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St. Pöltens gute Seite

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Fürs Leben

Text Michael Müllner Ausgabe 09/2018

Im Vorstellungsgespräch zeigt mir ein Bewerber unsicher sein Maturazeugnis. Den Fünfer in Mathe müsse er noch ausbessern, ist er zerknirscht. „Bald können Sie über diese Note lachen“, mache ich ihm Mut. Gerne würde ich seine Geschichte dazu hören, denn ein Fünfer bei der Mathe-Matura: been there, done that. Ich war an sich kein schlechter Schüler, aber Mathe hatte ich in der Achten zu leicht genommen. Den Fünfer bei der Schriftlichen kann ich gerade noch verstehen, ich war auch nicht der Einzige der zusätzlich mündlich ran durfte ... Nachhilfe, Strebern, selber Schuld. Aber den Fünfer bei der Zusatzprüfung, den verzeihe ich meiner Mathelehrerin auch knapp zwanzig Jahre später nicht. Danke für einen verschissenen Sommer und einen schalen Beigeschmack zum Abschluss meiner Schulzeit!
Dennoch endet die Geschichte für mich versöhnlich. Zum Abschluss des mündlichen Prüfungstages stehen alle Prüflinge aufgefädelt vor der Kommission. Der Vorsitzende meint in meine Richtung: „schon komisch, lauter Einser und Zweier – nur das Missgeschick in Mathematik“. Ein Missgeschick, das einem idiotisch schweren Beispiel geschuldet war, will ich anmerken. Beim Verabschieden gehen alle Lehrer die Schülerreihe durch, schütteln Hände, führen Smalltalk. Und ich verweigere meiner Mathelehrerin die Hand! Das sorgt für Unruhe und ist wohl weder höflich noch taktisch-klug. Aber es macht mich bis heute stolz, dass ich meine Enttäuschung und meinen Zorn über die vermeintliche Ungerechtigkeit ausgedrückt habe. Und das prägt fürs Leben. Danke, Frau Professor!