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Unabhängige Republik St. Pölten!

Text Thomas Fröhlich Ausgabe 11/2017

Keine Sorge, das war jetzt nur ein kleiner Scherz am Anfang. Aber Menschen, die gelegentlich diese Kolumne lesen, wissen um meine regelmäßigen Kulturtrips in die katalanische Stadt Sitges südlich von Barcelona. Und um meine Zuneigung zu Katalonien und seinen sympathisch eigenwilligen Einwohnern. Also Vorsicht – was jetzt kommt, trieft vor Subjektivität! Wohlan: Wenn Menschen jahrelang friedlich auf ihr – auch historisch begründbares – „Selbstbestimmungsrecht der Völker“ pochen, dann, nachdem ihnen ihre vor einiger Zeit zugestandene Autonomie massiv beschnitten wurde, zu den Urnen schreiten, um ihren Grant nachhaltig kund zu tun, dort im Auftrag der Regierung niedergeprügelt und die „Aufwiegler“ verhaftet werden, Juncker & Co. das alles mit zustimmendem Schweigen quittieren, wohingegen Letztere ansonsten jeden Polit-Furz, der etwa in Ungarn entweicht, wortreich anprangern … ja, dann ist irgendwann der Punkt erreicht, an dem der Gelassenste „an Gachn“ kriegt. Und wenn dann besagte EU-Spitze rumtönt, sich in diese „interne“ Sache nicht einmischen zu wollen, gleichzeitig aber die spanische Zentralregierung unterstützt, aus Angst, es könnte irgendwann zu viele (unkontrollierbare?) Kleinstaaten in Europa geben, dann fühlen sich auch viele derer, die zuvor keine Separationsbestrebungen hegten, gewaltig im Regen stehen gelassen. Und beginnen, ihre eigenen Schirme aufzuspannen. Wie das allerdings mit den in Brüssel propagierten „europäischen Werten“ zusammengeht, erschließt sich mir nicht. Wahrscheinlich war ich zu oft in Katalonien.