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Hausverstand

Text Beate Steiner Ausgabe 02/2018

Er ist verschwunden – übermalt von bunten Facebook-Bildern, übertönt von schrillen Marketing-Schreien, verdrängt von verheißungsvollen Polit-Versprechen. Er ist weg – der Hausverstand nämlich, dieses einfache, natürliche Urteilsvermögen, das sich auf die Vernunft bezieht und auf die Erfahrungen des homo sapiens. Letzteres hat dem Hausverstand vermutlich die Existenz entzogen, beziehen sich doch die zum Denken genutzten Erfahrungen vieler Menschen nicht mehr aufs reale, sondern aufs virtuelle Leben. Die Frau Staatssekretärin ist ja diesbezüglich als Role Model im Fernsehen aufgetreten, als sie Facebook als Bestätigung ihrer Theorien bemüht hat. Beweise für fehlenden Hausverstand gibt’s natürlich auch in sozialen Netzwerken im heimischen Umfeld: die unzähligen Warnungen vor weißen Vans, die Kinder vor Schulen verschlucken; oder die vielen, vielen vergifteten Katzen, von deren Meuchelmord die Polizei noch nie gehört hat; oder die Hasenläufe unterm Schnee, die einfühlsame FB-Nutzer als über die Regenbogenbrücke entschwundene Hundeseele beweint haben. Ein besonders beeindruckendes Beispiel ist das Bild von der toten Kuh, die ein Wolf ins Jenseits gebissen haben soll. Der muss allerdings mit Skalpell gejagt haben, denn das riesige Rind liegt in der Wiese, unversehrt vom Schwanz bis zur Schnauze. Nur über den Rippen sind Fell und Muskeln fein säuberlich entfernt – von Fotoshop oder Co., sagt der Hausverstand.
Fake News heißen all diese Aufreger im Neu-Sprech. Und die sollte ganz leicht erkennen, wer „common sense“ mitlesen lässt.