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Ramponiert mit Happy End durchs erste Lehrjahr

Text Thomas Schöpf Ausgabe 06/2017

Mit Ruhm bekleckert hat sich der SKN St. Pölten in seinem ersten Bundesliga-Jahr nicht, wäre als erster Aufsteiger seit Vorwärts Steyr 2000 fast abgestiegen. Aber eben nur fast. Und nächstes Jahr wird alles leichter.

Ich bin froh, dass ich die ‚Mission Impossible’ wieder hingekriegt habe“, strahlte SKN-Trainer Jochen Fallmann nach der 1:2-Niederlage bei Rapid am letzten Spieltag. Und bedankte sich danach gleich artig beim SV Mattersburg, der zeitgleich in Ried 3:2 gewann und die Innviertler in die Erste Liga stürzte. Der ehemalige SKN-Trainer Gerald Baumgartner hatte die Burgenländer, für die es sportlich um nichts mehr ging, perfekt eingestellt. Im Frühjahr fuhr der Trainer, den SKN-Obmann Gottfried Tröstl 2014 in Eigenregie an die Austria verkaufte, hinter Salzburg und vor Austria die zweitmeisten Punkte in der Bundesliga ein (29). Fallmann (19) ließ in der Wertung zumindest Ried (15) und Altach (11) unter Martin Scherb hinter sich. Rapid zog im direkten Duell noch am SKN vorbei.

Mission impossible
Leicht hatte es Fallmann nicht. Die Art und Weise und vor allem Dauer bis zu seiner Nominierung war schon etwas peinlich. Als Interimstrainer hatte er mit Co-Trainer Thomas Nentwich die ramponierten Wölfe nach zwölf Runden mit nur sieben Punkten übernommen („ein schwerer Rucksack“), bis zur Winterpause in acht Runden elf Punkte geholt, dazu Sturm Graz im ÖFB-Cup eliminiert und musste bis einen Tag vor Weihnachten auf seine Fix-Bestellung warten. Wenig später schrieb der SKN auch noch weltweit (Sport-)Schlagzeilen mit der Rauferei um einen Elfmeter zwischen Daniel Lucas Segovia und Alhassane Keita bei einem Testspiel gegen Mannsdorf. Ein derart großes mediales Echo hatte die österreichische Bundesliga seit dem Zusammenbruch des betrunkenen Austria-Maskottchens „Super Leo“ nicht mehr.

Von Fallbeilen und anderen Absurditäten
Überhaupt ließ der SKN in seinem ersten Lehrjahr in der Bundesliga kaum ein Fettnäpfchen aus. Trainer Karl Daxbacher, der mit einer verschworenen Einheit in der Ersten Liga mit Punkterekord Meister wurde, musste mit Daniel Beichler und Tomasz Wisio zwei Spieler am Profi-Training teilnehmen lassen, die er nicht einsetzen durfte. Rausgeworfen wurde Daxbacher, weil Sportdirektor Frenkie Schinkels glaubte, dass jener die Mannschaft nicht mehr erreiche und der extra aus Deutschland eingeflogene Sportpsychologe Dr. Andreas Marlovits das sprichwörtliche Fallbeil dann auch bediente. Drei Wochen später folgte Daxbacher der schriftlichen Einladung des Vereins, am Fan-Stammtisch teilzunehmen und plauderte auf Nachfrage aus: „Ich musste gehen, weil damit der Kopf eines anderen Funktionärs gerettet wurde.“

Verkorkste Transferpolitik
Schinkels hat nach dem Aufstieg einen Transfer nach dem anderen versemmelt, insbesondere bei „seinen“ Niederländern. Abwehrspieler Kai Heerings und Mittelfeldspieler Jeroen Lumu bekamen Dreijahresverträge und durften schon im Winter gehen. Heerings schaffte im Frühjahr mit dem FC Homburg 08 gerade noch den Klassenerhalt in der Regionalliga Süd in Deutschland. Lumu blieb mit Samsunspor in der zweiten türkischen Liga, steuerte selbst keinen einzigen Treffer dazu bei. In den Niederlanden genießt Lumu seit Jahren zweifelhaften Ruhm, da er als 19-jähriger Nachwuchs-Teamspieler auf Instagram postete, wie er seinen Audi mit 250km/h über die Autobahn jagte. Schinkels wiederum schafft es dank „Heute“ in die niederländischen Schlagzeilen. „Ich selbst habe gedopt. Ein Mal. In meiner Zeit bei Alkmaar gab mir ein Mitspieler vor dem Spiel gegen PSV ein rotes Kügelchen. Ich schluckte es, war körperlich stark wie nie, lief und lief und lief. Aber der Ball ging nicht dorthin, wo ich hinwollte“, schrieb der SKN-Sportdirektor in seiner Kolumne im Juli 2016 über ein Spiel im November 1983. Von seinen drei „Landsleuten“ ist Kevin Luckassen nach wie vor an Bord. Er hatte die beste Saison seines Lebens, traf für den SKN vier Mal. Zuvor hatte er es in fünf Jahren für Slovan Liberec (SLK), Ross County (SCO) und Alkmaar auf insgesamt vier Tore gebracht. Für Schinkels stand er knapp vor dem Durchbruch. Im Winter revidierte er seine Meinung wohl etwas und holte mit Lonsana Doumbouya vom schottischen Tabellenletzten Inverness CT einen Stoßstürmer. Doumbouyas Trefferausbeute: Drei Tore – alle aus Elfmetern. Ohne Keilerei. Dazu lieh Schinkels noch Maximilian Entrup von Rapid, der nie fit wurde. Die hinausgeworfenen Segovia und Keita setzten sich übrigens bei Neftci Baku (ASE) und CS Maritimo (POR) durch. Keita schoss die „Grün-Roten“ mit vier Treffern gegen teils direkte Konkurrenten sogar in die Europa League. Ohne Elfmeter.

Neue Saison, neues Glück
Daxbacher und Fallmann setzten 31 Spieler ein. 38 Akteure standen insgesamt im Profi-Kader des Beinahe-Absteigers. Beim Tabellenachten WAC waren es fünf weniger, beim Siebenten Mattersburg acht weniger. Im Meisterjahr – bevor bei Schinkels die Transferwut so richtig ausbrach – brauchte Daxbacher 26 Spieler.
Immerhin schaffte es der SKN im zweiten Anlauf Dressen in den richtigen Heimfarben (blau-gelb wie das Land NÖ) zu bekommen. Vielleicht wird ja das zweite Jahr in der Bundesliga besser. 2017/2018 spielt nur der Letzte Relegation gegen den Dritten oder Vierten der Ersten Liga (je nachdem wo Red Bull Salzburgs „U-Boot“ Liefering landet, das nicht aufsteigen darf). 2018/2019 startet die Zwölferliga. Bei der Verkündung selbiger war der SKN dafür einmal Erster. Tröstl twitterte es schon eine halbe Stunde vor Ablauf der Nachrichtensperre. Einer wird nicht mehr mit an Bord sein beim SKN: Frenkie Schinkels muss Markus Schupp weichen.