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BISCHOF ALOIS SCHWARZ - Liebe ist die Antwort

Text Johannes Reichl Ausgabe 11/2018

Das mächtige Schmiedeisentor ist noch immer so schwer wie vor elf Jahren, als ich das letzte Mal hier war, und auch die übergroßen Klostergründer Adalbert und Ottokar stehen eisern wie ewige Wächter an derselben Stelle im Eingangsbereich. Wenn man dann durch die nächste Türe tritt, findet man sich plötzlich im wohl schönsten Stiegenaufgang der Stadt wieder – jenem, der zum Bischofshaus hinaufführt, in die Räumlichkeiten von Bischof Alois Schwarz.

Oben im Foyer empfängt uns schon Katharina Brandner, frischgebackene Leiterin des Kommunikationsreferates sowie Mediensprecherin des Bischofs. „Ja, da hat sich nicht allzu viel verändert“, lacht sie über meinen Hinweis auf die zeitlose Architektur und fischt ihr Handy vom Boden, das sie an einer Steckdose zum Aufladen angesteckt hatte. „Das schwere Schmiedeeisentor wird man übrigens bald nicht mehr aufziehen müssen, es ist als Eingangstür ja eher ungeeignet. Der entstehende zentrale Eingang über das neue Diözesanportal am Domplatz wird in alle Büros führen – auch zum Herrn Bischof“, verrät sie uns.
Entwicklung, Veränderung gibt es also doch in den hehren Hallen der ewigen Institution Kirche, und am augenscheinlichsten schlägt sich diese in ihrem wechselnden Personal nieder. Alois Schwarz hat sein Amt mit 1. Juli  in St. Pölten angetreten und damit Bischof Klaus Küng beerbt, der anno dazumal die „Konkursmasse“ seines streitbaren Vorgängers Kurt Krenn übernommen hat und die Diözese wieder, wie beim Abschied aus dem Amt betont wurde, befriedete. Die in der Krenn-Ära in Scharen geflüchteten Schäfchen konnte zwar auch er nicht mehr zurückholen, aber ihm gelang es zumindest die zuvor überproportionale Kirchen-Austrittswelle auf ein österreichweites Durchschnittsmaß zu senken. Während Küng gemeinhin als eher konservativer Vertreter seiner Zunft galt, was viele am stärksten in seiner Opus Dei-Mitgliedschaft manifestiert sahen, wird Schwarz eher dem liberal-gemäßigten Lager zugeordnet.
Der Bischof kommt uns aus seinem Büro entgegen, das schlicht gehalten ist: Unspektakulärer Arbeitstisch, an der Rückseite eine Bücherwand, jede Menge Schriftstücke, die auf genug Arbeit schließen lassen – kein Computer! Allzu viel konnte oder wollte der „Neue“ im Vergleich zu seinem Vorgänger noch nicht ändern, zumindest hängen aber schon zwei neue Bilder an der Wand, eines von der Kärntner Künstlerin Lisa Huber. „Die war höchstselbst da, weil sie wissen wollte, wo ihre Bilder jetzt hängen“, lächelt Schwarz und nimmt uns die Jacken ab. Auch den Mokka serviert der Bischof selbst. Eitel ist das nicht, eher – wie er vielfach beschrieben wird – unprätentiös und entspannt.
Wir machen es uns im großzügigen Warte- oder Besprechungszimmer gemütlich, von Heiligen, Märtyrern und Aposteln umzingelt, die uns von den großen Wandgemälden aus beobachten. Schwere Schinken, wie allerorts barocke Fülle, woran sich der neue Bischof, im Übrigen wie sein Vorgänger, erst gewöhnen musste, „wobei es ein wunderschönes ehemaliges Kloster ist.“ Was Schwarz jedenfalls schon am neuen Wirkungsort zu schätzen gelernt hat, ist der Umstand, dass er trockenen Fußes in den Dom kommt. „In Kärnten habe ich 15 Minuten mit dem Auto in den Dom gebraucht“, schmunzelt er. Hier in St. Pölten hingegen ist das Bischofshaus über einen Gang direkt mit der Domkirche verbunden – regenfrei sozusagen.

