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Get funky, baby!

Text Thomas Winkelmüller Ausgabe 06/2017

Internationale DnB-Produzenten supporten sie, am letzten Beatpatrol hat Mainact Andy C fünf Stunden nach ihrem eigenen Set ihren Track ‚Shag‘ gespielt. Seit 2016 sind sie exklusiv bei Viper Recordings unter Vertrag und gaben zuletzt ihre UK-Premiere: Dossa (Benedikt Dengler) & Locuzzed (Rene Maierhofer).

Wie seid ihr eigentlich zum Produzieren gekommen?
Rene: Ich hab ein Videospiel programmiert und wollte Hintergrundmusik für den Titelbildschirm. Ich hab aber nichts Leiwandes gefunden und deshalb angefangen, irgendwelche Loops aus dem Internet runterzuladen, mit denen ich mir dann selbst was zusammengestellt hab. Das hat mir eigentlich mehr Spaß gemacht als das Programmieren selbst, und so bin ich beim Mucke machen geblieben.
Benni: Ich mach Musik eigentlich seit ich auf der Welt bin. Zuerst Schlagzeug, dann hab ich Gitarre gelernt, und mit 14 bin ich über meinen Bruder, der damals so Trance und House Sachen gemacht hat, zum Produzieren gekommen. Glücklicherweise war das zum selben Zeitpunkt, an dem ich Drum and Bass zu hören begonnen hab.

Euch als Einzel-DJs gibt es ja schon länger als Dossa & Locuzzed im Gesamtpaket. Rene, du hast deine erste Single 2012 als Locust veröffentlicht. Wie seid ihr eigentlich auf eure Namen gekommen?
Rene: Das passiert einfach, wenn man Musik rausbringen möchte und dann auf einmal einen Künstlernamen braucht. Irgendwie bin ich dann auf Locust gekommen, nur wenn du Locust im Internet eingibst, findest du alles außer meiner Musik. Deshalb hab ich mir gedacht: „Ich schreibs einmal ein bisschen leiwander.“
Benni: Bei mir hat auch irgendwann ein DJ-Name her müssen. Nachdem mich meine Schwester stets liebevoll ‚Penner‘ nennt, hab ich im Internet geschaut, was Penner auf Englisch heißt – und das ist ‚Dosser‘. Wie der Rene hab ich das dann in eine coolere Schreibweise umgewandelt.

Seit 2015 seid ihr im Doppelpack unterwegs. Wie kam es dazu?
Benni: Das hat sich von selbst ergeben, weil wir beide damals schon auf Mainframe Recordings released haben. Irgendwann haben wir beschlossen gemeinsam eine Collaboration zu machen, und das wurde ‚Friday‘. Ab da wars eigentlich für uns klar, dass wir das jetzt so weiter machen.

Eure eigentlichen Idole sind aber gar nicht DJs und Producer, sondern viel mehr Funk-Legenden wie Herbie Hancock. Woher kommt die Liebe zum Funk?
Benni: Die war schon immer da. Wenn ich einen Film geschaut hab und da kam ein Track, der so richtig weggefunkt ist, war das immer das Coolste. Im Laufe des Studiums bin ich dann draufgekommen, wer die jeweiligen Artists von dem einen oder anderen Lied sind und hab mir langsam alles zusammengetragen.

Was ist denn das verrückteste Sample, das ihr je verwendet habt?
Rene: Eigentlich das von ‚Larry‘. Sowohl die Gitarre als auch das ‚Yeah Baby!‘ stammen aus einem 90er-Jahre-Computerspiel mit Namen ‚Larry‘. In einem Sidegame von dem Spiel musst du den Dildo im Bild finden, und wenn du das geschafft hast, kommt ein Jingle mit diesem ‚Yeah Baby!‘. Den haben wir genommen und in Drum and Bass verpackt.

Ihr vermischt ja viele Genres in eurer Musik und lasst euch keiner echten DnB-Schiene einordnen. Wie würdet ihr eure Musikrichtung beschreiben?
Rene: Hashtag Funky DnB – ich glaub‘, das triffts gut!

