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St. Pöltens gute Seite

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Text Thomas Fröhlich Ausgabe 09/2016

Die katalanische Stadt Sitges liegt etwa 60 Kilometer von Barcelona entfernt, hat geringfügig weniger Einwohner als St. Pölten und erfreut sich des Rufes eines Ortes, in dem Jazz-, Klassik- und Filmfestivals einander mit farbenfrohen (Gay) Parades abwechseln. Dazu verfügt es über vier große Museen, zahlreiche namhafte Galerien und eine beeindruckende historische wie zeitgenössische bildende Kunstszene.

Was das mit St. Pölten zu tun hat? Einiges. Vergleicht man beide Städte, drängen sich Parallelen auf: etwa die Nähe zur Großstadt (hier Wien, dort Barcelona), landschaftliche Schönheit im Hinterland (Wachau, Garraf) und ein reges kulturelles Leben. Gut, mit einem Strand kann St. Pölten nicht aufwarten, dafür mit einem traumhaften Seenerlebnis

In Sitges hat man es allerdings geschafft, sich selbstbewusst als Kunst/Lifestyle-Marke zu etablieren: In Cineastenkreisen etwa erntet man neidische Blicke, wenn man von einem geplanten Besuch des Festival Internacional de Cinema de Catalunya, dem größten europäischen Festival des Fantastischen Films, spricht.

Nicht nur im Hinblick auf eine Bewerbung als europäische Kulturhauptstadt wäre etwas Markenbewusstsein auch in St. Pölten angeraten. Die ausgetrommelte Tatsache, dass unsere Stadt „wächst“, trägt allein wohl kaum zu nachhaltiger urbaner Identität bei. Michaela Steiner arbeitet derzeit in Privatinitiative mit einem tollen Team an einem tragfähigen Konzept – und es bleibt zu hoffen, dass sie die politische Unterstützung erfährt, die’s braucht. Zurufe aus dem Umfeld der Landesregierung, die St. Pölten in Bausch und Bogen als „kleinkariert“ und „ohne Committment“ bezeichnen, sind hingegen so notwendig wie ein Kropf.