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St. Pöltens gute Seite

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Am Weg zur Basketball-Hochburg

Text Thomas Schöpf Ausgabe 11/2019

In den 90ern dominierte die UKJ den heimischen Basketball. Nach Jahren in der Versenkung sind St. Pöltens Korbjäger aufgrund der neu gegründeten „Superliga“ wieder in die höchste Spielklasse zurückgekehrt. Dank hervorragender Nachwuchsarbeit peilen sie das obere Playoff an. Unter der „Dachmarke SKN“ sollen neue Sponsoren an Land gezogen werden.

Es ist eine Freude“, sagt Basketball-Legende Hubert Schreiner. Der Ehrenpräsident des Österreichischen Basketball-Verbandes (ÖBV) und ehemalige Teamchef, der mit seinem Heimverein UKJ St. Pölten als Trainer und Sportdirektor mit Spielern wie Neno Asceric, Serguei Orekhov oder Dieter Nusterer in den 90er-Jahren sechs Meistertitel und drei Cupsiege einfuhr, ist begeisterter Fan der SKN St. Pölten. Sofern nicht gerade sein Sohn Thomas für Bilbao Basket (SPA) spielt, verfolgt der 70-Jährige jedes Heimspiel. „Bei Obmann Muschik ist der Klub finanziell, organisatorisch und administrativ in besten Händen, und Trainer Andi Worenz ist sportlich genau der richtige Mann“, schwärmt Schreiner über seine ehemaligen Spieler-Schützlinge in leitenden Funktionen. Dass sein Klub nun unter der Dachmarke SKN firmiert, was Vorteile beim gemeinsamen Marketing bringt, begrüßt Schreiner ebenso: „Unser Manager F.X. Eberl und ich wollten das seinerzeit auch schon, als wir so dominant waren und die Handballer und Fußballer ebenso erstklassig. Manchmal dauern gute Dinge eben ein wenig.“

Nicht bloß reingerutscht
Dafür wurde die Superliga sehr schnell eingeführt. Die St. Pöltner, die nicht zuletzt aus finanziellen Gründen seit fünf Jahren „nur“ zweitklassig waren, bekamen Wind von der neu gegründeten Zehnerliga und gaben im Sommer nach ein paar Wochen Vorbereitungszeit eine von insgesamt elf Bewerbungen ab. Den schwarzen Peter bekamen die Fürstenfeld Panthers (Meister 2008, Cupsieger 2009), die die schlechteste Bewerbung abgaben, und nicht – so wie in einigen Medien dargestellt – ein Duell gegen St. Pölten verloren. „Uns wurde vom Verband schon signalisiert, dass wir nicht als Zehnter reingerutscht sind, sondern zum Mittelfeld gehören, was unsere Strukturen betrifft“, hält Worenz fest. Wenngleich es finanziell schon sehr knapp war. Die erforderlichen 300.000 Euro Budget für eine Saison kratzten Muschik und Co. gerade noch zusammen.

Nachwuchs ist Prunkstück

Das Prunkstück ist wie schon in den letzten Jahren der Nachwuchs. Die SKN Basketballer haben neben ihrer Kampfmannschaft eine U19-, U16- und U14-Mannschaft, zwei U12-Teams, eine U10 und darüber hinaus noch ein Kooperationsteam mit Herzogenburg für U14-Mädels. „Dank der Unterstützung der Stadt haben wir nun auch noch unsere Mini Ballers, die sich jeden Freitag treffen“, lacht Worenz, „am Anfang haben wir gebangt, dass nur ein paar kommen, sind dann aber überrannt worden von 30 bis 40 Kindern.“ Sein jüngerer Sohn Niklas (4 Jahre) ist auch dabei, sein älterer Jonas (10) geht schon für die U12 auf Korbjagd, gemeinsam mit Paul, dem Sohn des Obmanns. „Die zwei sind nur zweieinhalb Monate auseinander und verstehen sich am Platz quasi blind“, schwärmt Muschik. Der Nachwuchs sei der Hauptgrund, warum er sich dieses Amt antut. Derzeit wendet der Zahnarzt, der früher als Center bei der UKJ unter dem Korb mächtig umrührte, 30 bis 40 Stunden Freizeit pro Woche auf. Auf Sicht möchte er reduzieren.

