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Lady Liberti rettet das Höfefest

Text Johannes Reichl Ausgabe 09/2018

Es war einmal das Höfefest, das als St. Pöltens intimstes, abwechslungsreichstes, ja bestes Fest gehandelt wurde, bis … ja bis es vor drei Jahren in den Pause-Modus mit unsicherem Fortgang gesetzt wurde. Wars das jetzt, lautete alsbald die bange Frage? Papperlapapp, dachte sich Patrizia Liberti und drückt al neue Leiterin des Höfefestes am 29. September wieder die Playtaste, denn, wie sie meint: „Drei Jahre sind Pause genug!“

Was hat Sie dazu bewogen, das Höfefest zu übernehmen und wieder aufleben zu lassen?
Darf ich beim DU bleiben? Also die Beweggründe waren sicherlich, dass für meinen Geschmack und als langjährige Höfefest-Konsumentin drei Jahre Denk- und Schaffenspause genug waren. Anfangs hat es mich noch gewundert, dass sich niemand um das Höfefest angenommen hat oder annehmen wollte. Heute bin ich froh drüber, dass es mir geblieben ist, obwohl es unvorstellbar viel Arbeit ist, die wir in einem relativ kleinen Team bewerkstelligen. Auch wenn mich manche fragen, warum ich mir das antue, überwiegt letztendlich doch die Freude daran und die schlaflosen Nächte hole ich dann nach dem 29. September nach.

Bisweilen wurde auch gemunkelt, es scheitere schlicht an der Finanzierung?
Ja, es gab immer wieder auch Gerüchte, das Höfefest würde eingestellt werden, weil die Finanzierung nicht gesichert sei. Es war auch für mich nicht einfach Geld für das Höfefest aufzustellen. „Ohne Geld keine Musik“, wie ein österreichisches Sprichwort so treffend sagt. Kunst- und Kulturarbeit kostet Geld. Und dass das Höfefest bisher beziehungsweise all die Jahre zuvor so gut funktioniert hat, ist eigentlich nur und ausschließlich darauf zurückzuführen, dass eine Handvoll Menschen unglaublich viel Energie und Leidenschaft in die Umsetzung gesteckt haben, ohne entsprechend entlohnt zu werden. Aber zu oft und zu laut darf ich das gar nicht sagen, denn sonst heißt es wieder: Geht ja. Warum was ändern!? Liebe Geldgeber und Förderer, lasst euch sagen, wir brauchen euch. Das Höfefest braucht euch mehr denn je. Punkt.

Ab wann war es dann für dich klar – okay, ich muss es machen?
Es hat mich ganz klar persönlich gereizt, ein Fest wie das Höfefest weiter am Leben zu erhalten. Ich habe also quasi von der Konsumentenseite auf die Produktionsseite gewechselt. Es wäre ewig schade gewesen, hätte sich das Höfefest für immer zur Ruhe gesetzt. Das hätte sich die Höfefest-Gründerin Michaela Steiner sicherlich auch nicht gewünscht. Sie war es letztendlich auch, die mich ein bisserl nach vorne geschubst hat, um endlich eine Entscheidung zu treffen. Und es war gut so, sonst hätte ich vielleicht noch ein Jahr überlegt, ob ich es mache. Das Schöne am Programmieren vom Höfefest war oder ist, dass ich einfach ohne Vorgaben machen durfte, was ich wollte. Ideen einbringen, diskutieren und umsetzen konnte, ohne dass jemand sagt „Na, das machen wir so nicht.“ Und diese Ideen sind sofort auf offene Ohren gestoßen. Und dann sind da noch die Höfebesitzerinnen und Höfebesitzer, ob privat oder als Verein: Ich sage schon jetzt Danke an dieser Stelle für die Unterstützung und das Vertrauen. Ohne sie wäre das Höfefest nicht möglich. Danke auch an alle Sponsoren, Unterstützer, Partner und Förderer und ein großes Dankeschön an all meine Helferinnen und Helfer.



