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Die Zukunft der Politik: Schnell und ohne Bindung

Text Thomas Winkelmüller Ausgabe 05/2019

Warum klebt der Jugend eigentlich der Begriff „Politikverdrossenheit“ auf der Stirn? Hat sie ihn dort selbst angebracht oder war das ein Diskurs, der am Ziel vorbeischießt? Matthias Rohrer, Studien- und Projektleiter vom Institut für Jugendkulturforschung, diskutiert im Interview mit dem MFG über die vorschnelle Verurteilung der Jugend und „Fridays for Future“.

„Politikverdrossenheit“ ist so ein Begriff, der seit ein paar Jahrzehnten immer wieder im Raum steht und mit dem gerne junge Menschen abgestempelt werden. Ist die Jugend wirklich in der Krise oder suchen Politiker einfach nur nach Gründen warum sie nicht mehr gewählt werden?
Ich mag den Begriff „Politikverdrossenheit“ eigentlich so gar nicht, weil da immer mitschwingt, dass sich junge Leute für nichts mehr interessieren. Das stimmt einfach nicht. Es sind eher zwei Dinge, die daran schuld sind, dass junge Menschen manchmal so wirken. Ich möchte nur vorab klarstellen: Wenn ich „junge Menschen“ sage, dann meine ich nur den Großteil. Ausnahmen gibt es bekanntlich immer. Zu den zwei Punkten zurück: Erstens hat sich die Art von politischem Interesse verschoben. Sie ist weg vom großen Ganzen und eher ins Kleine. Es geht nicht mehr um riesige Ideologien oder große gesellschaftliche Weltformeln, sondern mehr um konkrete Lösung von einzelnen Problemen. Beispiel Asylpolitik: Wenig junge Menschen gehen auf eine Demo gegen Asylrechtsverschärfung, wird aber ein Klassenkollege abgeschoben, ist schnell breites Engagement da.

Warum ist das Interesse der Jugendlichen weg vom Großen und hin zum Kleinen gewandert?
Weil es auch nicht mehr ihrem Zeitgeist entspricht. Es ist tendenziell so, dass sie drängende Probleme haben, die in der Vorgängergeneration seltener waren. Steigender Leistungsdruck, sinkende Jobsicherheit oder Zukunftsängste am Arbeitsmarkt, um nur ein paar zu nennen. Wenn diese Probleme dringender werden, dann kümmert man sich auch weniger um große, verschwommene Entwürfe und sondern mehr um die nahen Probleme. Dazu passt der Begriff junger Biedermeier. Die Menschen ziehen sich aus einer Weltüberforderung ins Private zurück.

Und der zweite Punkt, den Sie zuvor erklären wollten?
Bei Jugendlichen kann man eigentlich nicht von Politikverdrossenheit sprechen, sondern man muss bewusst von Politiker- und Institutionsverdrossenheit reden. Junge Menschen trauen den handelnden Akteuren immer weniger zu die drängenden Probleme anzugehen oder sie lösen zu wollen. Sie selbst haben das Gefühl, dass sie nicht ganz ernst genommen werden, und seien wir uns ehrlich: Werden sie auch nicht. Deswegen versuchen sie eher selbst was zu verändern und in kurzlebigen Aktionen etwas zu verändern.

Nichtsdestotrotz arbeitet das System, in dem wir leben, nicht sonderlich anders. Das Ergebnis davon ist, dass den meisten Parteien der Mitte die Wähler wegdriften, weil sich die Jugendlichen selten für institutionalisierte Politik interessieren. Was bedeutet das für die Demokratie?
Also Junge wählen deswegen nicht sofort überproportional die FPÖ, aber man drängt sie leider aus dem demokratischen Prozess. Sie gehen einfach nicht mehr zur Wahl, weil sie das Gefühl haben, es ändert sich eh nichts. Wir steuern also weniger auf eine Generation zu, die in die Extreme links und rechts gleitet, sondern auf eine, die den Demokratieprozess auslässt, und das ist gefährlich.