Die Heimkehr nach Niederösterreich
Mit seinem Amtsantritt in St. Pölten ist Schwarz nach langer Reise im Dienste des Herrn wieder in seine Heimat Niederösterreich zurückgekehrt. 1952 wurde er in Hollenthon in der Buckligen Welt geboren, „zuhause“, wie für damals üblich. „Ich bin auf einem klassischen Einschichthof aufgewachsen. Wir hatten Felder, Wald, Kühe, Schweine – ein Vollerwerbsbetrieb, was er auch heute noch ist“, so Schwarz. Für die Kinder war es ganz selbstverständlich „dass wir in der schulfreien Zeit zuhause am Hof mitgearbeitet haben.“ Weniger üblich war, dass nicht Schwarz als Ältester den Hof übernommen hat, sondern sein jüngster Bruder, was aber auf die damals ebenfalls wohl eher unübliche Einstellung der Eltern zurückzuführen war „dass der Älteste studieren soll.“ So führt sein Weg nach der Volksschule ins humanistische Gymnasium nach Sachsenbrunn, eine Zeit „an die ich mich heute noch gerne zurückerinnere.“ Gerade das Internatsleben, für manche eher traumatisierende Lebenserfahrung, war für Schwarz ein positives Erlebnis, „auch wenn es hieß, dass ich nur Allerheiligen, Weihnachten, Ostern und im Sommer nachhause gekommen bin. Aber wir hatten eine großartige Gemeinschaft und haben viel gemeinsam unternommen.“ Schwarz spielt Fußball, im Übrigen als knallharter Verteidiger, lernt Oper und Theater bei gemeinsamen Fahrten – vornehmlich nach Graz –  kennen, ja spielt selbst Theater und lernt Bassflügelhorn. Selbstredend, dass er vier Jahre lang auch in der Blasmusikkapelle musiziert hat.

Die Sache mit Gott

Dass es kein längeres „Engagement“ wird, hängt v. a. damit zusammen, dass er nach der Schule ins Priesterseminar nach Wien wechselt. Ob es für diesen Schritt irgendein religiöses Erweckungserlebnis gab, oder eine besondere religiöse Vorprägung? „Ich glaube, zum einen lag es daran, dass ich im Gymnasium gute Vorbilder hatte, die mir vorlebten, dass das eine schöne Aufgabe ist. Zum anderen habe ich es mir aber im eigentlichen Sinne nicht ausgesucht. Es war eher ein Gefühl, ein Ergriffensein von der Gegenwart Gottes in mir, so dass ich gar nicht anders konnte. Diesen Weg wählt man nicht.“
Nach nur sechs Jahren wird Schwarz zum Priester geweiht und kommt zunächst als Kaplan nach Gloggnitz, „wo ich v. a. viel in der Kinderseelsorge tätig war und unterrichtet habe.“ Diese Station erweist sich aber nur als Intermezzo, denn bald wird er von Kardinal Franz König als Assistent an die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Wien geholt. „Eine trockene Zeit, weil ich mehr mit Büchern denn mit Menschen zu tun hatte“, erinnert er sich zurück „aber ich habe auch unterrichtet.“ Als Dissertation schreibt er ein „Handbuch der Predigt.“ Worauf es da eigentlich ankommt, beim Predigen? „Eine Predigt muss ein persönliches Wort enthalten und ein gutes Bild geben. Und sie muss emotional sein! Der Hörer muss merken, dass der Prediger von seiner eigenen Ergriffenheit erzählt – dann pfeift‘s!“, ist der Bischof überzeugt, „und natürlich gibt es ein paar rhetorische Grundsätze, die man beachten sollte.“