"Liebe Geldgeber und Förderer, lasst euch sagen, wir brauchen euch. Das Höfefest braucht euch mehr denn je. Punkt." Patrizia Liberti



Das Höfefest hat drei Jahre pausiert. Glaubst du, ist dadurch eine Lücke entstanden oder wird man ohne zu schauen an alte Zeiten anschließen können?
Ich bin überzeugt, das Höfefest hat gefehlt und es war schön mitzuerleben, dass sich ganz viele Leute wirklich darüber gefreut haben, als die Neuaufnahme bekannt wurde. Die Version 2018 wird sicherlich wieder ein wenig überschaubarer ausfallen, was die Locations, nicht aber was die Acts betrifft. Die sind großartig, da stehe ich voll dahinter. Es ist eine gute Mischung aus junger Musik, toller Literatur, Local-Heroes und liebgewonnenen Goldies geworden.

Wird das Höfefest überhaupt more of the same bieten oder hast du es verändert?
Der Charme des Höfefestes macht sicherlich die Ursprungs­idee aus: in schönen, teils privaten Höfen, auf Plätzen und anderen Locations – außerhalb der üblichen Spielorte – qualitativ hochwertige Kunst und Kultur zu zeigen und sich genau darauf zu konzentrieren. Das Höfefest war bekannt für ein Kleinkunstfestival mit hoher Qualität. Und das bleibt es.

Worin schlägt sich deine Handschrift nieder?

Gute Frage. Vorbeikommen und selbst beurteilen ist glaube ich die beste Antwort.
Ich habe versucht, Initiativen, die es schon gibt und die mir persönlich am Herzen liegen, fürs Höfefest zu adaptieren, sie vielleicht ein wenig auffälliger und frecher zu gestalten – wie zum Beispiel dieses Jahr der „Poetry Slam Train“ seine erste Fahrt aufnehmen wird. Wir starten um 14.30 Uhr vom Bahnhofsplatz, fahren mit dem Bummelzug ohne vorgegebene Strecke durch die Stadt, stoppen dann vor den Höfen und auf den Plätzen, um zu slammen, und am Schluss wird dann um 16.30 Uhr die Preisverleihung im Löwenhof stattfinden. Dort werden nochmal die Siegerbeiträge vorgetragen. Genau dort auch, also im Löwenhof, findet auch eine Silent Disco statt. Kopfhörer aufsetzen und abtanzen.
Es gibt dieses Jahr keine speziellen Themen-Höfe oder einen Hof-Fahrplan. Für mich ist wichtig, dass jeder Hof besucht wird und das Publikum sich durch die Stadt treiben lassen kann und hier und dort dann immer wieder auf Musik, Literatur, Straßentheater, Pauken und Trompeten trifft. Und wenn im Rathaus-Hof die Österreichischen Beatbox-Champions Mout-o-Matic 50 Minuten tanzbares Programm liefern, dann soll dort älteres auf jüngeres Publikum treffen und Spaß haben – ohne Vorgaben, ohne Einschränkungen, einfach nur, weil sie gerade vorbeigeschlendert sind oder es sich fix vorgenommen haben. Neugierig sein hilft.
Es gibt diesmal auch einen Höfefest-Rundgang durch die Stadt mit Einblicken in die Höfe mit einem der engagiertesten und humorigsten „professionellen“ Spaziergänger, die ich kenne: Dominik Scheuch geht mit jedem fremd durch die Stadt, der ab 15 Uhr Zeit für eine „Surround-Tour“ hat.

Worauf beziehen sich denn die Pauken & Trompeten. Auf die grandiose Rückkehr, auf die Programmierung?
Die Pauken und Trompeten beziehen sich auf die Musik und sind auch zum Wachrütteln gedacht, als Ausruf, dass das Höfefest zurück ist. Ich habe tolle Künstler gefunden, die auf den Plätzen spielen werden und unter anderem mit Pauken unterwegs sind. Und ja, die Aussage bezieht sich im Großen und Ganzen auf eine allgemeine Rückkehr des Höfefestes. Drei Jahre sind – wie gesagt – Pause genug.

Gibt es so etwas wie persönliche Favorites – wie hast du das Programm zusammengestellt?
Ja, die persönlichen Favoriten gibt es natürlich. Lass mich kurz überlegen ... ich glaube es sind so an die 27!  Wie gesagt, ich habe versucht, eine ausgewogene Mischung zu finden, damit für jeden etwas dabei ist oder dabei sein kann. Literatur Hot Spot ist dieses Jahr das Sparkassen-Haus.

