MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

Dates

Text Althea Müller
Ausgabe 03/2012

Das Ritual des Datens hat wahrscheinlich ein drogensüchtiger Schriftsteller erfunden, im Keller seiner Eltern.
Dates sind nämlich, wenn man mal die, äh, 25 überschritten hat, Gift. Überhaupt heute: Erst erfolgen Hunderte Andeutungen über Mail, SMS und Chat, bevor man sich – unter Verlust mehrerer Zacken der polierten Krone – endlich auf ein Treffen einigt. Dann wird mühsam ein Termin gefunden (da muss ich arbeiten! Da bin ich trainieren! Da rette ich Waisenkinder! Da ist The Closer im Fernsehen!) sowie ein passender Ort (je nach Date einer, wo einen niemand oder jeder sieht), und dann – Date: Blödes unbehagliches Aneinandervorbeireden über Dinge, die keine Sau interessieren. Während man sich gegenseitig anstarrt und innerlich Haken setzt auf der beziehungsrelevanten Checkliste: Aus dem interessanten Mann mit breiten Schultern zum Anlehnen wird flugs ein Milchbubi mit Vaterkomplex und Angst vor Vögeln, aus der aufregenden Single-Frau ebenso rasch eine labile Ziege ohne Perspektive, dafür mit Essstörung.
So nützt man die Zeit dann halt damit, Mails am Handy zu beantworten und zu hoffen, dass der andre bald heim muss ...
Wenn man erst lang und breit ein Date ausmachen und durchstehen muss, besteht sowieso keine Chance auf Liebe, basta. Weil die kommt unangemeldet und ohne sich Gedanken zu machen – mitten in der Nacht, trotz Sturmwarnung, mit einem Grinser im Gesicht. Und dann ist es wurscht, ob man grad den Cargofetzen mit Loch am rechten Knie anhat und ungeschminkt ist. Weil’s perfekt ist. Liebe: Kann so einfach sein. Muss so einfach sein.