Seelsorger mit Leidenschaft
Auch Schwarz selbst zieht es nach dem Studium wieder zum Predigen, zu den Leuten zurück. Er wird Pfarrer in Krumbach, „das war eine 2.000 Katholiken-Gemeinde. Eine wunderschöne Zeit!“, schwärmt er. „Als Pfarrer lebst du ja in der Gemeinde mit, begleitest die Menschen auf ihrem Lebensweg, das beginnt bei der Taufe, beim Beginn des Lebens, und geht bis hin zum Tod, zum Begräbnis. Ich war und bin Seelsorger mit ganzer Leidenschaft!“
Davon nimmt auch Wien Kenntnis, so dass Schwarz nach neun Jahren zum Seelsorgeamtsleiter der Diözese Wien bestellt wird, „und ich plötzlich am Stephansplatz gewohnt habe.“ In dieser Funktion versucht er allgemeine Themen und Programme zu entwickeln, führt verschiedene Österreich-Konferenzen durch bis hin zum „Dialog für Österreich“ – also jener kircheninternen Initiative, die in Folge der Skandale rund um Kardinal Hans Hermann Groer und einer darob aufgewühlten bis aufmüpfigen Herde die Wogen glätten bzw. einen Dialog kirchenintern wie auch nach außen hin in Gang setzen sollte.

Pragmatismus
Schwarz erwirbt sich in dieser Zeit den Ruf eines „Mann des Dialoges“ sowie Pragmatikers. Er selbst definiert sich „als zukunftsorientiert – letztlich muss man das tun, was den Menschen hilft, muss das Eingliedernde vor das Ausgliedernde, das Aufbauende vor das Zerstörende stellen.“ Die Wege dorthin seien aber, wie er einschränkt, nicht immer nur in neuen Antworten und Wegen zu finden „manchmal ist durchaus auch das Traditionelle, das Festhalten am Alten das adäquatere Mittel, ein anderes Mal gilt es hingegen loszulassen.“ Wenn Schwarz davon spricht, dass es „um Aufgeschlossenheit der Kirche“ geht, dass es „Spielräumen bedarf, wo man auch etwas ausprobieren kann“ oder davon, „dass man sich etwas zutrauen muss“, dann klingt das alles andere denn nach Dogmatikern der alten Schule, die vielfach in der Kritik stehen, den Bezug zum Leben verloren zu haben. Auch Sätze wie „Leben ist wichtiger als die Lehre. Erfahrung ist wichtiger als die Botschaft. Change is the future!“ sind nicht gerade dazu angetan, im Handbuch ultrakonservativer Kleriker Niederschlag zu finden. Es verwundert daher wenig, dass Schwarz etwa – um einen Dauerbrenner exemplarisch herauszugreifen – in der Frage der Aufhebung des Zölibats nicht reflexartig ein kategorisches Nein von sich gibt, sondern einräumt „dass man natürlich darüber reden darf, welche Lebensform für einen Priester die richtige ist.“ Dass mit einer Aufhebung des Zölibats aber alle Sorgen – Stichwort Priestermangel – gelöst würden, glaubt er nicht. „Schauen wir uns etwa die Evangelische Kirche an – da dürfen Priester heiraten, haben Kinder, und es herrscht trotzdem Priestermangel. Auch bei den Christlich-Orthodoxen ist dies teils möglich.“
Worüber sich die Katholische Kirche vielmehr Gedanken machen müsse „ist, wie wir die seelsorgliche Grundversorgung sicherstellen können angesichts weniger Priester.“ Kurzum, wie und in welchen Bereichen Laien –  und auch da klingt v. a. Pragmatismus und Realitätssinn durch – Aufgaben von Priestern für die Pfarrgemeinde übernehmen können. Man vermeint herauszuhören, dass es für Schwarz eher mehr denn weniger Agenden sein dürften, Hauptsache man findet die richtigen „auskunftsfähigen Christen“, welche die Botschaft zu vermitteln verstehen. Und diese hält er noch immer, wenn man es so formulieren möchte, für unerreicht und absolut. „Wie wird der Mensch ein Liebender in der Liebe Gottes. Wenn wir uns danach richten, wird auch die Kirche genesen“, ist er überzeugt, denn „unser Grundprogramm ist gut. Was wir haben, ist eher ein Marketingproblem!“

