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St. Pöltens gute Seite

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Aus dem Bauch heraus

Text Andreas Reichebner Ausgabe 03/2014

20 Jahre „on Tour“, 20 Jahre Musik aus aller Frauen und Herren Länder – 20 Jahre „Weltenklang“. Das klingt nach einer Musikagentur mit massig vielen Köpfen – ist es aber nicht. Hinter „Weltenklang“ steckt nur ein Haupt, das des St. Pöltners Dietmar „Hasi“ Haslinger. Heuer feiert er Jubiläum – mit einer ansehnlichen CD-Compilation.

Wollt Ihr auch dabei sein?“ So lautete der letzte Satz im E-Mail, das Haslinger bescheiden, fast schüchtern an die mit ihm seit Jahren tourenden Künstler schickte. „Ich hab mir immer gedacht, eine Rückschau wäre toll, aber der Aufwand, das Problem mit den unterschiedlichen Rechten, hat mich zurückschrecken lassen“, so Haslinger, der zuvor für sich selbst einen Soundstick mit 80 Titeln zusammengestellt hatte. Der hörte sich so gut an, dass die Idee zu einer Jubiläumscompilation immer dringlicher wurde.
Nun, das besagte Mail, des Nächtens expediert, entwickelte eine gewaltige Eigendynamik. „You can use any track you want“, war die erste Reaktion eines Künstlers – keinem Geringerem als Dire Straits Gründer David Knopfler. „Die ganze Nacht habe ich positive Antwortmails erhalten“, erinnert sich Haslinger, der nun die CD „Weltenklang 20 – the first years“ realisiert hat und in unserer Geschichte ab sofort zum „Hasi“ mutieren wird. Denn so kennt man ihn nicht nur in St. Pölten, sondern auch in einem beträchtlichen Teil der Musikwelt. Sein Spitzname Hasi geht ohnedies besser mit der Art und Weise, wie er mit Künstlern umgeht, einher. Sein Erfolgsgeheimnis ist, dass „viel Herz in meiner Agentur liegt“. Persönliche Betreuung ist oberste Prämisse. Hasi geht nicht mit Cashcows, sondern mit Freunden auf Tour.

Das erste Mal
Wie es dazu kam? Wir sind im Winter 1992/93, Hasi war Kellner im Szenelokal Narrenkastl und überaus beliebt. Weniger beliebt zu dieser Zeit, von Jörg Haider und Konsorten öffentlich durch das Volksbegehren „Österreich zuerst“ drangsaliert, waren in Österreich abertausende Migranten. André Heller und SOS Mitmensch riefen zum Lichtermeer in Wien auf. In Ermangelung einer St. Pöltner Veranstaltung trat Hasi mit seinem Freund Harry Friedl auf den Plan. Nach der Kontaktaufnahme zu Heller und Resetarits wurden den beiden Rechte und Logo der Aktion zur Verfügung gestellt. Kurz gesagt, das heimische Lichtermeer wurde ein Erfolg – vor allem der Menschlichkeit und Streitbarkeit von Haslinger.
Hasis erste organisatorische Bewährungsprobe, weitere sollten folgen: „‚Sie hätte da eine Idee für ein Festival‘, rief mich eines Tages Michaela Steiner an“, erinnert er sich. Der Rest ist eine Erfolgsgeschichte par excellence und unter dem Namen „Höfefest“ nicht nur in der österreichischen Kulturszene hinreichend bekannt.
Danach hätte sich Hasi wieder auf das Kellnerieren konzentrieren können, wäre da nicht dieser junge irische Songwriter beim Höfefest aufgetaucht. „Das taugt mir, wie du das machst, kannst du nicht auch für mich was tun?“, fragte Sean Keane um organisatorischen Beistand.
Für Hasi eine Überlegung wert. Als auch die Managerin der legendären Holmes Brothers bei ihm vorstellig wurde, ließ er sich als Ober beurlauben und zog in die weite Welat hinaus – ging auf Tour. „Real World Studios“ von Musikerlegende Peter Gabriel, die erste Adresse für Weltmusik, schickte weitere Künstler. Zeit für eine Musikagentur, dachte sich Hasi, „rennt doch wie am Schnürchen“. Passiert ist ihm dabei der Name „Weltenklang“ – „der war einfach da“. Kataloge wurden gedruckt, als Massensendung an sämtliche Kulturveranstalter geschickt. „Eine Woche ist überhaupt nix passiert, hab dann nachtelefoniert, aber viele Absagen erhalten“. Gleiches Szenario ein halbes Jahr später.
„Scheiß auf das …“, Hasi war drauf und dran alles hinzuschmeißen, als plötzlich nach ein paar Telefonaten der Posthof, das Metropol und Alf Kraulitz vom Donaufestival mit ihm zusammenarbeiten wollten. Von da an gings bergauf! Etliche Selbstläufer wie die Fado- oder Irish-Christmas-Tour hat er im Programm und immer wieder neue, aufstrebende Künstler aus dem Bereich der Weltmusik mit folkloristischem Hintergrund – von der grünen Insel, aus Rumänien, Frankreich, Portugal, Schweden, Kanada, den USA ...
Ausverkaufte Häuser sind heutzutage das Credo der Kulturveranstalter – Hasi schafft das immer wieder. „Zu meinem Erfolgsgeheimnis zählen etwa die Jahresprogrammhefte auf jedem Sitzplatz. Da weiß man gleich, ah, der ist das mit den Holmes Brothers und dem Fado …“