Wie können jetzt Politiker gegen diesen Trend arbeiten?
Wenn die Altparteien wie SPÖ und ÖVP, die ja klassische Mitgliederparteien sind, nicht nur politische Vertreter, sondern in der Bevölkerung auch weiterhin breit aufgestellt sein wollen, dann müssen sie auf jeden Fall etwas an ihrer Struktur ändern. Es ist legitim zu sagen: Okay, diese Zeit der großen Parteien ist vorbei und es gibt einfach wahlwerbende Gruppen, die konkrete Themen angehen. Man muss das aber als breiten Begriff sehen. Politiker sollten sich konkret fragen: Was brauchen junge Menschen? Damit meine ich nicht nur Freizeitangebote für Junge zu bieten, sondern die Zukunftsfragen wirklich der Jugend zugrunde legen und die Antworten auf sie abstimmen. Die Jugendlichen müssen ernst genommen werden.

Als Vermittler gibt es da ja auch die Jugendorganisationen der Parteien, zumindest sollten sie dafür da sein. Inwiefern spielen die heute noch eine Rolle?
Tun sie immer weniger. Sieht man ja auch an den abnehmenden Mitgliederzahlen und an ihrem Kampf um Nachwuchs. So geht es aber allen möglichen Organisationen. Der Alpenverein oder das Junge Rote Kreuz suchen auch nach neuen Mitgliedern. Klassisches Ehrenamt und fixe Mitgliedschaft entsprechen einfach immer weniger dem Zeitgeist. Damit werden sie auch uninteressanter.

Sinken wirklich bei allen die Mitgliederzahlen?
Naja, es gibt immer wieder Wellen. Letztes Jahr haben zum Beispiel die Jusos in Deutschland zugenommen. Das sind Peaks, die die Jugendorganisationen ausnutzen, aber auf breiten Zulauf stoßen sie deswegen auch nicht. Wenn jemand kommt, dann eher ein Teil der höheren Bildungsschichten und seltener der 16-jährige Lehrling. Also ja, historisch gesehen sinken die Mitgliederzahlen.

Spielen Bildungsschichten wirklich eine so große Rolle in der Frage, ob man politisch aktiv wird?
Ja schon. Bildungsschichten im breiteren Sinne, also sozial höhere Schichten. Die engagieren sich mit Ausnahmen mehr, und das hat einfach damit zu tun, dass sie die Zeit, die ökonomische Sicherheit und positive Zukunftserwartung haben, um sich damit zu beschäftigen. Wenn ein KFZ-Mechaniker jeden Euro umdrehen muss, dann geht er nicht zu einer Jugendorganisation. Der hat seine eigenen Probleme und kümmert sich nicht um Dinge, die für ihn nicht relevant erscheinen. Dinge, die ihn einfach nicht ansprechen. Frauenquoten, Homoehe oder Asylpolitik zum Beispiel. Interessieren würde es ihn schon, aber er findet niemanden, der seine Person wirklich vertritt. Die SPÖ wird ja auch primär vom oberen Gesellschaftsdrittel und nicht den Arbeitern gewählt. Am ehesten spricht ihn dann noch die FPÖ an, weil sie in der Themensetzung noch näher an ihm dran sind.

Jetzt machen Jugendliche anstatt einer Partei beizutreten oder sie zu wählen eben etwas anderes. Sie werden selbst aktiv, ohne oder mit nur weniger Parteipolitik im Rücken. Das Paradebeispiel ist gerade „Fridays for Future“. Schaut so die Zukunft der Politik aus?
Ja. Man muss da nur bisschen aufpassen, da „Fridays for Future“ ja trotzdem primär vom oberen und mittleren Gesellschaftsteil unterstützt wird. So breit, wie gesagt wird, ist die Bewegung gar nicht. Trotzdem ist es einfach eine zeitgemäße Form von Beteiligung. Aktuell, oft online und ohne Bindung, sogenanntes ad-hoc-Engagement. Da fragen Jugendliche nicht ob sie Kassier in der JVP werden wollen, sondern ob sie Lust haben beim Transparent malen und Organisieren zu helfen. Das ist eine Stärke der Bewegungen. Die Aktivistinnen und Aktivisten müssen diese recht neue Form von politischem Engagement allerdings auf junge Art institutionalisieren und das sehe ich noch nicht.

