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Steuermann mit Weitblick

Text Johannes Reichl Ausgabe 09/2016

Gernot Kohl ist Baujahr 1970 und wurde in Waidhofen/Ybbs geboren, verbrachte aber seine Volksschulzeit in Eisenerz, wohin die Familie zog „weil der Papa dort Förster war.“

Mit 14 Jahren verschlug es ihn zurück in die alte Heimat, besuchte er doch die HTL für Maschinenbau in Waid­hofen und lebte fortan überwiegend „im Kolpingheim, weil die Fahrtstrecke in eine Richtung nach Eisenerz über zweieinhalb Stunden bedurfte.“ Sehr von Heimweh geplagt wurde der Junior aber nicht wirklich, wenn man es richtig heraushört. „Im Nachhinein würde ich es wieder genauso machen. Mir hat das Internatsleben getaugt, wir hatten eine tolle Klassengemeinschaft.“ Zudem war Kohl ein sehr guter Schüler, was die Schulzeit auch aus dieser Sicht stressfrei gestaltete. „Ich hatte immer lauter Einser.“ Außerdem jobbte er bereits während der Schulzeit, u.a. als Portier im Kolpingheim.
Nach der Matura stand Kohl vor der Frage, welchem seiner Interessen er den Vorzug geben sollte: der Technik oder der Wirtschaft. Er entschied sich quasi für beides und inskribierte sowohl an der TU Wien Maschinenbau als auch an der Wirtschaftsuni Betriebswirtschaftslehre. „Aber nach ein paar Monaten wurde mir klar, dass beides gleichzeitig nicht geht.“ Da ihn der Massenbetrieb an der WU eher abschreckte, verlegte sich Kohl ganz aufs WU-Studium „auch weil es im zwei Abschnitt die Option gab, sich in Wirtschaftsingenieurswesen zu vertiefen.“
Schon unmittelbar nach Absolvierung des ersten Studienabschnittes lud ihn ein Uni-Assistent ein, seine Diplomarbeit zu beginnen. Konkret ging es um eine Kooperation zwischen TU und einem Unternehmen in Sachen Qualitätssicherungssystem – „hierfür war ich vier Monate direkt im Unternehmen tätig, das war mein konkreter Einstieg ins Arbeitsleben“.“Aus dem er auch nicht mehr herauskommen sollte –  fortan gehörte das Arbeiten fix zum Alltag. Ein besonderes Erlebnis war diesbezüglich ein viermonatiger Trip mit Studienkollegen in die USA „im Zuge dessen wir Reisen für amerikanische Studenten nach Europa verkauften – wir wurden pro Abschluss bezahlt.“ Die Jungs grasten das Land von Chicago abwärts ab, Uni für Uni, affichierten Plakate. „Wir sind rund 40.000 Kilometer gefahren und haben viel gesehen – das war eine spannende Phase!“, schwelgt Kohl.  
Spannend bleibt es aber auch nach seiner Rückkehr. Kohl heuert halbtags bei Landis & Gyr an, nebenbei schließt er sein Studium ab. Ebenfalls parallel dazu begann er seine Vortragstätigkeit, etwa am WIFI zur ISO 9.000. Und auch der Zivildienst, den er in einem Spital ableistet, ging sich irgendwie aus, „ich musste dafür die anderen Sachen nicht aufgeben!“
1998 gründete Kohl mit zwei Partnern eine eigene Unternehmensberatungsfirma. „Das war eine extrem intensive Zeit. Ich hab sicher 3.500, 3.600 Stunden im Jahr gearbeitet, weil wir immer irgendwo anders hin mussten – einmal nach Deutschland, dann wieder nach Russland, Serbien etc.“ Obwohl es prächtig läuft „und ich gewaltig verdient habe“, zieht Kohl – mittlerweile verheiratet – die Reißleine. „Ich war bis 2001 dabei – die Firma selbst gibt es noch immer. Aber es ist unser erstes Kind gekommen, und mir wurde klar, dass ich dieses Leben auf Dauer nicht weiterführen möchte.“ In Sachen Familylife wohl der richtige Schritt „denn beide ehemaligen Kollegen sind mittlerweile geschieden“, lacht Kohl.
In Folge intensiviert er seine Vortragstätigkeit mit Hauptfokus Qualitätsmanagement, lehrt an der Donau Uni Krems, am WIFI, an der TU Wien und stolpert 2001 auch über ein Inserat der FH St. Pölten „wo nebenberuflich eine Stelle als Lehrbeauftragter ausgeschrieben war.“ Beim Vorstellungsgespräch sitzt Kohl einem gewissen Matthias Stadler, damals FH-Prokurist, gegenüber, der ihn am liebsten gleich Fulltime engagieren möchte. Und auch wenn Kohl zunächst nur mit 20 Stunden als Lehrbeauftragter im Studiengang Medienmanagement beginnt, wird die Verpflichtung schleichend mehr. Als die FH ein Qualitätssicherungssystem implementieren möchte, ist selbstredend Kohl der prädestinierte Mann als Referatsleiter dafür, und als der Studiengangsleiter der Medienmanager abhandenkommt, übernimmt Kohl interimistisch auch dessen Job „womit ich voll drinnen war.“ Spätestens mit Übernahme der Geschäftsführung 2004 ist es dann sowieso endgültig um Kohl in Sachen FH geschehen. Seither führt er den Bildungs-Tanker durch die nicht immer leichten Hochschulgewässer, verblüfft dabei aber mit souveräner und erfolgreicher Steuerung.
Privat hat der zuvor lange in Wien wohnende Kohl im Übrigen auch mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen seit 2006 in St. Pölten angelegt „und darüber bin ich sehr froh, weil einfach das Umfeld hier passt und die Stadt für eine Familie absolut lebenswert ist.“