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St. Pöltens gute Seite

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Rituale

Text Tina Reichl Ausgabe 09/2016

Ich beginne jeden Schultag mit einem kleinen Gedicht, das ich mit meinen Schulkindern gemeinsam aufsage: „Ich wünsch dir einen schönen Tag, und dass dich heute jeder mag …“ Ich liebe Rituale, vor allem im Urlaub. Ohne meinen Mann würde ich immer wieder an den gleichen Ort reisen, ins gleiche Hotel, in die gleiche Bar gehen. In Verona vor der Oper immer in diese mittelmäßige Pizzeria; in Venedig immer einmal den Canal Grande mit dem Vaporetto entlangfahren. Das hab ich schon als Kind mit meinen Eltern immer gemacht. Und wenn ich traurig war oder einfach nur gelangweilt, hab ich mir immer „Ghostbusters“ angesehen. Das klingt jetzt alles irrsinnig langweilig, aber es gibt einem eben diese gewisse Sicherheit! Man weiß, was man bekommt, wo man parkt, was man sieht. Nein, das klingt nicht nur, das IST irrsinnig langweilig! Und darüber schreib ich auch noch eine Kolumne? Das ist ja furchtbar! Jetzt reichts! Ich breche aus diesem Ritualwahnsinn aus! Nächstes Jahr geht’s auf einen Abenteuerurlaub an Orte, an die ich noch nie reisen wollte. Ab sofort lasse ich mich nicht mehr von Gewohnheiten fesseln. (hier bitte im Geist „Thunderstruck“ von AC/DC einfaden und lauter drehen!) Die Zeit des „Chipsy-sagens“, nur weil jemand zufällig gleichzeitig das gleiche Wort gesagt hat, ist vorbei! Ich erfinde mich neu! I foa mim Radl noch Rio! Ich tanze im Regen ohne mir vorher einen Regenponcho anzuziehen! Jawoll! Ich fahre nach Salzburg und gehe provokant NICHT ins Müllnerbräu! Ich ordere statt des Aperol Sprizz einfach mal einen Gin! Einfach so, weil Gin schön klingt! (jetzt volle Lautstärke).
„Schatz? Schreibst du noch an deiner Kolumne? Komm jetzt zu uns, Max möchte sich wieder Ghostbusters anschauen! Wir warten nur noch auf dich!“ (Stopptaste)
Ich komme!