Könnte die Bewegung an dem scheitern?
Scheitern ist ein schwieriger Begriff, weil sie ja durchaus Dinge bewirkt. Die Diskussion ist momentan nichtsdestotrotz in der Gesellschaft und wird bearbeitet. Wenn aber jetzt keine echte politische Bewegung entsteht, dann haftet an „Fridays for Future“ einfach ein Ablaufdatum.

Danke für das Interview!
Danke für das Interesse!

Conclusio
Die Jugend sei nicht unbedingt politikverdrossen, sondern habe die Art verändert, wie sie Politik lebe und leben wollen würde. Sie fühle sich von den meisten Politikern weder Ernst genommen, noch vertreten. Ihr Engagement stecke sie daher lieber in ad-hoc-Bewegungen.
Als Bindeglied zwischen Jugend und Parteien gelten seit jeher ihre Jugendorganisationen. Aber wie geht es denen eigentlich in Niederösterreich und genauer in St. Pölten? Über die nächsten Seiten verteilt, kommen die Sozialistische Jugend (SJ), die Junge Volkspartei (JVP), der Ring Freiheitlicher Jugend (RFJ), die JUNOS, die Grüne Jugend und JETZT/NOW in eigenen, kleinen Geschichten zu Wort.



SJ –Herberts Herkulesaufgabe

Die Sozialistische Jugend (SJ) hadert mit schrumpfenden Mitgliederzahlen und Strukturmängeln in der Landeshauptstadt. Herbert Hollaus möchte ihr wieder auf die Beine helfen.

Auf zum letzten Gefecht!“, ruft Herbert Hollaus durch den Saal. Ein gutes dutzend junger Männer und Frauen – die Hälfte von ihnen stehen an der Grenze zur Volljährigkeit – heben ihre Fäuste und stimmen begeistert mit ein. Während des Refrains der Internationalen wirken die Mitglieder der SJ textsicherer als beim Vers davor. Sie konnten die Saaltechnik nicht zum Laufen bringen, also musste einer von ihnen schnell seinen mobilen Verstärker aus dem Auto holen. Heute schallen die Bluetooth-Boxen lauter als der Gesang der Genossen.
Herbert Hollaus, der neue Vorsitzende im Bezirk, möchte das ändern. Die oben genannte Textzeile der Internationalen könnte nicht treffender für die Situation der SJ sein. Es geht darum, ob sie in St. Pölten existiert oder nicht. „Liebe Genossen, ich sag es wie es ist – das ist kein guter Ausgangspunkt für mich als Vorsitzender. Im letzten Jahr ist alles etwas eingeschlafen“, gesteht Hollaus in seiner Antrittsrede Mitte Februar. Es fehle an Strukturarbeit, um neue Mitglieder anzuwerben und alte zu behalten. Das ehemalige Hauptquartier ist Geschichte und wurde gezwungenermaßen gegen einige sterile Kellerräume in der Innenstadt eingetauscht – dort machten ihnen vor allem das Rauchverbot und die Wohnungen darüber zu schaffen. Dazu komme noch, dass die erste Generation der Organisation aus der SJ „herausgewachsen“ ist. Kurz gesagt: Die Stadtgruppe hat ihren Glanz verloren. Sie ist einstweilen auf Eis gelegt. Als neue Spitze des Bezirks liegt es am 22-jährigen Jugendgemeinderat aus Hofstetten-Grünau sich etwas einfallen zu lassen.

