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Ich bin ich

Text Tina Reichl Ausgabe 06/2018

Ja, es geht um die älteste Frage der Menschheit: Wer bin ich, und wenn ja, wie viele?
Anfangs war das leicht! In der Volksschule war ich die Martina. Im Gymnasium kam noch der Nachname dazu, denn komischerweise redet dort jeder Lehrer die Schüler mit ihrem vollen Namen an: Also war ich die Watzinger Martina – Nachname zuerst! Okay, das war zu lang für die meisten, also kurz: Watzi! Fand ich jetzt nicht so prickelnd, darum suchte ich mir bald eine neue Identität und stellte mich in der Hochschule als Tina vor. Klingt irgendwie cooler! Es folgte eine aufregende Zeit, in der ich abwechselnd Namen trug wie „Schatzi, Mausi oder Sexgöttin“, und irgendwann war alles anders, denn nach der Hochzeit hieß ich auf einmal Reichl. Wie oft ich mich am Festnetztelefon noch automatisch mit „Martina Watzinger“ gemeldet habe, weiß ich gar nicht mehr. In der Schule bin ich die Frau Lehrer Reichl, meine Schwiegermutter sagt Tini zu mir, ich höre auch noch auf Martina Elisabeth – das sagt meine Mutter, wenn sie böse auf mich ist – auf Tinchen, Tinamarina und französisch Martine. Sie sehen also mein Problem: Ich leide an einer dissoziativen Identitätsstörung! Diese Patienten haben abwechselnde, unterschiedliche Vorstellungen von sich selbst, wobei scheinbar unterschiedliche Persönlichkeiten entstehen, die wechselweise die Kontrolle über das Verhalten übernehmen. Und wäre das alles nicht genug spricht mich am Fußballplatz jetzt auch noch eine fremde Mutter an: „Sind Sie die Maxi Mama?“ Ich lächle und antworte mit Mira Lobes Worten:„Ich bin ich, und wer das nicht weiß ist dumm, bumm!“