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Parkraumbewirtschaftung

Text Michael Müllner Ausgabe 02/2018

Die Zukunft des Sonnenparks im St. Pöltner Süden scheint gesichert. Nachdem das Rathaus schon im Sommer 2016 mitteilte, dass der Park erhalten bleiben soll, wurden nun Pachtverträge ausgearbeitet. Doch der Teufel steckt bekanntlich im Detail.

Jahrelang wurde betont, dass die Lage am Sonnenpark ganz verzwickt ist. Das Grundstück gehört der Stadt, ist großteils als Reservefläche für Wohnbau gewidmet. Doch mit liebevoller Pflege und viel Arbeit wurde es seit dem Jahrtausendwechsel aus dem Dornröschenschlaf wachgeküsst. Plötzlich war das vergessene Areal ein Aushängeschild der alternativen Kunst- und Kulturszene, der nachhaltig-ökologischen Vordenkerschaft, eine Spielwiese für Partizipation. Rund um die Gemeinderatswahl 2016 entstand eine immer breitere Bewegung, die ihr Ziel im Namen trug: „Sonnenpark bleibt“. Sie sollte recht behalten.
Seit der Ankündigung, dass der Park erhalten bleibt, sind eineinhalb Jahre ins Land gezogen. Die Verträge zwischen der Stadt und den Vereinen befänden sich gerade in Ausarbeitung, hieß es immer wieder. Der Teufel stecke im Detail. Wer ist denn in Zukunft schuld, wenn ein Baum umfällt und jemanden erschlägt? Die Stadt als Grundstückseigentümerin? Ein Verein als Nutzungsberechtigter – oder als Pächter? Wer kümmert sich um die Einhaltung von Auflagen? Und wie wird sichergestellt, dass der Park der Öffentlichkeit zugänglich bleibt, zugleich aber weiterhin den nötigen Freiraum für die Protagonisten bietet?

Wo ein Wille, da ein Weg.
Und so verkündete das Rathaus im Dezember 2017, dass nun Pachtverträge mit den Vereinen „Sonnenpark“ und „LAMES“ abgeschlossen werden „um für Rechtssicherheit und damit eine klare Abgrenzung von Rechten und Pflichten sowohl der Vereine als auch der Stadt als Grundeigentümerin zu sorgen“. Wie diese Verträge nun konkret aussehen – und wie die bisher immer wieder beschworenen Probleme nunmehr gelöst wurden – bleibt aber Verschlusssache. Es sei nicht üblich, dass Verträge offengelegt werden, heißt es aus dem Rathaus. Die zugehörigen Beschlüsse wurden praktischerweise auch im geheimen Stadtsenat beschlossen, nicht im öffentlichen Gemeinderat. Auch die Vereine Sonnenpark und LAMES wollen die Verträge nicht veröffentlichen – eine verkürzte Berichterstattung über Vertragsinhalte könnte womöglich Sand ins Getriebe der zukünftigen Zusammenarbeit bringen.
Der Kulturverein LAMES jedenfalls pachtet die Häuser und die unmittelbar angrenzende Wiese. Den Rest des vier Hektar großen Areals mit der weitläufigen Parklandschaft pachtet der Verein Sonnenpark, dessen Obmann Markus Weidmann-Krieger berichtet: „Ein Pachtvertrag ist ein komplexes Thema, beide Seiten gehen Verpflichtungen ein, haben aber auch Rechte. Wir zahlen Pachtzins und übernehmen Verantwortung für Verkehrssicherheit der Wege oder im Hinblick auf Bäume. Darauf haben wir schon bisher geachtet, da ist viel Know-how vorhanden und die Ausgangslage nicht wirklich neu. Als Pächter können wir nun aber auch externe Gutachter beauftragen, uns gegen Restrisiko versichern.“ Zudem hofft man auf Unterstützung der Stadt und anderer Stellen. Vieles sei besprochen und in Aussicht, nicht alles könne man aber mit Verträgen regeln, es brauche Vertrauen und Kooperation. 

