MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

Wilson

Text Althea Müller
Ausgabe 06/2012

Immer dasselbe: Man lebt so vor sich hin, verbeißt sich an Mauern, schreibt neue Klagelieder, darappelt sich, rennt bei der nächsten Kreuzung erst wieder falsch, kauft sich ein Eis, lässt sich den Rücken peckn, wechselt Jobs, klettert auf Bäume, fällt auf die Schnauze, schaut sich Filme an und bleibt dran. In Summe ist das das Leben. Zwischen dem Ärger über die Katze, die wieder genau auf die Couch gespieben hat und den Gedanken, warum in einem ach so zivilisierten Land wie unserem Kinder totgeprügelt werden, dem beherzten Kauf von Bio und dem Wunsch, sich einfach zu schleichen – zwischen all dem tut er sich aber irgendwann trotzdem auf: der Sinn im ganzen Blödsinn.
Da braucht es keinen Jakobsweg oder Urlaub am Floß. Alles geil, aber gerade in dem Zeug, das wir täglich erleben, steckt eh schon jeder Sinn. Loslassen und Akzeptanz erlernt man auch durch ein Lächeln, während einen mal wieder ein (weißer!) Audi schneidet. Wenn man „Naa net“ runterschluckt und stattdessen „Danke“ sagt. Oder wenn man sich eingesteht, dass der so lang angehimmelte Held in Wahrheit eine hirnlose Lusche ist, die sich getrost selbst – na, was auch immer. Peace. Und wenn dann die Katze (die eben noch auf die Couch … ehschowissn) kuscheln kommt und eine liebe Postkarte im Briefkasten liegt, obwohl man grade noch dachte, nicht mal mehr Robinson, sondern höchstens Wilson zu sein, erschließt sich der Sinn automatisch: Glaube, Liebe, Hoffnung. Ganz simpel. Immer dasselbe. Um da drauf zu kommen, muss man weder meditieren noch fliegenlernen. Und das finde ich schön.