Wir ist größer als Ich
Als positives Beispiel, wo sich der Grundgedanke niederschlage, wo man sich der Armen und Schwächeren in Liebe annimmt, nennt Schwarz etwa die Caritas. „Mensch, du bist vom Menschen geliebt. Dahin müssen wir kommen! Und das passiert vielfach. Die Caritas Autos sind landauf landab unterwegs, und darauf prangt die Botschaft: Wir ist größer als Ich!“
Ein Auslaufmodell sei das jedenfalls nicht. Auf meinen Einwurf, dass es aber immer weniger Katholiken und Kirchgänger gibt, kontert er „die Statistik ist das eine. Jene aber, die in Gott leben, die selbstlos helfen, die in der Familie vielleicht die Angehörigen pflegen, ehrenamtliche Dienste für Schwächere übernehmen, das ist das andere.“ Auch die Pilgerbewegung, „die noch vor 20 Jahren in dieser Dimension undenkbar gewesen wäre“, weise auf ein nach wie vor spirituelles Grundbedürfnis hin, „denn die Leute schauen ja nicht nur in der Gegend herum, sondern gehen in sich, reden mit Gott – da spielt sich ungemein viel ab!“
Das Interesse an Religion als solcher sei jedenfalls „sicher nicht weniger geworden“, das Wissen darüber sogar größer – damit freilich auch jenes über andere Glaubensgemeinschaften. Daher müsse die Kirche in ihrer Kommunikation wieder differenzierter auftreten und propagieren, wofür man wirklich stehe, fordert der Bischof. „Wir müssen den Mensch als Mensch betrachten – nicht nur aus technischem, strategischem, politischem Blickwinkel. Der Mensch ist kein Kostenfaktor“, übt er handfeste Kapitalismuskritik. „Wir müssen uns fragen, wie geht es ihm, wie ist es um seine Gefühle, um seine Sehnsüchte, um seine Gesundheit bestellt. Wir müssen auf ihn in Liebe schauen, so wie Christus in Liebe für uns Mensch geworden ist. Gott ist Liebe – das ist die Grundbotschaft – und die vertritt keine andere Religion!“ Ganz bewusst hat er in diesem Sinne auch seinen Leitspruch als Bischof gewählt: „Das Wort ist Fleisch geworden!“

Fehlbarkeit
Freilich macht es die Kirche ihren Schäfchen in Sachen Liebe, weil sie mitunter selbst lieblos, ja grausam agiert, nicht immer leicht. Dazu muss man nicht erst in finstere Zeiten von Kreuzzügen, Inquisition oder Hexenverbrennungen zurückblättern, sondern es genügt ein Blick auf die jüngste Geschichte, ja Gegenwart – allen voran auf die zahlreichen Missbrauchsvorfälle, die seit Jahren immer wieder publik werden. Zuletzt standen die englischen Priester und jene in den USA im Fokus, erst kürzlich entschuldigten sich die polnischen Bischöfe, und auch in Österreich ist die Kirche mit dem Aufarbeitungsprozess der verschiedenen Missbrauchsskandale bis heute beschäftigt. „Man hat darüber lange Zeit nicht geredet. Es ist auch schwierig, aus heutiger Sicht das Damals zu beurteilen – es herrschten andere Erziehungsmethoden, es fehlte an psychologischer Schulung. Fakt ist jedenfalls, es wurden Fehler gemacht, die unentschuldbar sind, und es ist unsere Aufgabe, dass wir heute präventiv agieren, dass so etwas nie wieder passiert. Wir müssen viel hellhöriger damit umgehen.“  Und das tue man auch. Als konkrete Lehre und Reaktion habe man etwa, was Schwarz für einen wichtigen Schritt hält, die Ombudsstelle für Opferschutz ins Leben gerufen. Die sogenannte Klasnic-Kommission hat tausende Fälle von sexuellem Missbrauch innerhalb der Katholischen Kirche aufgearbeitet „ein Instrumentarium, das herzeigbar ist, und das sich auch andere – aktuell etwa die USA – anschauen.“ Zudem, dies seien wichtige symbolische Akte gewesen, habe „Papst Johannes Paul II. im Jahr 2000 um Vergebung gebeten, und auch Kardinal Schönborn im Rahmen eines eigenen Gottesdienstes im Stephansdom.“ Nüchtern fügt Schwarz hinzu: „Die Kirche ist eine real verfasste Gemeinschaft, in der es oft zu späte Entscheidungen und Reaktionen gibt, wo man erkennt, man hätte es anders machen müssen. Es ist eine Gemeinschaft aus Menschen. Wir sind nicht unfehlbar. Das soll aber keine Entschuldigung für das Fehlverhalten Einzelner sein.“

