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St. Pöltens gute Seite

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AUTOBUS

Text Roul Starka Ausgabe 11/2019

Die Mühsal einer Autobusfahrt. So viel möchte man jetzt denken, geradezu facespucken statt facebooken ob der vielen Zwickeinheiten, die man da verabreicht bekommt.
Und nur jetzt hab ich eine Chance: dies alles umkehren in Lächeln und Zuneigung. Schon zieht ein Schüler seine Füße nicht zurück, obwohl ich mich offensichtlich ihm gegenüber hinsetzen will, no na, er hat Schwerstarbeit am Handy. Ich verpasse ihm liebevoll ein so freundliches „Entschuldigung!“, dass ihm schwindlig wird.
Mit dem kräftig trötenden Buben, seine Audi-BMW-Gedanken seinem brav zuhörenden vis-à-vis verkündend, tu ich mir schon schwerer. Uff, mein Bauch, also gut. Ich suche und finde: Der Typ hat doch liebe Kniescheiben. Zwei Zentimeter Stoff malen da vorn in den Jackenärmel einer älteren Dame lächelnde Mundwinkel. Geht doch.
Meine Seele redet mit mir lachend sanktpöltnerisch: „Kumm, wir san glei do!“ Im Bus noch ein paar Töne wie ein Presslufthammer, Blicke aus Aceton. Dann wieder eine süße Frisur. Meine Seele zupft mich, wir steigen aus.
Ich stoße mit dem Schienbein versehentlich an einen Tageszeitungsständer, ein „Heast!“ explodiert aus meinem Mund. Gerade will ich nach Hause, ein Lieblingslied spielen und weinen – oder männlich, kreuzhohl zum Spar und mit geschummelt sonorer Stimme eine Leberkässemmel kaufen – kaufen mich Herz und Seele zurück, winken mit einem unsichtbaren Vertrag, er riecht nach Gänseblümchen und Staub, merkwürdig. Sie sagen: „Schau, du hast Liebe bestellt, also bekommst du sie. Und vergiss nicht, du bist immer im Autobus, in unserem.“