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St. Pöltens gute Seite

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FREQUENZEN

Text Roul Starka Ausgabe 09/2017

Gerade will ich mich über die vielen Bierdosen in der Wiese beim Frequency aufregen, schreit Freddie Mercury aus dem Himmel: „Barcelooonaaa!“ Ich also brav zum Fernseher, geschockt zurück zu Facebook, schaut mich an ein angespültes, totes Flüchtlingskind. Darunter die Erklärungen, warum mich was mehr bewegen oder aufregen soll. Ich weiß es nicht und entscheide mich für einen der vielen Intelligenztests auf Facebook. Stolz gehöre ich zu den besten fünf Prozent und vergesse sowohl Barcelona als auch die Flüchtlingskinder.
Als echter Österreicher esse ich dann bei der ZiB 2 zu viel von den kalten Fleischlaberln und schimpfe über unsere Jugend, die ihre Bierdosen nicht wegräumt. Dann will ich meiner Frau die Welt erklären. Sie sieht mir in die Augen, wie es nur Frauen können. Also stehe ich auf und hole mir Senf.
Irgendwann wache ich auf in einer Welt voll Frieden und der einzig richtigen Zahnpasta, in meiner rechten Hand eine fettige Fernbedienung. Vor drei Wochen hab ich mit dem Rauchen aufgehört, also rauch ich mir eine Zigarette an. Nur die eine. Dafür gehe ich morgen ganz lange mit dem Hund. Ich denke an Fitnessübungen und hol mir aus der Küche das letzte Fleischlaberl. In meinem herzhaften St. Pöltner Dialekt sage ich zu mir selbst: „Ma miassad…“ Dann schlafe ich ein.
Am nächsten Tag muss ich in die Stadt. „Bus, Baby“ - Lup. Gott sei Dank ist parallel zum Frequency eine Baustelle in der Josefstraße und die Station Sensengasse ist auf der Landsbergerstraße. Die Busse kommen regelmäßig, man weiß nur nicht, wann. Ich könnte mich entscheiden zwischen „Heute“ oder „Österreich“. Lucky Strike.