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Was für ein Leben mit der Glanzstoff

Text Rosa Ausgabe 11/2004

Über die Folgen des Schwefelwasserstoffs für die Gesundheit gibt es unterschiedliche Meinungen. 

Studenten, Mieter, Kaufleute und Berufstätige, die rund um die Glanzstoff ihre Tage verbringen, sind in einem Punkt vollends d'accord: Die Geruchsbelästigung ist oft unerträglich hoch. Peter, Fachhochschul-Student der Herzogenburger Straße 68, hatte gleich zu Beginn  des Semesters seine eigenen Erfahrungen gemacht. "Wenn es einmal stinkt, dann ordentlich. An diesen Tagen kann man nicht einmal die Fenster öffnen. Als Raucher habe ich es da noch gut. Die Zigaretten verdrängen zumindest für ein paar Minuten den penetranten Gestank". 

Bei dem Spaziergang über die Herzogenburger Straße begegne ich der 25-jährigen Mutter Sandra mit ihrer 2-jährigen Tochter Amelia. "Ich wohne seit der Geburt meiner Tochter hier. Die Mieten sind einfach viel günstiger. Da habe ich den Gestank in Kauf genommen und mit der Zeit riechst es eh nicht mehr so. Nur ab und zu, wenn es wirklich ganz schlimm ist, krieg ich Kopfweh. Und wenn die Kleine Husten hat, dann bin ich übervorsichtig und geh' gleich zum Arzt. Der sagt aber immer, dass ist bei Kindern normal. Aber anfälliger für Husten ist sie schon." 

Für andere wiederum ist der Gestank im Laufe der Jahre zu einer zwar 

unangenehmen aber dennoch im Bereich der Toleranz befindlichen Beeinträchtigung der Lebensqualität geworden. Fritz, ein 72-jähriger Pensionist, erzählt, dass "der Gestank früher noch viel schlimmer und unzumutbar war. Doch keiner wäre je auf den Gedanken gekommen, sich darüber zu beklagen. Waren viele aus diesem ehemaligen Arbeiterviertel doch in der Fabrik beschäftigt. Und glauben Sie mir, im Inneren des Gebäudes riecht es sicher nicht besser." Es wird also wohl weiterhin stinken in St. Pölten. Außer der abermalige Versuch der Glanzstoff geht auf: Der Bau eines 80m Schlots, die Inbetriebnahme einer weiteren Reinigungsstufe und die damit verbundene Eindämmung des Abgas- und Geruchproblems. Aber dies zu hoffen, wäre fast vermessen und vor allem voreilige Freude auf etwas, das sich trotz jahrelanger Versprechen nie änderte. Es stinkt, punktum.