Freundschaft neu
Im Konferenzraum mit den dicken, purpurnen Vorhängen wirken die Anwesenden etwas verloren. Der Parteifotograf hat sie im Raum verteilt, um ihn voller aussehen zu lassen. Auf den Fotos für die Website funktioniert das. Hollaus hält immer noch seine Rede und mittlerweile klingt er optimistischer. Filmabende, Partys und Verteilaktionen. Damit wolle er neue Mitglieder anwerben. Nach seiner Ansprache kommt Hollaus vom Rednerpult und übergibt Blumen an die scheidende Bezirksvorsitzende Corinna Jost. Dann gibt es Jause und Bier für alle.
Im Interview dazwischen erzählt er von Chancen. Zum Beispiel der Chance, die er in Türkis-Blau sieht, um junge Menschen wieder für Politik zu interessieren. Ein bisschen Regierungskritik fehlt heutzutage selten bei roten Funktionären. In der Sozialistischen Jugend war sie schon Usus, als die Mutterpartei selbst noch in einer Koalition war. „Ich bin ‚leider‘ zuversichtlich, dass Jugendliche kommen werden, weil es ihnen irgendwann reichen wird, wie diese Regierung arbeitet“, sagt Hollaus. Ihm sei aber auch bewusst, dass nur wegen Türkis-Blau nicht sofort jeder wieder ein rotes Parteibuch haben wird.

Es muss weh tun

Ein paar Monate später zieht er Bezirks-Bilanz. Es ist mittlerweile Mai, die Pläne für die Wiederbelebung der Stadtgruppe stehen und Hollaus zählt auf, was sie bereits veranstaltet haben: Mario-Kart-Rennen im SJ-Raum, Geburtstagspartys und ein Get-Together im Cinema Paradiso nach der letzten „Fridays for Future“-Demo. Letztere verteidigt er – stangeln hin oder her: „Ich kenne die Diskussion um die Anwesenheitspflicht in der Schule, aber wenn jemand sagt ‚demonstriert bitte am Samstag‘, dann ist das ja kompletter Schwachsinn. Demos müssen weh tun!“
Ist die SJ nun in der Krise oder im Umbruch? Die Antwort darauf ist dieselbe, wie auf die berühmte Frage, ob das Glas halb leer oder halb voll ist. Ansichtssache. Hollaus jedenfalls glaubt, dass mit dem richtigen Team und genug Passion seine Vorstellungen in naher Zukunft Realität werden können. Das Fundament ist gelegt, gebaut werden muss noch. Für heute wird aber einmal auf seine Wahl angestoßen.

Infos | noe.neu.sjoe.at



JVP – Stadt, Land, Pottenbrunn

In einer knallroten Stadt hat es die JVP nicht leicht. Im nördlichsten Zipfel St. Pöltens aber liegt eine kleine, schwarze Hochburg.


Niederösterreich und eine starke JVP gehören zusammen wie St. Pölten und der Titel Kulturhauptstadt. Scherz beiseite – die ÖVP-Jugendpartei im Bundesland erfreut sich schon lange guter Gesundheit. Ihre Mitgliedszahlen bleiben überwiegend konstant oder sinken zumindest nicht mehr, als die der anderen Parteien, und die Volkspartei hält ihre Absolute im Landtag. Hier kann kaum einer klagen.
Karl Prochaska muss da wohl ein wenig widersprechen. Als Obmann der Stadtgruppe St. Pölten sitzt er „im gallischen Dorf“ Niederösterreichs. Die Landeshauptstadt ist noch roter als das Land schwarz. Prochaska & Co. schränkt das ein. Große Kampagnen können sie nicht fahren und den Ton gebe meistens die SPÖ an. Bei dem Gegenwind sei so richtig glänzen schwierig. „Unser Hauptziel ist deswegen, präsent zu sein und mit Veranstaltungen und Flyern zu zeigen, dass es eine Alternative gibt, die sich genauso Gedanken um die Stadt macht.“

Sonnwendfeuer und Erdäpfelkirtag
Mittlerweile ist Prochaska seit acht Jahren aktives JVP-Mitglied. So ein Jubiläum feiert er lieber beim Sonnwendfeuer als am Erdäpfelkirtag. „Das ist nämlich am Donnerstag und da ist die Arbeitswoche schon fast vorbei, nach dem Kirtag habe ich sie noch vor mir“, sagt Prochaska und lacht. Neben ihm sitzt Thomas Brunner und tut es ihm gleich. Seit Jänner ist er Bezirksobmann der JVP St. Pölten, also für Stadt und Land gleichermaßen verantwortlich. Er hat sogar die Facebook-Seiten der JVP in den beiden Bezirken vereint. Das bedeutet weniger Arbeit für mehr Traffic. Damit wirkt auch die Stadtgruppe aktiver, als sie es im urbanen Gebiet ist.

