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Vom Harlander Wirtshaus auf die Bühnen der Welt!

Text Thomas Pulle Ausgabe 03/2017

Er war einer der größten Opern-, Operetten- und Musicalsänger, die Österreich je hervorgebracht hat, ein Publikumsliebling und Star: Am 29. Jänner wäre Peter Minich 90 Jahre alt geworden. Das Stadtmuseum St. Pölten gedenkt des gebürtigen Harlanders mit einer großen Sonderausstellung.

Wir schreiben das Jahr 1964. Nach einer Darbietung der „Gräfin Mariza“ in der Wiener Volksoper trifft Meisterregisseur Alfred Hitchcock mit den Sängerinnen und Sängern der Aufführung zusammen. Peter Minich steht dem Charakterkopf Hitchcock gegenüber, offenbar amüsiert man sich und versteht sich gut. Das Bild, ein überraschender Fund im Nachlass des 2013 verstorbenen Peter Minich, zeigt, dass der damals 37-jährige Künstler Minich in der Volksoper etabliert ist, ja einer der Stars, der den ganz Großen seiner Zeit – wie eben Alfred Hitchcock – auf Augenhöhe begegnete.

Out of Harland

Doch alles der Reihe nach, denn begonnen hatte das Leben des späteren Stars in einfachen Verhältnissen, im St. Pöltner Industrievorort Harland. Geboren wurde er als Sohn der Wirtsleute Stephanie und Gustav Minich am 29. Jänner 1927. Er wurde nach dem Vater Gustav getauft, den Künstler(vor)namen Peter legte er sich erst zu Beginn seiner künstlerischen Karriere zu! Sowohl der Gesangsverein „Traisenwelle“, bei dem der Vater aktiv war, als auch der Harlander Sportklub bei dem Gustav sen. das Tor hütete, schickten Glückwunschbriefe zur Geburt des Stammhalters. Die Fußballer sahen im kleinen Gusti übrigens den künftigen Torhüter des Vereins …
Von den ersten Tagen seines Lebens an existieren höchst aufschlussreiche und aussagekräftige Fotografien – so zeugen die Bilder aus seiner Kindheit und Jugend von einem sehr innigen Verhältnis zu seinen Eltern. Eine Nähe, die auch auf späteren Fotos, die Peter Minich mit seinem Vater und seiner Mutter zeigen, noch zu erkennen ist. Auch die Liebe zur Musik ist dem kleinen Peter schon auf all den Bildern anzusehen, die ihn mit seiner Ziehharmonika zeigen.

Im Strudel des Zeitgeschehens
Aber auch zeitgeschichtlich hoch dramatische Ereignisse verbinden sich mit seiner Kindheit. Die Zeitumstände im Österreich der 1930er Jahre sind schwierig. Es waren jene Jahre, als die Demokratie zu Grabe getragen wurde und im Februar 1934 – auch in St. Pölten – verfeindete politische Lager gegeneinander kämpften. Peter Minich erlebte als Kind diese gesellschaftlichen Umstürze hautnah. Der Vater wurde im Zuge der Ereignisse des Februar 1934, des sozialdemokratischen Aufstandes gegen den Austrofaschismus, zunächst in St. Pölten und anschließend in Wöllersdorf interniert. Fotos, Dokumente, Briefe und eine Postkarte, die der siebenjährige Bub seinem Vater ins Lager schrieb, zeugen von der dramatischen Zeit, die den Vater von seiner Familie separierte. Die Liebe zur Musik wurde von Vater Minich übrigens auch unter widrigsten Umständen gepflegt. In einem scherzhaften Geburtstagsgruß seiner ebenfalls internierten Freunde wird er als „Heldentenor des Wöllersdorfer Anhaltelagers“ bezeichnet. Ein mehr als deutliches Zeichen, dass auch im Lager kräftig gesungen wurde!

