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St. Pöltens gute Seite

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I WER‘ NARRISCH

Text Johannes Reichl Ausgabe 06/2016

Nun ist es „amtlich“: Wie eine Studie der UEFA anlässlich der Fußball EM am Beispiel des St. Pöltner Wahlkampfes nachgewiesen hat, gehören Zitate berühmter Fußballer längst zum fixen Sprachinventar.

So gab Bürgermeister Stadler schon zum Wahlkampfauftakt die Parole aus „Wir müssen gewinnen, alles andere ist primär“ und forderte von jedem Funktionär, sich an seinem Arbeitspensum zu orientieren: „In einem Jahr hab ich mal 15 Monate durchgearbeitet!“ Wahlkampfleiter Robert Laimer versuchte ob dieser hohen Erwartungshaltung wieder etwas Druck rauszunehmen „Man muss nicht immer die absolute Mehrheit hinter sich haben, manchmal reichen auch 51 Prozent!“ Auf Prognosen wollte er sich nicht einlassen: „Ich mache nie Voraussagen und werde das auch niemals tun.“ Als der Bürgermeister am Wahlabend dann aber satte  59% einfuhr, gab es auch bei Laimer kein Halten mehr: „59! 59! 59! I wer‘ narrisch! Meine Damen und Herren, wir fallen uns um den Hals. Der Kollege Rankl, der Ing. Gunacker – wir busseln uns ab! Der Stadler hot olles überspielt! Und wortens nu a bissl ... wortens nu a bissl … dann könn ma uns vielleicht ein Vierterl genehmigen! Also das ... das musst miterlebt hobn!“ Noch Stunden später schwelgte er: „Das war europäische Weltklasse!“
Zu den Wahlgewinnern zählte auch die FPÖ, was Klaus Otzelberger vor allem aufs Teamwork zurückführte. „Wir sind eine gut intrigierte Mannschaft.“ Insbesondere sein Verhältnis zur Nummer 2 hob er hervor. „Der Martin Antauer und ich, wir sind ein gutes Trio! (Pause) Ich meinte Quartett!“ Dem Vorwurf, man habe bei der Asylthematik übers Ziel geschossen, konterte er „Das wird alles von den Medien hochsterilisiert“, und auf die Frage nach seinem Part beim Allparteien-Besuch im Innenministerium reagierte er unwirsch „Des is die nächste deppade Frog!“ Schließlich sagte er der versammelten Journaille offen seine Meinung: „Was Sie da erzählen, ist, glaub I, für die Würschte!“
Weniger rosig verlief die Wahl für die ÖVP. Meinte Vizebürgermeister Matthias Adl zunächst noch gelassen „Es gibt nur eine Möglichkeit: Sieg, Niederlage oder Unentschieden“, so musste er seine Erwartungen angesichts erster Hochrechnungen zurückschrauben „Hoch werma‘s nimmer gwinnen, des is amoi klor!“ Als das Debakel seinen Lauf nahm, haderte er mit dem Schicksal, hatte die ÖVP im Wahlkampf doch vermeintlich die Themen diktiert: „Wir haben 99 Prozent des Spiels beherrscht. Die übrigen drei Prozent waren schuld daran, dass wir verloren haben.“ Konsterniert stellte er fest: „Mal verliert man und mal gewinnen die anderen.“
Auch die Grünen kamen unter die Räder. Obwohl Nicole Buschenreiter ursprünglich zuversichtlich gewesen war „Ich hatte vom Feeling her ein gutes Gefühl“, verlief der Wahlkampf dann doch nicht nach Wunsch. „Erst hatten wir kein Glück, dann kam auch noch Pech hinzu!“ Als der Verlust eines Mandates Tatsache war, ging Buschenreiter bei der internen Wahl-Aufarbeitung mit ihren Mitstreitern hart ins Gericht. „Das ist Wahnsinn! Da gibt’s Spieler im Team, die laufen noch weniger als ich!“ und – richtig in Rage kommend und daher ihre Worte nur mehr gepresst hervorstammelnd – fügte sie hinzu: „In diese Spiel, es waren zwei, drei diese Spieler waren schwach wie eine Flasche leer!“ Wutentbrannt kündigte sie ihren Rücktritt an: „Ich haben fertig!“ Ihr designierter Nachfolger Markus Hippmann versuchte in Folge die demoralisierte Truppe wieder aufzurichten, freilich ohne die ökologischen Grundsätze der Bewegung zu verraten. „Wir dürfen jetzt nur nicht den Sand in den Kopf stecken!“
Ein alter Polit-Doyen indessen erlebte die Wahlen nur von der Ferne aus und schwelgte wehmütig in Erinnerungen „Ich habe viel von meinem Geld für Alkohol, Frauen und schnelle Autos ausgegeben ... Den Rest habe ich einfach verprasst.“ Matthias Stadler zollte er Respekt „Das sind Jahrhundertspieler, wie sie höchstens alle 50 Jahre mal vorkommen!“ Und er erinnerte an eine alte St. Pöltner Binsenweisheit, die sich wieder bewahrheitet hätte: „Wahlen sind ein einfaches Spiel. Verschiedene Parteien jagen fünf Jahre dem Wähler nach, und am Ende gewinnen immer die Roten.“