MFG - Das Magazin
St. Pöltens gute Seite

Facebook Twitter

Lerneffekt

Text Tina Reichl Ausgabe 09/2017

Ich liebe es entlang des türkisblauen Tagliamentos zu fahren. Ich liebe auch Tretboot- und Schleppliftfahrten, Schaumbäder und lange Autofahrten mit meinem Liebsten. Vielleicht weil wir da abgeschirmt sind von der Welt, man auf den anderen fokussiert ist. Man kann entweder stumm vor sich hin sinnieren, oder den anderen niederreden. Er wird trotzdem stoisch weiterfahren, nicken und nicht davonlaufen. Wo soll er auch hin, mitten am See oder nackt mit Schaum bedeckt? Bei diesen Gelegenheiten werden banale Dinge aus dem Alltag besprochen,  wie zum Beispiel das Ding mit meinen Kontaktlinsen. Alle vier Wochen gebe ich mir neue Linsen ins Auge. Die alten befinden sich zu der Zeit noch im Behälter. So weit so gut. Abends aber geb ich dann auch die neuen Linsen in das Gefäß. Am nächsten Tag setze ich mir dann entweder beide Linsen gleichzeitig ins Auge oder hab keine Ahnung mehr, welche die neue und welche die alte ist! Das klingt jetzt sehr banal, und ich hoffe, sie befinden sich beim Lesen gerade auf einem Tretboot, am Schlepplift oder in einem Schaumbad, um nicht vor Langeweile wegzulaufen! Das Drama ist: Ich habe hier absolut KEINEN Lerneffekt! Und es gibt 100 Beispiele für diese Realitätsverweigerung, angefangen vom Einschalten des Trockners nach 20 Uhr, der mich dann nicht schlafen lässt, bis zum Kauf von Bananen, die aber niemand isst. Kein Lerneffekt!
„Können wir mal Pause machen? Mir ist nicht gut!“, sag ich zum Liebsten links von mir. „Kein Wunder, du weißt doch, dass dir beim Autofahren immer schlecht wird, wenn du dabei aufs Handy schaust!“, sagt mein Mann.