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St. Pöltens gute Seite

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MAMA-LOS

Text Beate Steiner Ausgabe 06/2017

Anna liebt ihren Job. Und: Anna freut sich auf ihr ungeborenes Kind. Schön, nicht? Nix da, sagt der Gesetzgeber. Doppelt gefreut ist einmal zu viel. Entweder schwanger sein oder arbeiten gehen, das steht dir zu als Frau, konkret an Sonn- und Feiertagen. Denn an diesen Tagen darf eine werdende Mutter nicht ihrem Beruf nachgehen, sagt das Gesetz. Weil aber Annas Führungsposition nur mit Sonntagsarbeit möglich ist, muss sie diese und meist auch die dazugehörige Bezahlung abgeben, sobald der Arbeitgeber von ihrer Schwangerschaft erfährt. Nein, Anna muss keine schweren Kisten schleppen, sie muss kein Flugzeug vorm Absturz bewahren, sie muss ganz einfach ihr Wissen auf den Bildschirm bringen. Das schadet dem Ungeborenen sicher nicht und ist, no na, körperlich weniger anstrengend als z. B. die Zubereitung des Mittagsmenüs für die ganze Familie. Kochen und servieren darf sie, dafür hat sie ja jetzt Zeit, das erlaubt ihr der zwangsbeglückende Gesetzgeber. Weil: Genau am Sonntag muss die kerngesunde Schwangere frei haben, Dienstag oder Mittwoch als Ersatz-Relax-Tage sind laut Arbeitszeitgesetz nicht gestattet. Wetten: Das kann einem gesunden Mann nicht passieren, dass er arbeiten will und nicht darf. Na, und wem werden Arbeitgeber wohl eher den Top-Job geben? Dem Mannderl oder dem Weiberl, das ein Kind kriegen könnte und schon in der Schwangerschaft nicht mehr voll einsatzfähig sein darf?
Ja eh, es gibt emanzipierte Männer, die in Karenz gehen, die Windeln wechseln statt Termine wahrzunehmen. Unsere Politikerinnen sind mächtig stolz darauf, dass das ein Schritt Richtung Halbe-Halbe bei der Kinderbetreuung ist. Aber der Papa-Monat nimmt sich schon sehr putzig aus angesichts der Tatsache, dass die Karriere von Mamas schon vor der Geburt eingebremst wird.