Das Höfefest war sphärisch immer eher ein Fest für ältere Kulturafficionados – wird das auch weiterhin die Hauptzielgruppe sein?
Ach, papperlapapp. Wo steht denn das? Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ein Höfefest spährisch oder nicht spährisch eher älteres Publikum angesprochen haben soll. Ganz im Gegenteil. Durch die vielen Programmpunkte und die gute Mischung war immer für jeden etwas dabei. Ziel vom Höfefest ist ja auch, dass sich das Publikum inspirieren lässt und Neues entdecken soll.

Eine Besonderheit war immer die Intimität bei gleichzeitig durchaus gutem Besuch. Wird man diesen Spagat auch heuer wieder versuchen?
Ja, dabei bleiben wir. Intime Höfe wie der Adam-Hof oder der Siegel-Wöss-Hof sind auch wieder mit dabei. Neu hinzu gekommen ist der Hof vom Supperiör. Der Hof der Bühne im Hof ist mit dabei, ebenso der Löwenhof, Stadtmuseum, Rathaus-Hof, Fuhrmannshof, Urbanek-Hof und und und. Mal sehen, wie es dieses Jahr läuft. Für 2019 hätte ich schon Ausbaupläne, für die ich aber noch Geld aufstellen muss, um alles umzusetzen.

Was gedenkst du gegen den Regen zu machen, einen der treuesten Fans des Festivals?
Der natürliche Feind des Höfefestes ist der Regen. Ja, da hilft jetzt nur tief durchzuatmen und sich darauf vorzubereiten. Das Wetterthema begleitet mich seit Monaten. Ich schau mir jeden Tag die Wettervorhersagen an, obwohl es noch gut ein Monat bis zum Höfefest ist. Aber wie sagt meine Schwester so treffend: „Liberti, chill deine Basis.“ Und das mache ich jetzt auch, denn das Wetter kann ich nicht beeinflussen. Aber ganz klar, ich würde es mir sehr wünschen, wenn der Auftakt vom Höfefest 2018 mit Sonnenschein belohnt und begleitet wird. Aber eines ist fix: Auch 2018 ist das Höfefest regenfest, und hoffentlich kein REGENfest. Daumen drücken!



"Auch 2018 ist das Höfefest regenfest, und hoffentlich kein REGENfest." Patrizia Liberti



Samstag, 29. 9. 2018, ab 14 Uhr
Mit dabei sind Fainschmitz, Christian Dolezal und Karl Stirner mit einer Christine Nöstlinger Lesung, Mouth-o-Matic, Martin Prinz, Christopher Just, FSHW und viele viele mehr ... wie Florian Kmet, The Harlequin’s Glance, New Ohr Linz, The Su’sis, 3 knaben schwarz, Mr. & Mrs. Curtis, Soulitaire, Theatro Piccolo, Irrwisch, 2. Kassa bitte ... mehr wird jetzt aber nicht mehr verraten.
NEU im Programm: Poetry Slam Train: zehn Poetry-Slammer geben jeweils fünf Minuten Gas für die schnellste Verbindung in die Herzen des Publikums. Eine Fahrt jenseits aller Normen und Haltestellen. Die Reiseleitung übernehmen Marlies Eder & Andi Pianka.
Anmeldung für Slammer – und alle, die es bis dahin noch werden wollen – bis 22.9.2018 unter poetry@hoefefest.at
KulTOUR-TIPP: Kulturspaziergang oder: ein innerstädtischer Wandelgang. St. Pölten Surround Tour – Einmal fremd durch die Stadt gehen. Mit Dominik Scheuch, Landschaftsarchitekt und Stadtplaner
Höfe, Plätze und Spielorte: Adam-Hof, Siegel-Wöss-Hof, Urbanek-Hof, Rathaus-Hof, Löwenhof, Fuhrmannshof, Supperiör-Hof, Stadtmuseum-Hof, Steingötter-Hof, Bühne im Hof, Rathausplatz, Riemerplatz, Linzer Straße, Sparkassen-Haus, Cinema Paradiso, Kunst:WERK