen es für seine Vertretung engagiert, wobei für die Kandidaten v.a. ein gut ausgebautes Netzwerk wichtig ist, womit sie die Anliegen des Landes bzw. der Bewohner eben desselben vorort bestmöglich vertreten können.
Der Werdegang der verschiedenen Honorarkonsule, die wir trafen, ist dabei sehr unterschiedlich. Eines eint sie aber alle – und ist wohl die conditio sine qua non für ihr Ehrenamt: Sie lieben das von ihnen vertretene Land und gehen, so hört man heraus, ihrer Aufgabe mit Freude und Hingabe nach. Untereinander hat man eigentlich nicht allzuviel zu tun, jedes Land kocht sozusagen sein eigenes Süppchen, allerdings besteht im Rahmen der UCCA (Union des Consularischen Corps in Österreich) dann doch die Möglichkeit zum Gedankenaustausch bei gemeinsamen Veranstaltungen, Vorträgen oder Ausflügen.
In der Regel beträgt die Amtsdauer drei Jahre, die meisten Honorarkonsule bekleiden das Amt aber meist weit darüber hinaus. Im Rahmen ihrer Tätgikeit dürfen sie zwar Beglaubigungsbefugnisse ausstellen, davon ausgeschlossen sind aber Pässe und Visa. Dennoch sind sie natürlich gerade in Einreise, Visa- und ähnlichen Fragen versierte Ratgeber und können zumeist weiterhelfen. Zudem helfen sie Geschäftsbeziehungen anzubahnen, bei der Navigation durch den behördlichen Dschungel sowie bei Fragen jeder Art zu „ihrem“ Land .
Die Konsulate sind zumeist in bestehenden Büros (vornehmlich Anwaltskanzleien) eingemietet, um die vorgeschriebene Adresse in der Landeshauptstadt vorweisen zu können. Einen sprichwörtlichen Parteienverkehr gibt es nicht, Terminvereinbarungen erfolgen in der Regel telefonisch.
Es kann also nicht jeder Honorarkonsul werden, bezahlt ist es auch nicht, eher steckt man noch privat Geld hinein in diese Aufgabe – für die meisten ist es schlicht, nomen est omen, eine Frage der Ehre.

Fünf Beispiele
Im Zuge der Recherche schälten sich für uns fünf verschiedene „Typen“ von Honorarkonsuln heraus, wie wir sie – je nach Zugang – wahrgenommen haben.
Nachgefragt haben wir bei den Vertretern von Bangladesh, den Philippinen, Südafrika, Spanien und der Slowakei ... und das fanden wir heraus:

Wolfgang Weninger, der Wirtschafter
„Ich sehe den Sari wie das Dirndl von Bangladesh, es ist ein wunderschönes strebsames Land“, schwärmt Wolfgang Weninger, Honorarkonsul der Volksrepublik Bangladesch. Der ehemalige Banker vertrat anno dazumal die Länderbank in Singapur, war später selbstständiger Vertreter der deutschen Messe AG und kam über seine jetzige Ehefrau, selbst Diplomatin aus Sri Lanka, mit dem Botschafter Bangladeshs in Kontakt. Er hat sich 2007 an die Botschaft in Berlin gewandt, über die Österreich bis dahin betreut wurde. 2013 folgte Weningers Angelobung, der seither einiges zuwege gebracht hat. Neben dem Ausrichten diverser Empfänge konnte er ein Internetportal und damit auch die Vernetzung mit Österreichs Wirtschaft etablieren. Zudem stand er Pate für die Errichtung eines Denkmales für den wichtigen „Tag der Muttersprache“ in Bangladesh. 2014 wurde schließlich – nicht zuletzt dank seines konsequenten Vorantreibens – die Botschaft von Bangladesh in Wien eröffnet. Sein besonderer Fokus liegt auf Geschäftsanbahnungen!

Waldtraud Steinböck, die Idealistin
„Für mich sind die Philippinen das netteste und freundlichste Volk der Welt!“, sagt KR Prof. Waltraud Steinböck, Honorarkonsulin der Republik Philippinen, und dabei glänzen ihre Augen. Steinböck bekleidet seit 13 Jahren diese Funktion und zählt zur Grand Dame der Szene, die sich selbstsicher auf jedem gesellschaftlichen Parkett bewegt und jahrelang erfolgreich Herausgeberin und Eigentümerin des Magazins „Cercle Diplomatique“ war. Über die Spezies Honorarkonsul meint sie: „Die meisten von uns sind gut bestallte Geschäftsleute.“ Leidenschaftlich berichtet sie von „ihren“ Philippinen in Niederösterreich, kennt aber auch fast jedes andere asiatische Land. Ihr Ehrenamt empfindet sie dabei weniger als Belastung, sondern vor allem als eine persönliche Bereicherung. Davon zeugen auch viele gut besuchte Veranstaltungen in St. Pölten sowie ihr persönlicher Einsatz, um auch die unmöglichsten Dinge für ihr Klientel möglich zu machen.