Vom Wirtshaus auf die Bühne
Für Hans-Dieter Roser, der die Begleitpublikation zur aktuellen Ausstellung im Stadtmuseum schrieb, war das Milieu, in das Peter Minich hineingeboren wurde, von entscheidender Bedeutung für den später eingeschlagenen Lebensweg: „Ein Wirtshaus ist eine Stätte der Kommunikation – und damit im weiteren Sinne mit dem Theater verwandt. Denn auch Theater kann nicht existieren, wenn es zu keiner Kommunikation zwischen Bühne und Publikum kommt. So nimmt es nicht wunder, wenn ein theatralisch und musikalisch begabtes Kind sich bereits in jüngsten Jahren im Wirtshaus vor Publikum zu produzieren begann – nicht zum Unbehagen von Vater Gustav, der ebenso gern gesungen hat, mehr zum Ärger von Mutter Stefanie. Sie wollte, dass ihr einziger Sohn einmal ,etwas Ordentliches‘ werde.“ Diesem Wunsch hat Peter Minich zunächst entsprochen, indem er ein Studium an der HTL Mödling begann – zeitlebens war er technisch sehr interessiert, zum Beruf machte er aber doch die Kunst!
Er begann ein Schauspielstudium am Wiener Horak-Konservatorium, gleichzeitig mit ihm studierten später bekannte Schauspielgrößen wie Nadja Tiller und Edd Stavjanik. Mit Beginn des Studiums im Jahr 1946 begann er ein Tagebuch zu führen, das sich bis heute erhalten hat und das höchst interessante Einblicke in die frühen Jahre der Karriere Peter Minichs erlaubt. Nach ersten Theater-Erfahrungen in Studenten-Aufführungen, als Eleve am Burgtheater und in einer ersten (Sprech-)Rolle an der Volksoper wurde er ab 1951 vom damaligen Intendanten Hans Knappl an das St. Pöltner Stadttheater engagiert. Die Theaterjahre in seiner Heimatstadt sollten entscheidende auf seinem künstlerischen Lebensweg werden. Knappl animierte den jungen Minich seine Stimme weiter ausbilden zu lassen und besetzte ihn daraufhin immer mehr in Operettenrollen. Er erlebte dort das „totale Theater“, wie er 1987 in einem Interview sagte: „Aber ich habe ja, als ich in St. Pölten den Posa spielte, auch den Goethe in ‚Friederike‘ und den Schubert im ‚Dreimäderlhaus‘ gesungen. Und war dabei sehr glücklich, denn das war für mich das totale Theater. Man hat sechzehn Stunden dort verbracht und im und für das Theater gelebt. Das war eine Einheit für mich und eigentlich, nachträglich betrachtet, meine schönste Zeit.“

Bilderbuchkarriere - der international gefeierte Star

Schöne Zeiten hatte Minich allerdings nach seinem Abgang aus St. Pölten 1953 noch viele vor sich – zunächst ging er nach St. Gallen, wo er zwei Jahre blieb, von 1955 bis 1960 schlug er in Graz seine Zelte auf, dort lernte er auch seine erste Frau Lore Bauer kennen, mit ihr gemeinsam feierte er am Grazer Opernhaus viele Erfolge.
Untrennbar verbunden ist sein Name mit der Wiener Volksoper – dort wurde er zum großen Star, in fünf Jahrzehnten bestritt er nicht weniger als 2.715 Abende auf der Bühne am Währinger Gürtel. Gastspiele seiner Bühne führten ihn u.a. nach Japan, Russland und Amerika. Hunderte Male konnte man ihn in seinen Paraderollen an der Volksoper bewundern – dem Eisenstein in der „Fledermaus“, dem Higgins in „My fair Lady“, dem Petrucchio in „Kiss me Kate“ oder dem Danilo in „Die lustige Witwe“. Die Großen seiner Zunft standen mit ihm gemeinsam auf der Bühne – Fred Liewehr, Karl Dönch, Fritz Muliar und Gerhard Klingenberg spielten ebenso mit ihm wie Renate Holm, Dagmar Koller, Helga Papouschek und natürlich seine zweite Frau Guggi Löwinger, die oftmals zu seinen Gesangspartnerinnen zählten.
Die Popularität Peter Minichs erkannte auch das Fernsehen schon früh – er spielte in den ersten Fernsehoperetten der 60er Jahre und war gern gesehener Stammgast vieler Musikshows der 70er oder 80er Jahre. Egal ob Anneliese Rothenberger oder Heinz Conrads, Peter Frankenfels oder Heinz Schenk einluden – Peter Minich verkörperte unvergleichlichen Charme und zeitlose Eleganz, sowie großes musikalisches Können!
Nicht nur seine Fans verehrten ihn abgöttisch – auch die Großen seiner Zunft haben ihn geliebt. Marcel Prawy war zeitlebens nicht nur ein großer Bewunderer der Minich´schen Kunst, sondern auch ein persönlicher Freund. Der Jahrhundert-Komponist Robert Stolz nannte ihn liebevoll „Mein Caruso“ und auch zu Stolz´ Witwe Einzi hatte Minich ein sehr inniges Verhältnis. Mit sehr persönlichen Worten widmete sie Minich 1980 ein Heft mit Liedern ihres Mannes: „Dem prachtvollen Sänger und genialen Interpreten der Robert-Stolz-Lieder Kammersänger Peter Minich in tiefster Bewunderung und ewiger Dankbarkeit.“
Im Jahr 2013 verstarb der Künstler in Wien, bis zuletzt hatte er ein Domizil in Perschenegg besessen, wo seine Eltern eine Jausenstation betrieben hatten, nachdem sie aus Harland weggegangen waren. Er war seiner alten Heimat bis zum Schluss treu geblieben und war auch immer wieder gerne in St. Pölten zu Gast gewesen. Seine Heimatstadt hatte ihm schon 1976 den höchsten Preis verliehen, den sie für Künstler zu vergeben hat, den Jakob-Prandtauer-Preis.


AUSSTELLUNG
Peter Minich – Ein Leben für die Kunst
Stadtmuseum St. Pölten, Prandtauerstraße 2
Ausstellungsdauer: bis 14. Mai 2017
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag 10.00 – 17.00 Uhr. Führungen auch außerhalb der Öffnungszeiten.
Tel. 02742/333-2643
www.stadtmuseum-stpoelten.at
Zur Ausstellung erschien eine Publikation von Hans Dieter Roser mit Beiträgen von Gerhard Klingenberg und Felix Brachetka.