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Polizeiposten-Postings

Text Beate Steiner Gebloggt am 10.02.2015

Wachzimmer geben keine Sicherheit. Es sind die Polizisten, die für Ordnung sorgen.

Warum also schreien ein paar Wichtigtuer und ein paar vorwahlgestresste Politiker nach einem Wachzimmer am Bahnhof? Das Wachzimmer hält weder Jugendliche davon ab, dass sie sich in die Gosch’n haun, noch Junkies vom Dealen, noch aggressive Streithansln davon, dass sie ein Messer zücken.

Die Polizei-Präsenz ist’s, die lichtscheue Gestalten ins Dunkel wechseln lässt, oder die unmittelbare Anwesenheit von Polizisten, ÖBB-Securities und auch Sozialarbeitern. Da braucht’s kein Wachzimmer, sondern nur Patrouille. Weil die Innenstadt-Polizei-Inspektion ja eh keine 500 Meter weg vom Bahnhof ist und die Freunde und Helfer innerhalb weniger Minuten am Tatort sind, wenn am Bahnhof wieder einmal was passiert. Das ist doch viel logischer und effizienter, wenn sich zum Beispiel zwei der im Linzer-Straßen-Wachzimmer stationierten Beamten schnell zum Einsatzort aufmachen, als wenn vier zusätzliche Polizisten am Bahnhof drauf warten, dass ein Einsatz ansteht. Und weniger werden es nicht sein können, weil ja sonst das Wachzimmer unbesetzt ist, wenn sich zwei Inspektoren im Fall des Falles in Dienst stellen.

Ich frag mich also wirklich, was die denken oder spüren, die ein Bahnhofswachzimmer fordern, entweder mit ihrer Unterschrift, oder indem sie nachplappern, was einige Politiker vorsagen. Profilierungs-Sehnsucht? Oder subjektives Sicherheitsgefühl beim Anblick eines Polizei-Taferls? Oder einfach nur der Kick des Dabeiseins beim Dagegensein?

Übrigens: Was ist denn schon groß passiert, dass sich einige jetzt wieder wichtigmachen für das Bahnhofwachzimmer? Zwei Schlägereien, eine am Bahnhof, eine einige hundert Meter weiter weg ­­— die Polizisten waren dort sicher genauso schnell zur Stelle wie sie es von einer Bahnhofsdienststelle aus gewesen wären.

Abgesehen davon, dass so etwas immer wieder geschieht, nicht nur in der Nähe des Bahnhofs, nicht nur in St. Pölten, ist klar, dass Polizei-Präsenz solche Gewalttaten nicht verhindert, sondern nur verlagert. Die Schlägerei, die Messerstecherei, die Dealerei findet dann halt woanders statt, wo keine Uniform stört. Und das ist unser eigentliches Problem, da sollten wir nachdenken drüber, diese Aufgabe sollten wir lösen, also auch die Wichtigtuer und Polit-Verantwortlichen: Wie schaffen wir eine friedlichere Gesellschaft? Wie helfen wir den orientierungslosen Jugendlichen, ihren Platz und Sinn im Leben zu finden? Ist halt ein bisserl eine schwierigere Aufgabe, als ein Polizeiwachzimmer am Bahnhof zu fordern oder mit einer Unterschriftenliste zu polemisieren. . .