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Hat Akademie St. Pölten bald den ersten Teamspieler?

Text Thomas Schöpf Ausgabe 03/2016

Seit 2000 werden in der St. Pöltner Akademie junge Fußballer auf eine Profi-Karriere vorbereitet. 2013 beendete der vielleicht beste Jahrgang (1995) die Ausbildung. Einer davon, Florian Grillitsch, ist nun erstmals im Abrufkader des ÖFB-Nationalteams. Mit der U20 kam er bereits ins WM-Achtelfinale.

Florian Grillitsch heißt einer der neuen Shootingstars im österreichischen Fußballhimmel. Seit Oktober ist der 20-Jährige Stammspieler beim SV Werder Bremen. Im U21-Nationalteam zieht der Neunkirchner im offensiven Mittelfeld die Fäden, in der U20 überzeugte er bei der WM in Neuseeland, als Österreich ins Achtelfinale kam. Sein Marktwert hat sich seit Saisonbeginn auf über 1,5 Millionen Euro verfünffacht, ein Angebot von Borussia Dortmund schlug er (vorläufig) aus. Vielleicht springt Grillitsch sogar noch auf den EM-Zug nach Frankreich auf – immerhin wurde er nunmehr erstmals in den Abrufkader der Nationalmannschaft einberufen.
Bis Sommer 2013 kickte Grillitsch – der schon als 14-Jähriger aufgenommen und in die U15 integriert worden war – noch auf der Stadtsportanlage St. Pölten für die U18 der Akademie. „Er ist von Werder Bremen mehrmals beobachtet worden, Viktor Skripnik war sogar persönlich da“, erinnert sich Andreas Wieland, der sportliche Leiter der Akademie. Damals war Skripnik Trainer der zweiten Mannschaft von Werder Bremen, nun ist er Chefcoach. Für Wieland ist Grillitsch ein Paradebeispiel einer guten Karriereplanung. „Er denkt mehrere Jahre voraus und hat mit Thomas Böhm einen tollen Berater.“ Der Vertrag mit Werder hat sich kürzlich aufgrund Grillitsch’ zahlreicher Einsätze automatisch bis Sommer 2017 verlängert.
„Der Spielerjahrgang 1995 ist überhaupt einer unserer Besten“, erzählt Wieland, „da haben wir mit der U18 den Meistertitel geholt. Elf Spieler aus dieser Mannschaft sind nun Profis.“ Phillip Plank beispielsweise bei Rapid, Martin Rasner bei SV Grödig, Patrick Puchegger bei Bayern München oder Burak Yilmaz beim SKN St. Pölten.
„Es ist auch unser vorrangiges Ziel, Spieler auszubilden, die für die nieder­österreichischen Profiklubs in Frage kommen“, sagt Wieland. Also für Admira Wacker, SKN St. Pölten, SC Wiener Neustadt; oder auch professionell geführte Regionalligaklubs wie den SV Horn. Der im wahrsten Sinne des Wortes naheliegendste Abnehmer wäre der SKN. In der Ära Martin Scherb (Trainer) und Christoph Brunnauer (sportlicher Leiter) griff der SKN hauptsächlich auf Akademie-Spieler zurück. Unter dem Sportdirektor Frenkie Schinkels hat sich die Vereinsphilosophie radikal verändert: Der Alters-Durchschnitt der Kampfmannschaft stieg von 22 auf 25 Jahre an, und derzeit tummeln sich bei den Profis fünf Legionäre. In den vergangenen eineinhalb Jahren tätigte der SKN inklusive zweiter Mannschaft 59 Transfers (27 Zugänge, 32 Abgänge). „Trainer Karl Daxbacher, Jochen Fallmann und auch Schinkels wissen aber genau, was bei uns vor sich geht und haben nach wie vor ein Auge auf unsere Spieler“, versichert Wieland. Derzeit haben die „Wölfe“ aber den Titel im Visier, da rückt die Ausbildung junger Spieler natürlich etwas in den Hintergrund. Manche finden aber auch über Umwege zurück. Bernd Gschweidl beispielsweise war im Akademie-Meisterkader 2013 nach Grillitsch (22 Tore) mit 15 Treffern zweitbester Ligaschütze. Der 20-jährige Stockerauer kam im Jänner vom SV Grödig zum SKN und hatte zuvor seine ersten Profispiele in der Ersten Liga für den SV Horn absolviert.
„Der Kader von 2013 findet aber auch so immer wieder zueinander, weil damals auch außerhalb des Platzes alles gepasst hat“, gerät Wieland fast ins Schwärmen, „die treffen sich alle zweimal pro Jahr in St. Pölten!“ Und wer weiß, in absehbarer Zeit vielleicht ja auch wieder als Spieler desselben Teams, gar dem SKN.