Gehört zur Familie

Längst ist er ein Holmes Brother geworden, gehört zur Familie und erlebte schon viele Geschichterln mit anderen prominenten Künstlern.
Auf Tour kann es da schon mal passieren, dass er beim Sundance Festival mit einem älteren Rothaarigen, der sich später als Robert Redford entpuppte, ein Bierchen tschechert oder Joe Strummer, dem legendären Sänger und Gitarristen der Punk-Band „The Clash“ einen Ofen dreht.
„Mir hat noch nie ein Mann Wäsche geschenkt“, sagte zu ihm die Blues und Gospel singenden Ikone der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung Odetta Holmes mit Tränen in den Augen – Hasi hatte der Sängerin, weil ihr fror, während einer Tournee Strümpfe bei Wolford gekauft.
„Ich bin ein Mensch, der aus dem Bauch lebt, hab sehr viel Glück gehabt“, blickt Hasi zurück, „meine damalige Frau Johanna hat mich unglaublich unterstützt. Es war ein Wahnsinns-Job, ich selbst ein exaltierter Freak.“ Mit Johanna hat er drei Töchter, Lena, Hannah und Marie, denen er regelmäßig Postkarten von seinen Touren schickt. „Ein Steckenpferd von mir.“

Metamorphosen
Hasi war schon vieles, Hippie, Mod …, nun hat er seine vorläufige Metamorphose eingenommen – als „European Tuareg“. So nennen ihn die Einheimischen, wenn er, bekleidet mit der Djellaba, dem traditionellen nordafrikanischen Gewand, gemeinsam mit Frau Renate in seiner geistigen Wahlheimat Marokko unterwegs ist.
Mit dem St. Pöltner Establishment hat er schwerstens abgeschlossen, „ich mache hier circa 10 Gigs, Emotionen gibt es kaum mehr.“ Viele Ideen und Konzepte, die noch in Schubladen liegen, hat er abgeliefert, „beruflich hat man nie etwas getan für mich.“
Glücksgefühle erlebt Hasi eher, wie seine Musiker, beim Schlussapplaus. „Wenn´s Standing Ovation gibt, bin ich happy. Dann habe ich die Leute vom Fernseher weggebeamt und sie mit echter, lebendiger Kultur beseelt.“
www.weltenklang.at