Die Ausnahme in der Ausnahme
Die Stärke der Jungen Volkspartei liegt am Land. Dort ist sie historisch gefestigt und zum fixen Teil vieler Dörfer geworden. Für St. Pölten gelte das nun einmal nicht, vor allem nicht für den Süden der Stadt. „Also beim Schwaighof machen wir nicht viele Meter“, gesteht Prochaska. Nördlich davon wacht eine schwarze Hochburg, auf die Verlass sei. Jenseits der S33 beginnt das Land, und auch wenn die Schnellstraße es von St. Pölten trennt, die nächsten paar Kilometer gehören zur Stadt.
Die Rede ist von Pottenbrunn, sozusagen die stadteigene Ausnahme in der Ausnahme. Hier kennt man den Nachbarn noch, geht zur Freiwilligen Feuerwehr und ist Ministrant. Auch Vizebürgermeister Matthias Adl lebt etwas außerhalb davon. „Wenn ich Leute brauch, die etwas konkret machen, dann bin ich allein aufgrund der breiten Aufstellung am besten beraten, dort anzurufen“, sagt Prochaska. In Pottenbrunn halten die Mitgliederzahlen seit Generationen ziemlich jeder Erschütterung stand. Das liegt daran, dass es hier schon eine eigene JVP gab, bevor sie Teil der Stadtgruppe wurde. Demnach ist die Junge Volkspartei fest verankert. Sie organisiert den Radwandertag und das Sonnwendfeuer, ihre Mitglieder kommen zu jeder größeren Veranstaltung im Ort.
Zusammenfassend: Den Norden St. Pöltens verteidigt die JVP mit Leichtigkeit. Ob sie jenseits davon ihre Macht ausbauen kann? Die nächste große Chance auf Aufmerksamkeit für die Junge Volkspartei steht bei den Gemeinderatswahlen 2021 an. Sie könnte aber mit der FJ um den heißen zweiten Platz ringen müssen.

Infos | jvpnoe.at



NOW – JETZT noch nicht, aber bald!

Die Liste rund um Peter Pilz baut ihre Landesparteien von unten auf. Dazu gehört auch die zukünftige Jugendorganisation „NOW“. Ein Blick in die wahrscheinliche Zukunft.

Sandra Gaupmann sei schon zu ihrer Schulzeit „auffällig“ gewesen. Eine schlechte Betragensnote gehörte für sie dazu. Brav sitzen und nicken widerstrebe ihr immer noch, nicht nur damals in der Klasse. „Deswegen möchte ich, dass unsere Landesjugendorganisation einmal die Schüler zum Aufstehen bewegt“, sagt Gaupmann.
Die Niederösterreicherin, Ende vierzig, plant und baut die Landesstruktur der Liste JETZT auf. Dazu gehört auch „NOW“, die Jugendpartei. Eine Arbeitsgruppe hat ihren anglisierten Namen unlängst erarbeitet, nun geht es darum, den Claim mit Leben zu erfüllen und quasi von der leeren Worthülse hin zur Jugendpartei zu erwecken.
Noch stecken die niederösterreichischen Ableger aber mitten im Aufbau. Der gehe auch „eher „schleppend voran“, wie Gaupmann zugibt. Eine kleine Partei mitten im Europawahlkampf gleichzeitig auch auf Bundes- und Landesebene zu strukturieren, das ist wohl so energieaufwendig und langwierig, wie es klingt. Trotzdem soll NOW nach den Plänen der Altvorderen noch dieses Jahr auf Bundesebene starten und spätestens 2020 dann samt der Mutterpartei auch in allen Bundesländern vertreten sein.
Gaupmann, auf den plakativen neuen Namen der geplanten Jugendorganisation von „JETZT – Liste Pilz“ angesprochen, beschreibt diesen als „spritzig, moderner und jünger“. Ob er diesen Worten tatäschlich gerecht werden kann oder NOW nur „dienstjung“ bleibt – es wird sich bald zeigen.