Gurker Schatten

Mit dem Vorwurf der Fehlbarkeit sieht sich der Bischof aktuell auch selbst konfrontiert. Nach seinem Abgang aus Gurk, wo er 17 Jahre lang Bischof gewesen war, wurden ihm – worüber NEWS ausführlich berichtete – u. a. Verschwendungssucht, Günstlingswirtschaft, Bespitzelung, Deckung von Missbrauch und dergleichen mehr nachgesagt. Wie er diese Vorwürfe ehemaliger Weggefährten aufgenommen hat? „Es hat mich ehrlich gesagt verwundert. Wir haben doch immerhin 17 Jahre lang zusammengearbeitet, vieles auch gemeinsam auf den Weg gebracht. Man könnte auch zuvor intern den Dialog suchen, dann hätte sich wohl vieles geklärt – an die Medien hätte man, so man das wollte, noch immer gehen können“, schüttelt Schwarz den Kopf und fügt hinzu. „Der Weg zueinander bleibt einem aber ohnedies nie erspart, darauf kommt es an, richtig im Interesse der Menschen zu handeln.“ Näher möchte er zum aktuellen Zeitpunkt aber, so wie er es bislang in der Causa gehandhabt hat, nicht eingehen und bittet dafür um Verständnis: „Aktuell wird alles geprüft, was ich begrüße. Ich möchte aber diesen Erkenntnissen nicht vorgreifen. Solange es keinen Prüfbericht gibt, ist es also wenig sinnvoll, darüber etwas zu sagen. Mir liegt nichts daran, über die Medien zu kommentieren, und mir liegt viel am persönlichen Dialog.“ Dass die Berichte in der Diözese freilich für einigen Gesprächsstoff sorgen, kann er nachvollziehen. „Die Aufregung und Unsicherheit, die ich mit diesen Medienberichten hier in der Diözese St. Pölten verursacht habe, tun mir leid. Und ich bin dankbar über die vielen Begegnungen und persönlichen Gespräche, die ich hatte, sowie das Vertrauen, das mir entgegengebracht wurde. Eine Leitungsposition inne zu haben, bedeutet manchmal auch, Entscheidungen zu treffen, die hie und da auf Unverständnis stoßen. Gleichzeitig muss ich im Nachhinein schon sehen, dass ich heute manches anders machen würde. Ich hoffe jedenfalls sehr, dass durch die Prüfung Klarheit und Klärung für alle Beteiligten entsteht.“

