MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

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Mannsbild

Text Andreas Reitbauer Ausgabe 11/2004

Begegnung mit einem Platzhirschen

Es war an einem schönen und sonnigen Vormittags auf den Stra?en von St. Pölten, genauer gesagt in der Josefstraße, als ich dieses unvergessliche Erlebnis hatte. Noch ahnte ich nichts und fuhr in meinem Wagen stadteinwärts, wohlgemut und mit mir selbst zufrieden. Plötzlich war er hinter mir. Ich kann nicht sagen, aus welch dunkler Seitengasse er gekommen war, doch er war da, ein Mitsubishi Pajero, ein Mitsubishi Pajero mit Promi Kennzeichen, samt dazugehörigem Promi Fahrer. 

Vielleicht gibt es den einen oder anderen geneigten Leser/ in, die mir meine beschämend langsame Fahrweise verzeihen kann, doch angesichts dieses seltenen St. Pöltner Prachtexemplars der Spezies „Mann“ war ich gebannt und zugleich zutiefst beglückt ob dieser Begegnung. Durch meinen Rückspiegel konnte ich beobachten, wie dieses Prachtstück an meiner Rückseite nahezu klebte, genauer gesagt an meiner Stoßstange, wild gestikulierend und lichthupend. Wie unverzeihlich von mir, dass ich es nicht über mich brachte, schneller als 50 km/h zu fahren, alle Radfahrer, Fußgänger und sonstiges niederes Gesocks sofort aus dem Weg zu räumen, um ihm, ja ihm, unserem Platzhirschen quasi, den Weg zu bereiten.

Schön langsam begann ich mich schlecht zu fühlen, meine Minderwertigkeitsgefühle regten sich angesichts von ihm, dem Pajero mit dem Promi Kennzeichen samt Fahrer noch immer an meiner Stoßstange festgeklebt.

Wie sich später herausstellte, hatte ich allen Grund dazu. Unser Promi Fahrer hatte 2 Prügel im Pajero, ja liebe LeserInnen zwei Prügel, die beide um ein vielfaches länger sind als meiner.

Einer zur Stütze für den müden Weidmann auf der Pirsch und einer, der allzeit bereit ist, seine Ladung zu verfeuern. Wie sollte ich da konkurrieren, mit zwei allzeit steifen Prügel, bereit, ihren Dienst zu tun.

Bevor ich noch in Tränen ob dieser Schmach ausbrechen konnte, war er plötzlich wieder verschwunden. Es war, als ob er sich in Luft aufgelöst hätte. So bleibt mir nur dieser Weg über die Öffentlichkeit, mich zutiefst für mein abscheuliches Verhalten bei unserem Platzhirschen zu entschuldigen und mich quasi nachträglich in den Staub zu werfen in der Hoffnung, dass er auf diesem Wege von meiner Reue erfahren möge: „Ich flehe nicht um mein Leben, doch willst du Gnade mir geben, so bitte ich um so viele Tage Zeit,

bis auch ich mein Leben dem Weidwerk geweiht.“ Weidmanns Dank!