Benni, du hast einen DJ Workshop gemacht. Erzähl ein bisschen davon.
Benni: Also ich hab da nur unterrichtet, organisiert hat ihn der Sonnenpark. Zweck war es Jugendlichen ab 12 ein bisschen zu zeigen, dass man Musik auch angreifen kann, dass eine Kunstform dahinter steckt.

DJ und Producer sind aber nicht eure einzigen Jobs. Benni du bist ja auch Lektor auf der FH-St. Pölten?
Benni: Ja genau, und ich mach noch verschiedene Musikgeschichten nebenbei.
Rene: Ich arbeite bei einem Versicherungsunternehmen im Kundenbüro. Der Kontrast zwischen den beiden Berufen ist vielleicht das, was es leiwand macht!

Rene, du hast eine Obsession mit Faultieren, oder?
Rene: Mit Faultieren und Burgern (zeigt auf sein Shirt, das ein Faultier auf einem Burger zeigt)! Mein Leiberl beschreibt ziemlich genau die beiden Sachen, die ich am leiwandsten finde, ganz einfach weil mir der Lifestyle von Faultieren sehr imponiert.

Seit Februar habt ihre eine eigene Website und ‚The Friday Funk Show‘. Erzählt einmal davon.
Benni: Es gibt einfach so viel geile Mucke und wir können nicht alles bei unseren Gigs spielen, weil wir erstens eigentlich nur DnB auflegen und zweitens, weil wir gar nicht so viele Gigs spielen. Wir haben uns dann gedacht: „Ok, wir brauchen eine Plattform für das!“
Rene: Es geht auch darum den Leuten zu zeigen, woher unser Sound kommt. Wir haben jeden Monat einen anderen DJ dabei, der sagt, was sein Lieblings-Funk-Track ist. Das waren bis jetzt Leute wie Futurebound (Viper-Labelchef), Camo & Krooked oder Fourward.

Ihr macht relativ wenige Collabs, warum eigentlich?
Rene: Es macht in unseren Augen keinen Sinn eine Collab zu erzwingen, das muss sich ergeben. Wir haben jetzt zwei Tracks mit BMotion gemacht, mit Dorian einen Tune.
Benni: Wir sind wirtschaftlich wirklich schlecht! Wir denken uns bei Tracks nicht, wie gut sich der verkaufen könnte, sondern ob der Vibe mit unserem Collab-Partner passt und das Ganze auch Spaß macht.

Was kommt als nächstes auf euch zu?

Rene: Wir sind gerade dabei, unsere neue EP zu finalisieren. Sie wird den Dossa & Locuzzed-Stil behalten, aber soundtechnisch auf die nächste Stufe gehoben. Wir wollten diesmal ein größeres Projekt als eine Single auf die Beine stellen – und das ist die erste EP auf Viper geworden.
Benni: Wir warten noch auf die Absegnung vom Label, aber wir haben vor, das Ding im Juli rauszubringen.

Wie wird die EP klingen?

Rene: Alle vier Tracks sind verschieden! Wir wollen keinen neuen ‚Shag‘ oder ‚Himalaya‘ machen, sondern immer was Neues probieren.

Hat man die Tracks schon bei euren Shows gehört?

Benni: Ja. Die Tracks werden bei uns in der Regel schon gespielt,  bevor sie ein Intro haben. Hihats am Anfang zum Beatmatchen, und das geht schon! So finden wir auch heraus, ob den Leuten die Nummern gefallen. Wir haben schon Lieder verworfen, weil die Idee einfach nicht aufgegangen ist.

Was ist euer Lieblingstrack auf der EP?

Benni: ‚Stella‘! Eine Hommage an die 90er-Disco-Welle mit Vocals von Pat Fulgoni.

Gespannt sein ist also erlaubt, aber nicht nur auf die kommende EP: In Bennis Kopf schwirrt zudem die Idee, eine Funk-Band zu gründen, wo er – dann nicht nur mehr auf den Tracks von Dossa & Locuzzed - Gitarre spielt. Eins ist fix: Von den Jungs darf man noch einiges erwarten!

www.dossalocuzzed.com