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St. Pöltens gute Seite

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Dreijahresplan

Text Michael Käfer, Johannes Reichl Ausgabe 06/2013

Die erste Saison in der NV Arena ist geschlagen. Nach einer regelrechten Anfangseuphorie im Herbst, die insbesondere durch eine groß aufspielende Truppe befeuert wurde und viele schon vom Aufstieg träumen ließ, war der zweite Saisonabschnitt eher durchwachsen. MFG bat die Protagonisten um ein erstes Resümee nach einem Jahr NV Arena – und einen Ausblick.

Wie wurde das Stadion im ersten Jahr von den Besuchern angenommen? Den Zahlen nach nicht schlecht. Die NV-Arena, mit 8.000 Plätzen „nur“ fünftgrößte Spielstätte der Ersten Liga, lag mit durchschnittlich 2.900 Zusehern pro Spiel auf Rang zwei im Ligavergleich und konnte damit sogar gut mit den niederösterreichischen Bundesligisten mithalten (Admira 3.300, Wiener Neustadt 2.800). Faktum ist, dass defintiv mehr Zuschauer ins neue Stadion kamen als zuletzt auf den Voithplatz. Dessen zuschauerstärkste Saison in der SKN-Ära war mit 1.700 Besucher pro Spiel jene unmittelbar nach dem Aufstieg 2008. In der letzten Spielzeit kamen jeweils 1.500 Besucher zu den Heimspielen. Im Frühjahr 2013 – wenn man den starken Herbst herausnimmt – näherte sich aber auch der Besuch der NV-Arena wieder diesen Durchschnittszahlen an.
Wie so oft korreliert die Besucherzahl direkt mit der sportlichen Leistung. Diesbezüglich gibt sich auch Landesrätin Petra Bohuslav keiner Illusion hin: „Die Leute sind dann zufrieden, wenn der Erfolg da ist, es ein flottes Spiel gibt und Tore fallen. Das ist so im Sport.“ Für den ganz harten Kern, die Wolfbrigade, gilt dies freilich nur eingeschränkt – die steht nämlich IMMER hinter ihrer Mannschaft, wenngleich auch Obmann Gregor Unfried resümiert: „Die erste Saisonhälfte war sportlich ein Wahnsinn, beispielsweise das 3:2 gegen Altach, die Rückrunde dafür eher zum Vergessen.“ Womit man noch hadert, ist die Stimmung im neuen Stadion. „Die lässt noch zu wünschen übrig.“ Mit der Vereinsphilosophie geht man hingegen großteils d’accord: Junge heimische Spieler anstatt arrivierter „Stars“, wenngleich „wir natürlich den Abgang von Thürauer und Segovia schon bedauert haben.“

Step by Step
Man setzt beim SKN – ein Wort, das in praktisch allen Gesprächen mit Vereinsverantwortlichen fällt – auf „Nachhaltigkeit“. Direkt aus dem Bezirk St. Pölten stammen Andreas Gradinger und Kapitän Ambichl, daneben gibt es zahlreiche Niederösterreicher im Kader, und mehr als die Hälfte der Spieler hat seit dem 14. Lebensjahr die St. Pöltner Fußballakademie besucht. Der SKN ist mittlerweile dafür bekannt, auf eigenen Nachwuchs zu setzen und lässt regelmäßig eine der jüngsten Mannschaften der Liga auflaufen. Umgekehrt, eine interessante Analogie zu regionalen Kulturbetrieben (im ehemaligen Stadttheater verdienten sich etwa Granden wie Peter Minich, Albin Skoda oder Oskar Werner ihre ersten Sporen), versteht man sich auch bis zu einem gewissen Grad als Entwicklungsverein für Leihspieler, das heißt Rohdiamanten anderer Vereine sollen hier weiter geschliffen werden. Trainer Martin Scherb legt bei seiner Kadererstellung jedenfalls „einen hohen Wert auf Nachhaltigkeit“, wie er sagt. Dass er dabei nicht vollends auf routiniertere Spieler verzichten kann, liegt auf der Hand. Der junge Kader soll „möglichst gezielt mit den richtigen Älteren durchmischt werden.“ So wurde für die kommende Saison bereits der erfahrene Abwehrspieler Tomasz Wisio verpflichtet. Damit die Nachhaltigkeit aber auch zum Tragen kommt, möchte man in Hinkunft selbst ausgebildete Topspieler, wie z. B. Thürauer einer war, längerfristig halten. In sämtlichen letzten Saisonen sah man sich ja immer wieder mit dem Abgang von Leistungsträgern konfrontiert.
 