Infos | partei.jetzt/bundeslaender/niederoesterreich



FJ – Blaues Ringen

Im Bund koalierte bis vor Kurzem die FPÖ mit der ÖVP, gemeinsam regierten sie die Republik. Der niederösterreichische Ableger hingegen kämpft mit Problemen sowie deren Freiheitliche Jugend (FJ).

Wasserbälle, Gratiseis und blaue Goodies. Die Freiheitliche Jugend (FJ) geht diesen Sommer wieder auf Bädertour. Land auf und ab will die kleine Tochterorganisation der FPÖ so mit den jungen Menschen Niederösterreichs ins Gespräch kommen und sie an eines erinnern: „Hallo, es gibt uns.“ Alexander Murlasits, er ist Obmann der FJ im Land, hat sich dieses Konzept von seinen Kollegen aus Wien abgeschaut. Mit der Idee erlebe die FJ ein Mitgliederhoch – allerdings gemessen an einem überschaubaren Maßstab.
Die Freiheitliche Jugend im Land kämpft gegen große Konkurrenz. Mit der JVP steht ihr eine erfahrene Konservative gegenüber, in St. Pölten waltet die SPÖ dank einer unwahrscheinlich hohen Absoluten. Mit Gruppen in Melk und Amstetten habe die FJ im Mostviertel mittlerweile Fuß gefasst, eine flächendeckende Alternative am Land könne sie noch nicht bieten. „Bei der Jugend ist das noch nicht der Fall. So ehrlich muss man sein“, sagt Murlasits. Erreichen möchte er das mit Themen wie Mobilität, leistbarem Wohnen und Sicherheit.
Abseits von See und Freibad kommuniziert die Jugendpartei über das Internet. Auf den Social-Media-Kanälen funktioniert das, nur leidet die Homepage der Bundes-FJ unter kleinen Mangelerscheinungen. Besucher der Website finden dort ein Feld mit dem Wort „Bundesländer“, das zu einer interaktiven der Republik führt. Nach einem Klick auf „Niederösterreich“ verrät die Suchmaschine: Die Seite ist nicht bekannt. Das liegt daran, dass sie auf die alte Domain der Freiheitlichen Jugend führt. Sie wurde aktualisiert und um ein „R“ beraubt. Es stand für „Ring“, wie in Ring Freiheitlicher Jugend. „Der Name war einfach komplett veraltet. Wer sagt denn heute noch Ring für eine Vereinigung?“, so Murlasits. Vor zwei Jahren habe der Bund den Namen intern diskutiert und geändert. Nach außen wurde das seines Wissens nach leider nicht kommuniziert. Stichwort „veraltet“. Diesen Begriff will Murlasits ablegen. Anfang des Jahres wählte die FJ zu seiner Beruhigung fünf statt zuvor zwei Frauen in den Landesvorstand.