Formel 444
Mit der aktuellen Entwicklung der Kampfmannschaft ist Muschik „mehr als zufrieden, wir können es tatsächlich unter die Top 6 schaffen.“ Worenz geht d’accord: „Bislang haben wir alle, die in unserer Reichweite liegen, geschlagen, und nur gegen die wirklich Stärkeren verloren. Das ist eigentlich sensationell.“ Der als Berufsoptimist bekannte Muschik hält gar schon 2022 oder 2023 den österreichischen Meistertitel für möglich. „Und ich garantiere zu 90 Prozent, dass wir das mit maximal vier Legionären schaffen.“ Der Zwölf-Mann-Kader soll sich aus vier Eigenbauspielern, vier Österreichern („Die unsere Philosophie mittragen“, so Muschik) und vier Legionären zusammensetzen. Für die Superliga hat Worenz mit dem Amerikaner Kelvin Lewis und dem Deutschen Philip Jalalpoor nur zwei neue Legionäre geholt, die er als „Glücksgriff“ bezeichnet. Als feststand, dass der SKN in der Superliga spielen darf, wurde Worenz, wie er selbst sagt, „zugespamt“ von Spielervermittlern: „60 bis 70 Amerikaner habe ich mir dann genauer angesehen.“

Der Charakter muss stimmen
Vor Lewis war auch schon US-Boy Wesley Myers drei Wochen auf Probe da. „Er wäre sportlich top gewesen, aber hat sonst nicht so gut zu uns gepasst“, sagt Worenz. Lewis und Jalalpoor sind auch die einzigen „Profis“ beim SKN, der Rest fast ausnahmslos Studenten. Von der B-Liga-Mannschaft hat Worenz keinen einzigen Spieler aussortiert. Mit Nico und Steven Kaltenbrunner haben es neben Jonas Blasch sogar zwei Brüder aus dem eigenen Nachwuchs in die Kampfmannschaft der Superliga geschafft; der dritte Kaltenbrunner, Denis (16), geht  derzeit für die U19 des SKN auf Korbjagd. Sechs Spieler haben ihren Lebensmittelpunkt in Wien. Darum trainiert der SKN einmal in der Woche in der Vienna International School. Zum Gespräch mit dem „MFG“ im Sportzentrum NÖ erschien Worenz, der hauptberuflich Sportkoordinator im Sportleistungszentrum SLZ St. Pölten ist, quasi abreisebereit im blau-gelben Trainingsanzug mit Wolfs-Logo und SKN-Rucksack.

Nur Griffin ist angestellt
Wenn Worenz dienstlich verhindert ist, leitet sein Co-Trainer Johnny Griffin die Einheiten. Der ehemalige Bundesliga-Spieler (Gmunden, Kapfenberg, Wörthersee Piraten) ist als Nachwuchs-Chef (mit B-Lizenz) derzeit der einzige Angestellte des von den Fußballern unabhängigen Klubs. Mittelfristig wollen die Basketballer einen zweiten Angestellten für den geschäftlichen und organisatorischen Bereich. Worenz selbst, der als Legionär in Deutschland in Mindestzeit Sportwissenschaft und Psychologie (dazu als Trainer die C- und B-Lizenz) abgeschlossen hat (danach die A-Lizenz), weiß nicht, ob er über die Saison hinaus noch Headoach bleiben mag: „Der Aufwand ist in Summe enorm. Offen gesagt, macht mir das Training mit den Kindern am meisten
Spaß. Die Freude, die sie dabei haben,
und ihre Entwicklung, die man in kürzester Zeit sehen kann.“

Derbytime
Das (Fan-)Publikum im Sportzentrum NÖ ist gemischt. Viele, die die goldenen 90er-Jahre miterlebten, kommen wieder und sitzen mit Schreiner und manch anderen Ex-Spielern – die nun teils Funktionäre sind – auf der Tribüne. Aber es sind auch neue Anhänger hinzu gekommen. Für die „Traditionalisten“ warten zwei Leckerbissen: Am 1. und 15. Dezember (jeweils 17:30 Uhr) empfängt der SKN mit Traiskirchen und Kapfenberg zwei „ewige“ Titel-Rivalen der UKJ-Ära. Derzeit sind alle drei Klubs wieder etwa auf Augenhöhe, allerdings geht es in ihren Duellen vorerst „nur“ um den Einzug ins Playoff der besten Sechs.