Profis bei der Arbeit
Dass der SKN nicht nur im Hinblick auf das neue Stadion mit seinen Skills wie Trainingsgelände, Kraftkammer, Büros etc. ein professioneller Betrieb geworden ist, belegt auch die Zahl der angestellten Profisportler: Waren 2007 von den insgesamt 22 Spielern nur fünf Profis, so verdienen heute alle – mit Ausnahme von Peter Brandl, der auch als Erzieher in der Fußballakademie Teilzeit beschäftigt ist – ihr Geld ausschließlich durchs aktive Kicken. Die Gehälter variieren: So werden aus der Akademie kommende Spieler laut Obmann Gottfried Tröstl – seines Zeichens leitender Angestellter bei der Hypo und studierter Betriebswirt – mindestens nach dem geltenden Kollektivvertrag bezahlt, was den Verein samt Lohnnebenkosten rund 30.000 Euro pro Spieler kostet. Die „Stars“ kassieren bis zu 180.000 Euro.
Demgemäß wurde auch das Budget in den letzten Jahren v. a. dank neuer, landesnaher Sponsorpartner wie Hypo, NV oder Kabelplus in die Höhe geschraubt. Betrug das Budget 2011/12 noch 2,1 Millionen Euro, womit man im unteren Mittelfeld der Liga lag, war jenes für die erste Saison in der NV Arena auf 3,3 Millionen Euro angestiegen (davon etwa 2 Millionen Sportbudget samt SKN Juniors, Betreuer, etc., aber ohne Akademie). Und heuer geht’s nochmals um einen Tick nach oben: Das Lizenzbudget für die Saison 2013/1014 wird seitens des Vereins mit 3,5 Millionen Euro angegeben.

Gewinnt Geld Spiele?
„Natürlich spielt das Budget eine wichtige Rolle“, räumt Scherb ein, „es gibt aber auch andere Faktoren wie Leidenschaft, Energie und Entschlossenheit.“ Wie schon vorm Einzug ins Stadion verweist der Trainer auf ein passendes Gesamtpaket als Grundvoraussetzung für das Entstehen von etwas Großem. „Mit dem Aufstieg ist ja nichts abgeschlossen“, relativiert er die Wünsche der Fans, die am liebsten sofort den Aufstieg sehen würden. Aber oben gelte es sich auch längerfristig zu etablieren. „Wir wollen ja nicht mit dem Lift nach oben fahren und gleich wieder runter, sondern müssen Schritt für Schritt setzen.“
Das sportliche Ziel für die kommende Saison sei daher nicht dezidiert der Titel, sondern primär einmal, vorne mit dabei zu sein. „Zum Meistertitel in einer starken Liga gehört neben der notwendigen Konstanz, eben immer auch eine Portion Glück in entscheidenden Spielen.“
So nachvollziehbar Scherbs bewusstes Steigen auf die „Erwartungsbremse“ ist, ebenso klar ist, dass der öffentliche Druck mit jeder Saison, in der der Aufstieg nicht gelingt, weiter steigen wird. Auch auf die Politik – immerhin gilt es eine Gesamtinvestition von 27,5 Millionen Euro fürs neue Stadion zu rechtfertigen. Dies kann nur gelingen, wenn sich der SKN in der höchsten Spielklasse mit Kalibern wie Rapid, Austria, Salzburg oder Sturm misst, die auch dementsprechend die Ränge füllen werden. Und antwortet Landesrätin Petra Bohuslav darauf angesprochen aufs Erste eher floskelhaft: „Es gibt keinen politischen Druck, die Spiele werden am Platz entschieden und Geld gewinnt keine Spiele“, lässt sie dann doch mit einer klaren Ansage aufhorchen. „Mit der Errichtung der neuen Arena war das Ziel verbunden, die Mannschaft in die oberste Spielklasse zu bringen und Spitzenfußball in der Landeshauptstadt zu bieten. Das sollte uns gemeinsam, und damit meine ich den Verein, die Fans, Sponsoren und die Politik in den kommenden drei Jahren gelingen.“