Walter Stefan Kristof, der Spanophile

„Ich war schon während des WU-Studiums spanophil“, lässt KR Prof. Dkfm. Walter Stefan Kristof, Honorarkonsul des Königreiches Spanien wissen. So hat er etwa die Staatsprüfung in Spanisch abgelegt, und Spanien war bevorzugter Urlaubsort – eine Bindung, die sich auch beruflich fortsetzen sollte. Als Vertriebs und Marketingchef von Waagner Biro war er Mitbegründer, Geschäftsführer und Aufsichtsratschef von Waagner Biro Madrid und durfte in dieser Funktion auch den ehemaligen spanischen König kennenlernen. Kristof nimmt regelmäßig an öffentlichen und firmenmäßigen Veranstaltungen in Niederösterreich teil und versucht „bedingt durch die Wirtschaftskrise in Spanien“ spanischen Staatsbürgern noch intensiver diverse Hilfeleistungen, etwa bei der Job-, Wohnungs- oder Schulsuche in Niederösterreich zu geben. Zudem ist ihm die Durchführung eines Empfanges am spanischen Nationalfeiertag in St. Pölten wichtig.

Lydia Dyk, die Gebürtige
„Die Arbeit als Honorarkonsulin für Südafrika macht mir sehr viel Spaß, wobei ich versuche Leute zusammen zu bringen und Südafrika positiv darzustellen, weil ich persönlich davon überzeugt bin“, verrät die Honorarkonsulin von Südafrika Lydia Dyk. In Kapstadt geboren und aufgewachsen, lebt sie mittlerweile als begeisterte Waldviertlerin in Raabs/Thaya, wobei zuhause mit den Kindern Afrikaans gesprochen wird. Dyk ist seit vielen Jahren Mitglied (mittlerweile auch im Vorstand) des SADOCC (Southern African Documentation and Cooperation Centre, der früheren Anti-Apartheid Bewegung in Wien), und kam über diesen Weg schließlich 2008 in die Funktion der Honorarkonsulin in Niederösterreich. Im Rahmen unzähliger Feste und Wohltätigkeitsveranstaltungen für diverse Projekte in Südafrika versucht sie Leute zusammen zu bringen und für Südafrika zu begeistern. Für die Fotoausstellung „Nelson Mandela und sein Südafrika“ ist sie aktuell noch auf der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten. In enger Kooperation mit der Botschaft in Wien bereitet sie die Registrierungen von Neugeborenen, Passanträge bzw. Passverlängerungen und Staatsbürgerschaftsansuchen vor und bearbeitet diverse Anfragen von Südafrikanern, die in Niederösterreich leben.

Alena Heribanová, die Kulturbegeisterte

„Österreich ist ein Land, das mir schon seit Langem besonders am Herzen liegt. Ich habe mit meiner Großmutter, bei der ich aufgewachsen bin und die mir viel über ihre Jugend erzählt hat, Deutsch gesprochen. Nach der Sanften Revolution 1989 hat Österreich viele Slowaken herzlich aufgenommen und ihnen den Zugang zur ‚freien Welt‘ ermöglicht“, erklärt Dr. Alena Heribanová, seit 2014 Leiterin des Slowakischen Instituts in Wien, welche sich nachhaltig für ein Honorarkonsulat in St. Pölten stark gemacht hat (die Inauguration des neuen Honorarkonsuls fand erst nach Redaktionsschluss statt, Anm.) Vorher war Heribanová 30 Jahre lang als Moderatorin, Dramaturgin und Redakteurin im Slowakischen Fernsehen tätig. Ihr Schwerpunkt liegt auf kulturellen Veranstaltungen, die, basierend auf den gemeinsamen kulturellen Wurzeln, „den Abstand zwischen Österreich und der Slowakei etwas verringern sollen.“ Das Konsulat in Niederösterreich soll unter anderem zur Ausschöpfung der wirtschaftlichen Potentiale der beiden Länder dienen, zudem wünscht sie sich eine umfassende Erweiterung der Verkehrsanbindung der beiden Länder.


BRÜCKENSCHLAG
Dr. Simon Ortner, stv. Leiter der Abteilung „Internationale und Europäische Angelegenheiten“ des Landes Niederösterreich im Gespräch.
Es gibt acht Honorarkonsulate in St Pölten. Inwiefern haben Sie dabei ein Mitspracherecht bzw. sind Sie an der Bestellung der Konsuln beteiligt?

Die Etablierung von Honorarkonsulaten obliegt grundsätzlich dem Wunsch und der Entscheidung des jeweiligen Staates. Bei manchen Arbeitsgesprächen zwischen Landeshauptmann Dr. Pröll und dem jeweiligen Botschafter wurde die Idee ventiliert und der Landeshauptmann um eventuelle Vorschläge von geeigneten Personen ersucht. Das Prozedere für die Bestellung, die sogenannte „Exequatur“, läuft in Österreich über das Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres. Die Bundesländer werden im Zuge des Exequaturverfahrens um allfällige Stellungnahme ersucht. Der Hauptteil des Verfahrens – etwa Analysen und Beratungen in diversen Ministerien, Regierungsbeschluss etc. umfassend – läuft allerdings im jeweiligen „Bestellerland“ unter länderspezifischen Modalitäten ab.

Gibt es Veranstaltungen oder regelmäßige Treffen mit den Konsuln, bei denen auch weitere Pläne und Aktionen besprochen werden?

In Niederösterreich gibt es naturgemäß relativ wenige Honorarkonsuln. Hauptgrund ist die Nähe zu Wien. Die Staaten haben dort ihre Botschaften, Konsulate etc. eingerichtet.
Sollten Fragen oder Probleme auftauchen, ist es – im Vergleich beispielsweise zu Tirol oder Vorarlberg – also wesentlich einfacher, sich direkt an diese ausländischen Dienststellen in Wien zu wenden.
Die in Österreich akkreditierten Honorarkonsuln, es gibt derer 254, sind gut vernetzt im „Union des Consularischen Corps in Österreich“, kurz UCCA.