Die Heimatpartei
Eine von ihnen ist Jennifer Köhler. Als junge Frau trat sie zuerst der FPÖ bei, dann der FJ. Im Bezirk St. Pölten ist sie heute deren Obfrau. „Hier fühle ich mich zuhause“, sagt sie. Mit Schwerpunkten wie „Sicherheit für Frauen“ und „Familienwerte“ spricht ihr die FPÖ aus der Seele.
Im Interview zuvor erklärte Alexander Murlasits, dass jeder Bezirk seine eigene Veranstaltung habe, auf die er sich konzentrieren würde. In St. Pölten nimmt das Trachtenclubbing diesen Platz ein. Köhler beschreibt es als „ein nettes Zusammensitzen im Herbst bei Schlager und den neuesten Radiohits.“ Das Konzept: Wer in Tracht kommt, wird mit verbilligtem Eintritt belohnt. Jedes Jahr veranstaltet es die FJ und jedes Jahr gibt es ein kleines Problem. „Wenn man wen zum Arbeiten braucht, dann ist das meistens schwer“, so Köhler, „aber das Interesse ist immer da.“
Eine große Bezirksgruppe seien sie nicht. Das läge daran, dass die FJ in der Stadt erst seit Juli 2017 wieder existiert. Zuvor musste sie pausieren. Auf ihrer Facebook-Seite reposten sie Beiträge der Parteiorganisationen mit höherem Platz in der Hierarchie. Sie scheinen etwas zu klein und können ihre Pinnwand noch nicht mit eigenen Inhalten füllen. In der roten Hochburg sei das schwierig. Die Freiheitlichen können Impulse setzen, aber schwer umsetzen. „Egal wie wir abstimmen“, sagt Köhler. Auf die Frage, ob sie an einen blauen Vize-Bürgermeister 2021 glaube, überkommt sie am Ende des Gesprächs ein Anfall harten Realismus: „Die SPÖ macht ihre Arbeit gut und kommt bei den Bürgern an. Das wird schwer.“

Infos | fj-noe.at



GRÜNE JUGEND – Trauma-Bewältigung

Aus der Asche der „Jungen Grünen“ entstand die „Grüne Jugend“ – auch in Niederösterreich – und baut auf, was verloren war.

Sie reden nicht gerne darüber, relevant ist das Thema trotzdem. Im Frühling 2017 erkannte die Mutterpartei den Jungen Grünen den Status als offizielle Jugendorganisation ab. Ein Teil der Mitglieder verließ daraufhin die politische Heimat, der Rest blieb. Kurz darauf riefen die übrigen parteitreuen Jungpolitiker im Land gemeinsam mit einigen Neueinsteigern die heutige Grüne Jugend ins Leben. Sie bauten eine neue Struktur auf „und seitdem geht es bergauf“, sagt Stephan Bartosch.
Gemeinsam mit Laura Ozlberger verwaltet er den Landesvorstand. Sie sind Landesprecher und Landessprecherin. Der Grünen Jugend gehe es „gar nicht so schlecht“, sagt Ozlberger. Bei der Nationalratswahl schaffte die Mutterpartei die 4%-Hürde nicht, in Niederösterreich sitzen die Grünen hingegen im Landtag. Das bedeutet mehr Möglichkeiten für die Grüne Jugend. Sie planen Schulschlussaktionen, Flyer zu öffentlichem Verkehr und Umweltschutz sowie einen Radwandertag im Waldviertel. Zusätzlich soll eine Bezirksgruppe in St. Pölten kommen, genügend Leute und Aktivistinnen habe man hier bereits.
Wir hätten gerne noch mehr über die Grüne Jugend im Land geschrieben. Leider wurden ein paar Stunden nach dem Interview mehr als zwei Drittel davon zurückgenommen und ins Off gestellt. Am professionellen Umgang mit Journalisten muss die Grüne Jugend noch arbeiten.

Infos | www.facebook.com/gruenejugendnoe

 


 

JUNOS – Frisch, frank und frei

Die JUNOS bauen ihre Landesorganisationen auf. Wie die Mutterpartei setzen
sie dabei auf unkonventionelle Herangehensweisen.

