MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

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METOO

Text Tina Reichl Ausgabe 11/2017

Nach einer Orchesterprobe mit dem Cellokoffer am Rücken, komme ich bei einer Stehtischrunde von leicht illuminierten Männern vorbei. „Oiso mia is liawa, won de Madln a Blosinstrument spün!“ Allgemeines Gelächter!
Als Blondine mit Brüsten zur Welt gekommen bin ich mit Nachpfeifen, Blicken ins Dekolleté, Busenstreifern, Popoklatschern und derben Sprüchen groß geworden. Das gehört für mich schon fast zum normalen Umgangston zwischen Mann und Frau und ... es gefällt mir!
Was für die einen aber lustiges Geplänkel ist, man insgeheim kichern muss oder kurz einmal rot anläuft, sind für die anderen Grenzüberschreitungen, die einen Kloß im Hals hervorrufen. Immer mehr Fälle werden bekannt, immer mehr Menschen haben den Mut etwas zu erzählen. Und dabei geht es nicht nur um Verbal-Erotiker und Grabscher, sondern um massive Übergriffe.
Mut brauchen in Zukunft allerdings auch die Männer, die weiterhin Frauen im beruflichen Umfeld sexuell belästigen oder eine Machtstellung ausnutzen möchten. Nach „metoo“ wird das nämlich nicht mehr so einfach funktionieren! Junge Mitarbeiterinnen werden nicht mehr lächelnd als „überempfindlich“ oder „Spaßbremse“ eingestuft, sondern ernst genommen werden. Auf dass die Krake-Typen aus den Büroräumen verschwinden, es nur mehr Gentlemen gibt, die einem zuvorkommend die Türe aufhalten, ein Kompliment über den gelungenen Deal machen und sich erkundigen, ob man den Kaffee mit oder ohne Zucker möchte!
P.S.: Bitte aber mir weiterhin schmachtende Blicke ins Dekolleté werfen und auf den Po klatschen!