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St. Pöltens gute Seite

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Nostalgie

Text Roul Starka Ausgabe 09/2018

Es kann natürlich sein, dass die heutige Themenwahl eine Alterserscheinung ist – ein Anliegen ist sie allemal. Passend schreib ich zunächst mit der Hand.
Gestern im St. Pöltner Bad: Meine Frau und ich wollen beim neuen Imbiss einen Kaffee trinken, alle Tische sind besetzt. Wir gehen zu einem Tisch, an dem zwei tüchtige, junge Männer sitzen, und fragen: „Grüß Gott, da ist alles besetzt, dürften wir uns bitte zu euch dazusetzen?“
Der Erste, sein Eis weiter laut schlürfend: „Hä?“ Der Zweite schleckt sein Eis noch lauter und glotzt auf sein Handy. Neuer Anlauf: „Ja, also, wenn es euch nichts ausmacht, würden wir uns gern dazusetzen, an eurem Tisch sind noch zwei Stühle frei!“ Der Zweite, kräftig und handytippend: „Wos? Ah so, najo, jo.“ Mit Blickkontakt schaut‘s schlecht aus, wir lächeln, bedanken uns höflich – und denken das Gleiche.
Die Buben, Männer um die 25 wohlgemerkt, schlecken weiter ihr Eis, das meiste bleibt in ihren Mundwinkeln picken, weil es ja keine Mama abwischt. Sie kratzen sich grunzend im Schritt – und verlassen den Tisch grußlos.
Das gute Kraut in den Wurstsemmeln im damaligen Kaltbad, Menschen, die beim Betreten und Verlassen eines Raumes laut und höflich grüßen, Blickkontakt, wenn dich wer anspricht, der Humor selbst … Vergangenheit. Vom ‚Plastik‘ in unserem Benehmen und in unserer Sprache bis zum Plastik in unseren Weltmeeren ist es nur ein kleiner Schritt.
Was bleibt, sind grottenschlechte Witze mit grammatikalischem Würgereflex, rosa eingefärbt auf Facebook.