Christoph Müller ist ein JUNO wie aus dem Buche. Er studiert Wirtschaft, trägt moderne, legere Kleidung und kann neoliberale Inhalte in jugendfreundlicher Verpackung servieren. Seine oft unkonventionellen Ideen untermalt er mit Redewendungen, die an Strolz-Rhetorik erinnern. Als Landesvorsitzender baut Müller die JUNOS in Niederösterreich auf. Keine leichte Aufgabe. Der NEOS-Ableger muss erst wachsen und sich im Land richtig etablieren.
Der Mutterpartei geht es ähnlich. Seit letztem Jahr sitzt sie im Landtag, bei der St. Pöltner Gemeinderatswahl 2016 verfehlten die NEOS trotzdem ihren Einzug und landesweit kamen sie auf keinen vollen Prozentpunkt. Laut Müller läge das am Zielpublikum. NEOS werden überwiegend von jungen, urbanen Akademikern oder ebensolchen Familien gewählt und die bilden in Nieder­österreich nicht unbedingt die Mehrheit. Wenn sie punkten, dann im Speckgürtel. Jetzt mag mancher meinen, die NEOS und ihre Jugendorganisation würden im Land ihr Wählerpotenzial nicht ausschöpfen können. „Das sehe ich anders. Es wächst gerade eine Generation heran, für die es normal ist, dass die NEOS am Stimmzettel stehen“, sagt Müller. Die hätten keine Hemmschwelle mehr ihr Kreuz dort zu machen – vorausgesetzt die Partei besteht solange.

Interne Kritik
Und vorausgesetzt sie kann ihre Inhalte im Land vermitteln. Auf den Social-Media-Kanälen sind die jungen NEOS vertreten, eine eigene Homepage sei nicht notwendig, meint Müller. Für ihn sind niederösterreichische Themen online besser bei der Bundes-JUNOS-Seite aufgehoben. Das klingt zuerst einmal etwas unkonventionell. „Ich glaube, dass wir so mehr Leute erreichen. Der Traffic auf der JUNOS-Seite ist viel höher, als er es bei uns sein würde. Wir könnten unsere Kanäle so nicht bespielen“, sagt Müller. Das läge an Mängeln in der Fläche, nicht fehlenden Inhalten. Auch die manchmal leise pinke Stimme im Land sei ihr geschuldet. „Das ist interne Kritik, die ich höre. Ich glaube, dass wir lauter sein könnten und lauter sein sollten. Deswegen ist das ein Ziel für meine Amtszeit, aber aktuell fehlt noch der letzte Schritt dafür.“

Das Pfostenprinzip
Dieser „letzte Schritt“ sei über kurz oder lang die breitere Aufstellung der JUNOS – nur möchte Müller keine typischen Bezirksstellen.
Die JUNOS wären nicht die JUNOS, wenn ihre Ansicht kein relatives Unikum im Land wäre. Sie wollen weg von dem „Jedem Pfosten einen Posten“-Prinzip. Ja, auch die Pinken hätten ihren ursprünglichen Charakter als Bürgerinitiative nach und nach verloren, aber klassisch institutionalisierte Bezirksstellen mit Schriftführer und Vorstand seien nicht zeitgemäß. „Das Thema ist bei uns heiß diskutiert. Uns ist es lieber ein paar Jugendliche organisieren mit uns Events, als dass sie in den Parteivorstand gehen. Ich sträube mich einfach gegen dieses Netz, gegen dieses Prinzip der Funktionärstraube, das in Niederösterreich existiert“, sagt Müller. Die institutionalisierte Bezirksstelle sei schlichtweg „überholt“.
Trotzdem: Wenn ein paar Jugendliche in St. Pölten eine gründen, dann störe ihn das ebenso wenig. Ein paar JUNOS gäbe es in der Stadt. In der NEOSphäre, dem St. Pöltner Hauptquartier mit den pinken Ziegeln, veranstalten sie „Politisch Programmatische Nachmittage“, ein kreativer Name für Diskussionsabende, oder Rhetorik-Trainings für die VWA. Dass sich NEOS und JUNOS das Parteigebäude teilen, liegt in erster Linie wohl an fehlenden finanziellen Mitteln, aber passt auch ins Parteikonzept. Die Mutterpartei scheint so frisch und unkonventionell in ihren Ideen, dass sie sich kaum von der Jugendpartei abhebt. Was sie darüber hinaus beide teilen, ist der neo-liberale Pinselstrich – auch wenn ihn manch einer auf den ersten Blick nicht erkennen mag.

Infos | www.freiheit.junos.at/niederoesterreich