St. Pölten
Jetzt wolle er sich voll und ganz auf St. Pölten konzentrieren. „Erst heute war ich am Markt, um meine neuen Nachbarn zu begrüßen“, erzählt er und verweist auf seinen vollen Terminkalender, der von Antrittsbesuchen nur so wimmelt. In St. Pölten habe er sich jedenfalls „von Anfang an sehr willkommen gefühlt“, und die Stadt, die er vormals nur vom Regierungsviertel und vom Hippolythaus her kannte, habe ihn mit „ihrer traumhaft schönen Innenstadt“ durchaus überrascht. Auch die allerorts aus dem Boden schießenden Kräne sind dem Neo-St. Pöltner nicht entgangen, die er „als Hoffnungszeichen der Wirtschaft und der Zukunft“ deutet. Eine Zukunft, in die er sich als Oberhirte der Diözese aktiv miteinbringen möchte, weshalb Schwarz auch manchem Begehr der Kommune gesprächsbereit gegenübersteht – etwa im Hinblick auf die etwaige Realisierung einer Tiefgarage unterm Bischofsgarten. „Da bin ich offen und habe gesagt: Prüft es, ob es überhaupt machbar ist, und wenn ja, dann schauen wir uns das an!“ Auch die Domplatz-Neugestaltung ist selbstredend Thema, „weil sich das ja alles vor unserem Haus abspielt – der Domplatz soll ein Ort der Kommunikation, der Kultur, des Marktes und des Austausches sein. Wir sind jedenfalls bereit, unsere Tore zu öffnen und auch unsere Innenhöfe zu bespielen“, lässt er auf ein aktiveres und offensiveres Hinzugehen auf die Leute schließen. Ganz konkret entsteht aktuell etwa im Brunnenhof ein neuer Empfangskubus „wo sich die Menschen hinwenden und informieren können“ samt sichtbarem Zugang für das doch für viele eher schwer zu findende Diözesanmuseum. Gerade was die Kultur der Kirche betrifft, sieht Schwarz viele positive Inputs für die Stadt „wenn wir etwa auch an unsere wunderbare Dommusik denken.“ Er ist deshalb auch Feuer und Flamme für die Idee der europäischen Kulturhauptstadt und Kulturhauptstadtregion, im Zuge derer man auch die Schätze der Kirche, „auch die schönen Stifte und Klöster im Umland mitdenken sollte!“ Hinaus ins Umland, in die Tiefen seiner 400 Pfarren umfassenden Diözese, führen ihn auch die nächsten Wege, wo er vorort „in den Dekanaten mit den Pfarrern, Diakonen, Pfarrgemeinderäten und den Gläubigen reden möchte.“ Auch hier ist sein Credo  allen voran die Seelsorge „da müssen wir uns fragen, wie wir diese – auch bei weniger Pfarrern – sicherstellen können, denn die Pfarre ist der Nahversorger für die Seele!“ Ein Kanal wird zudem wohl auch über die NÖN laufen, deren Mehrheitseigentümer die Diözese ist, und die Schwarz „für sehr wichtig“ hält.
Für private Vergnügungen bleibt da vorerst jedenfalls wenig bis gar keine Zeit. Den Besuch am SKN-Platz hat der Fußballfan auf April verschoben, und auch die Kulturinstitutionen in  St. Pölten werden noch einige Zeit auf seinen Besuch warten müssen. Selbst die geliebten Spaziergänge in die Natur und die Berge, „die ich sehr liebe und ab und an brauche, um Abstand zu gewinnen“ müssen aktuell hintanstehen – der Terminkalender ist zu voll, was uns auch Frau Brandner signalisiert. Der nächste Besuch wartet.
Den abschließenden Wordrap haben wir aber ohnedies rasch durch, weil der Bischof lachend ausweicht. „Wenn ich Ihnen jetzt sage, welche Lieblingsblumen ich habe, was ich am liebsten esse oder welche Musik ich am liebsten höre, bekomme ich in Hinkunft immer dasselbe geschenkt und vorgesetzt.“ Nur beim Lieblingsbuch gibt sich Schwarz weniger zugeknöpft. „Das ist selbstverständlich die Bibel“, lächelt er und verschwindet nach einem festen Händedruck im Nebenraum.
Als ich unten das schwere Schmiedeeisen-Tor wieder hinter mir zuziehe und durch den Brunnenhof Richtung Domplatz schlendere, fallen mir die Transparente auf den Bauzäunen der im Entstehen befindlichen Informationsstelle auf: „Sehnsucht stillen“, „Liebe entzünden“, „Gottes Liebe entdecken“. Die Marketingmaschine ist schon angeworfen. Die beste Werbung für die Kirche sind aber immer noch, wie es Schwarz formuliert hat, „liebende Menschen.“