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Living in a Box

Text Thomas Winkelmüller Ausgabe 03/2017

Zwölf Jahre musste das Gymnasium in der Josefstraße auf den Beginn der Renovierungsarbeiten warten. Seit dem Vorjahr wird endlich gebaut, Lehrer und Schüler logieren derweil in einer Containerschule. Der 18-jährige Nick Gruber ist einer von ihnen.

Die Gerüchte, dass umgebaut werden soll, gibt es seit ich da bin und schon viel, viel länger“, erzählt Nick, während er durch die weißen, engen Gänge der Container schlendert. Seit 2013 geht er im BG/BRG Josefstraße zur Schule. Damals hieß es, das Gebäude wird spätestens renoviert sein, wenn er seine Matura macht. Jetzt ist es für ihn soweit, fertig ist das Gymnasium noch nicht.
Nick realisierte den Umbau das erste Mal so richtig, als er mithalf die Tierpräparate und Skelette aus dem alten Biologietrakt wegzuschaffen: „Da hab ich gemerkt, langsam kommt das Ganze in Schwung.“
Ein halbes Jahr später betrat er also die Containerschule. Hier würde er sein letztes Jahr verbringen und maturieren. Zu den Räumlichkeiten selbst fiel ihm in diesem Moment nur das Wort „trist“ ein. Auf den ersten Blick sah er nicht viel außer den weißen, identischen Containerklassenräumen, eng aneinander gereiht und eine lärmende Baustelle nebenan.
Für die renovierte Schule stellt sich die Direktorin Silvia Klimek das komplette Gegenteil vor: „Große, helle Klassen und ansprechende, offene Pausenräume für projektbezogenes Lernen.“ Sie bezeichnet das Kommende gerne als „die Schule des 21. Jahrhunderts“. Die Planung dafür geschah im Kern bereits unter Zeitlhofer, umsetzen wird sie nun Klimek.

Warten lohnt sich

Eine Frage, die sich jedem Schüler irgendwann einmal aufdrängte: Warum dauert das so lange? Obwohl manch abstruse These herumgeisterte, ist die Antwort recht unspektakulär: fehlendes Geld und Bürokratie. Im Schulentwicklungsprogramm, kurz SCHEP, gab es in der ‚Prioritätsklasse 3‘ einige renovierungsbedürftigere Schulen – etwa die HBLA Türnitz oder das BRG Kremszeile. Das Minis­terium zog Letztere im Zeitplan vor. Alle Schulen gleichzeitig umzubauen wäre nicht finanzierbar gewesen, zudem verbrauchte der HTL-Ausbau in St. Pölten mehr Kapital als geplant. „Rückblickend ist es die ganze Zeit am Geld gescheitert“, resümiert Zeitlhofer. 2011 wurde das Gym-Projekt endlich genehmigt, die Planungsarbeiten durch die Architekturagentur PLOV ZT und die Bundesimmobiliengesellschaft begannen aber erst 2014.
Dafür wird das Gymnasium rundumerneuert: Das Gebäude soll außen metallgrau, bei der Unterführung in die Garderoben in einem Beerenfarbton designt werden. In einem neuen Trakt entstehen mehrere Klassen, Chemie-, Biolgie- und Physiksaal sollen völlig neu ausgestattet werden. Raucherhof wird es keinen mehr geben, dafür wird die Hausschuhpflicht wieder eingeführt. Während der schriftlichen Matura werden die Bauarbeiten übrigens vorübergehend eingestellt.
Einige dieser Details kennen viele Schüler gar nicht, auch Nick nicht: „Wir haben einen Plan, wie es ungefähr ausschauen wird, wissen aber nur begrenzt über den Bau Bescheid. Zu uns sickert sowas selten durch.“

RIP Speckstangerl und Salzbrezen

Mittlerweile bemerkbar machen sich dafür die kulinarischen Neuerungen. Die Leberkäsesemmel gibt es nach wie vor, doch der Jausenverkauf des Schulwarts wurde durch ein vielfältigeres, gesünderes Buffet ersetzt. Anders sei es „nicht mehr zeitgemäß“, so die Schulleitung. Das Gymnasium setzt nun auf größere Auswahl, allerdings zu höheren Preisen. Käsestangerl bekommen die Schüler in der Cafeteria nur noch doppelt so teuer, das soll sich aber demnächst ändern. Dem alten Kaffeeautomaten wird Nick nicht nachweinen: „Jetzt gibt es eine Kaffeemaschine mit Kapseln. Der Kaffee kostet zwar mehr, schmeckt aber auch danach.“
Zusammen meistern Schüler und Lehrer die alltäglichen Schwierigkeiten, die ihre Containerklassen mit sich bringen. „Wenn wir Versuche machen, müssen wir die Rauchmelder mit Gummihandschuhen abdichten, um einen Alarm zu vermeiden“, erzählt Nick lachend. Über die schwülen, stickigen Räume beklagt er sich zwar, sonst gibt er sich aber zufrieden: „Es ist eine tolle Zwischenlösung. Eine normale Schule für die Matura würde ich bevorzugen, eh klar, aber die Container funktionieren!“
Wie die Schule fertig ausschauen wird, kann man bisher nur aus Skizzen und Animationen erahnen. Eines ist im Falle des BG/BRG St. Pölten dafür sicher: Gut Ding braucht Weile!


Die Bauarbeiten
Baubeginn: Sommerferien 2016
Bauende: April 2018 / mit Wegräum-arbeiten der Container Sommer 2018
Kosten: ca. 25 Millionen Euro
Bauherr und Eigentümer: Bundes-immobiliengesellschaft (BIG)
Lage: Rohbauarbeiten wurden abgeschlossen, Fenster werden eingebaut.
Container: 297
Abbruchmaterial: rund 9.000 Tonnen