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Gelebtes Olympia

Text Patricia Rauscher Ausgabe 06/2010

Menschen mit besonderen Bedürfnissen sollen durch Training und sportlichen Wettkampf einen körperlichen, geistigen und gesellschaftlichen Nutzen ziehen – so lautet eine Maxime der Special Olympics. Ein Motto, das man in der Tagesheimstätte im Grunde genommen jeden Tag lebt.

Die Tagesheimstätte (THS) setzt sich zum Ziel, Menschen mit besonderen Bedürfnissen zu unterstützen sowie beruflich und sozial zu integrieren. Die derzeit 96 Betreuten und 20 Betreuer hegen ein partnerschaftliches Miteinander. „Wichtig im Umgang mit behinderten Menschen ist es, ihnen eine Struktur vorzugeben, worin jeder seinen fixen Platz einnimmt.“, meint Sigrid Müllner, Heilpädagogin der THS. Deshalb werden auch im sportlichen Bereich, von ausgewählten Betreuern, die als Trainer eingeschult wurden, feste Trainingszeiten vorgegeben.

Herausforderung für Athleten und Betreuer
17 Betreute der Tagesheimstätte nehmen an den Special Olympics teil. Die Athleten messen sich in den Disziplinen Boccia, Stockschießen und MATP mit anderen geistig behinderten Sportlern aus Österreich und der ganzen Welt.
Die Auswahl der Athleten erfolgte nach deren sportlicher Veranlagung. Aber „natürlich wird keiner gezwungen, mitzumachen“, so Betreuer Walter Stamminger.
Die Einrichtung bietet genügend Platz und Möglichkeiten, die Trainingseinheiten direkt in der gewohnten Umgebung der Betreuten zu veranstalten. Sowohl im hauseigenen Turnsaal, als auch im Garten und auf der Stockschützenbahn an der Rückseite des Gebäudes wird eifrig trainiert.
Mit großem Engagement und Ehrgeiz arbeiten die Sportler bereits seit Anfang 2009 auf die Special Olympics hin. Eine Trainingseinheit dauert zwei Stunden pro Tag und findet einmal in der Woche statt. Für die Trainings wurden die Athleten in drei Gruppen, nach der jeweiligen Sportart, die sie ausüben, eingeteilt. Bei der Disziplin MATP handelt es sich um eine Art 10-Kampf für Schwerbehinderte, die im Rollstuhl sitzen. Der Athlet muss einen Parcours mit Geschicklichkeitsübungen bewältigen, im Zuge dessen er u.a. einen finsteren Tunnel passieren, Farben zuordnen, sowie einen Slalom fahren muss. Da von der THS nur ein Betreuter in dieser Disziplin antritt, kann noch individueller auf den Sportler eingegangen werden. Bei der Sportart Boccia genießen die St. Pöltener Behindertensportler direkten Heimvorteil, da die Trainings in der Austragungsstätte dieses Bewerbs stattfinden. Hier wurde ein fixer Tag in der Woche vereinbart, wo die Athleten die Prandtauerhalle nutzen dürfen.
Das Stockschützen-Team trainiert teilweise am hauseigenen Stockschützenplatz aber auch in der Stocksporthalle in Stattersdorf. Die einheitlichen Trainingsanzüge fördern das Zusammengehörigkeitsgefühl der Teammitglieder.  Als Entspannungs- und Ausgleichsübungen zu den anstrengenden Übungsstunden können die Sportler einmal wöchentlich Massage- und Shiatsu-Angebote in Anspruch nehmen.

„Dabei sein ist alles“
Am Wettkampftag treffen sich die Athleten mit den Betreuern bei der THS. Von dort aus werden die drei Gruppen in Bussen zu ihrem jeweiligen Austragungsort gebracht. Zunächst werden die Athleten in Vorbewerben nach ihrem Können eingeteilt, bevor dann der eigentliche Hauptbewerb bestritten wird. Die Betreuer der THS begleiten ihre Schützlinge während des ganzen Wettkampftages über. „Um den olympischen Grundgedanken bei den Wettbewerben nicht aus den Augen zu verlieren“, erzählt Müllner, „geben wir unseren Sportlern immer wieder den Leitsatz ‚Dabei sein ist alles‘ vor“.