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St. Pöltens gute Seite

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Absurdistan

Text Beate Steiner Ausgabe 09/2014

Der Amtsschimmel wiehert jetzt im Netz. Hat mir ein Geschäftsmann erzählt, der an den Bund eine Rechnung stellen wollte. Seine Erlebnisse hören sich an wie die altbekannte Asterix-Geschichte, in der die Gallier einen Schein organisieren sollen, dabei von einem Schalter zum nächsten und zum nächsten geschickt werden. In der österreichischen Gegenwart funktioniert das halt im Netz. Da muss sich der Rechnungsleger registrieren, was nur mit telefonischer Unterstützung der Dame vom Amt möglich ist, mehrere Codes eingeben, die aufs Handy kommen – schwer zu lesen, während des Telefonierens. Und der letzte Code erlaubt nicht etwa die E-Rechnungslegung – nein, er ist der Schlüssel dafür, dass die Verwaltung einen weiteren Code per RSA-Brief mit der Post schickt. Aufwand für die Rechnungslegung: Eine Stunde plus drei Tage Wartezeit auf den Brief. Rechnungssumme: 28 Euro.
Von der Businesswelt zu den ganz Kleinen unserer Gesellschaft. Die lernen im Kindergarten jetzt Besonderes: Dass die Kindergartentanten Essen nur mit Handschuhen anrichten dürfen, dass Erdbeeren nach zwei Tagen verdorben sind, dass Kinder keine Milch trinken, dass selbstgemachte Säfte pfui sind. Klingt verrückt? Ist aber so. Laut einer neuen Verordnung dürfen die Eltern nur mehr Essen mitbringen, das als Beipacktext die Inhaltsstoffe und das Kaufdatum angibt. Erdbeeren werden nach zwei Tagen weggeworfen, weil sie dann verdorben sein müssen. Elterliche Ribiselsaftspenden sind ein „No-Go“, weil nicht kontrollierbar, und beim Essen herrichten dürfen die Kids selbstverständlich auch nicht mehr mithelfen – dazu müssten sie ja Handschuhe anziehen. Muss eine seltsame Welt für die Kinder sein: Ich kann mir nicht vorstellen, dass Papa oder Mama daheim die Semmerl mit Handschuhen füllen ...