Bürgern vertrauen

Viel Arbeit lag darin „Überzeugungsarbeit zu leisten, dass Vereine sowas überhaupt können. Dass man Bürgerinnen und Bürgern vertraut, dass sie das anders als üblich aber gut lösen.“ Der Zehnjahresvertrag ermöglicht langfristiges Planen und Zugang zu Fördertöpfen, auch EU-Projekte will man auf den Sonnenpark aufmerksam machen und so die nötigen Subventionen für den Fortbestand und die Weiterentwicklung des Areals lukrieren.
Wie bei jedem Verein ist Partizipation auch am Spratzerner Kirchenweg ein großes Thema. „Ein Fest läuft einen Tag, das finden alle super und machen mit. Aber laufende Partizipation ist schon schwieriger. Wir arbeiten daran diesen Auftrag das ganze Jahr zu erfüllen, wollen Erholungsraum bieten, mit Schulen gemeinsam arbeiten, ein Wegweiser in Richtung Nachhaltigkeit sein“, so Weidmann-Krieger. Dass die Verträge nicht regeln, dass die Vereine das Areal öffentlich zugänglich machen müssen, ist für den Sonnenpark-Obmann kein Problem. „Unsere Statuten legen die niederschwellige Ausrichtung unserer Vereinsarbeit fest. Der Sonnenpark wird wie bisher für jeden offen stehen.“
Viele Konzepte liegen in der Schublade bereit und warten nun auf Umsetzung. Gerade im Bildungs- und Forschungsbereich kann man nun in Fünf- und Zehnjahresabständen weiterdenken. Was nach den zehn Jahren ist? „Dann waren wir hoffentlich schon erfolgreich Kulturhauptstadt und setzen die bewährte Zusammenarbeit fort!“ Im „worst case“ hat sich die Stadt den ursprünglichen Plan A jedenfalls nicht verbaut. Die bestehende Widmung als Wohnbauland ist weiterhin aufrecht und sollte die Stadt das Areal in Zukunft veräußern, kommt die Genossenschaft zum Zug.


Was ist der Sonnenpark?

Der Sonnenpark am Spratzerner Kirchenweg blickt auf eine abwechslungsreiche Vergangenheit zurück. Vor dem Ersten Weltkrieg war eine Werkzeugfabrik angesiedelt. Ab den 1930er-Jahren wurde das Areal als Privat- und Betriebsgelände genutzt – als Parkanlage, zur Pferdezucht und als Gutshof, dank der Wasserkraft des Mühlbaches auch als Hammerwerk und Sensenschmiede. In den 80er-Jahren wurde es ruhig, das Areal befand sich als Reservefläche im städtischen Eigentum, diente während der Balkankriege als Unterkunft für bosnische Flüchtlinge.
Im Jahr 1999 stellte die Stadt die Fläche dem Kulturverein LAMES (La Musique Et Sun) zur Verfügung, es blieb bei einem losen, jederzeit widerrufbaren Nutzungsrecht. Jedoch wuchs auf dem „vergessenen“ Areal eine bunte Szene, die über die Stadtgrenzen hinaus beachtet wird. Der Ort selbst wurde zum maßgeblichen Faktor – von der schlichten Bühne des „SKW83“ hin zum markanten Aushängeschild als urbaner Naturraum. Ein drei Kilometer langes Wegenetz entsteht, die naturnahe Bewirtschaftung der Grünfläche führt zum Entstehen eines zweiten Vereines, der sich für den Erhalt des Sonnenpark genannten Areals einsetzt.
Eigentlich sieht ein Gemeinderatsbeschluss vor, das Areal an eine Baugenossenschaft zu verkaufen, diese will dort Wohnungen errichten. Nach jahrelangen Diskussionen und einer zunehmend breiten Bewegung zum Erhalt des Areals („Sonnenpark bleibt“) bekennt sich St. Pöltens Bürgermeister Matthias Stadler (SPÖ) nach der Gemeinderatswahl im Juni 2016 zum Erhalt. Zwischen der Stadt als Grundeigentümerin und den beiden dort aktiven Vereinen soll eine Vertragsbeziehung offene Fragen klären und Rechtssicherheit schaffen, wie der Stadtsenat im Dezember 2017 auch formal beschließt.
Im Laufe der Jahre heimsten die Vereine laufend Auszeichnungen und Preise ein – nicht nur für künstlerische Programmierung, auch für nachhaltige Erschließung der ökologischen Aspekte des Areals. Mit dem bereits achten Sonnenparkfest am 9. Juni 2018 wollen die Organisatoren heuer ein Fest für tausend Besucher planen – und dabei auch feiern, dass es erstmals eine langfristige Perspektive für zahlreiche Projekte am Areal gibt.