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St. Pöltens gute Seite

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Stadtbarrieren

Text Dominik Leitner Ausgabe 06/2018

Laut einer aktuellen Studie des ÖZIV, dem Bundesverband für Menschen mit Behinderungen, ist St. Pölten eine Stadt voller Barrieren. Von 184 untersuchten Geschäftslokalen gelten nur 57,6% als stufenlos. Somit sind über 40 Prozent für Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung oder  einem Rollstuhl vom Besuch dieser Örtlichkeiten ausgeschlossen.
Und das, obwohl seit dem Jahr 2016 alle öffentlich zugänglichen Geschäftslokale barrierefrei sein müssen. Und es ist nicht so, dass diese Bestimmung für die Unternehmer überraschend gekommen ist – ihr ging eine zehnjährige Übergangsfrist voraus. Die Innenstadt von St. Pölten bleibt also voller Barrieren – und Einkaufszentren profitieren.
Denn Einkaufszentren haben es so an sich, dass sie weitläufige, ebenerdige Eingänge haben, mit Lift ausgestattet sind und Stufen nur optional und nicht ausschließlich vorhanden sind. Will man also die Innenstadt auch für Menschen mit Behinderungen erreichbarer machen, sollte man tunlichst die Barrieren nach und nach abbauen.
Aber offenbar haben sich viele an dem großen Landesfürsten a. D. orientiert: War es doch Erwin Pröll, der in einer ORF Pressestunde im März 2015 sein berühmtes „Wo sind wir denn!“ in die Runde sagte, und dabei den vermeintlichen Irrsinn einer vorgeschriebenen Barrierefreiheit in Gasthäusern meinte. Doch Pröll ist nicht mehr im Amt – und vielleicht könnten die Geschäftsleute und Wirte nun dem Gesetz folgen und die wachsende, sich stetig entwickelnde Stadt auch für jene gestalten, die man bisher ausgeschlossen hat.